#466

RE: Faktor Zeit

in Die Grünen 08.06.2020 00:26
von Atue (gelöscht)
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Zitat von Findus im Beitrag #454
Dann musst du Mehrheiten organisieren. Schau dich doch auf der Welt um: Nur in der Demokratie spricht man über den Klimawandel.


Ich versuche schon recht lange, Mehrheiten zu organisieren - der Erfolg hält sich dennoch so in Grenzen (obwohl ich ja nicht alleine bin), dass auch der Demokratie die Zeit wegläuft.

Dass man nur in Demokratien über den Klimawandel spricht, stimmt so nicht. China ist sich des Problems durchaus bewusst, und steuert durchaus auch stark gegen. Teilweise mit Mitteln, die wir so in unserer Demokratie nicht umsetzen können, weil wir ja erst mal Jahre Überzeugungsarbeit leisten müssen, bis auch noch der letzte Aluhüteträger so in der Minderheit ist, dass er keine Rolle mehr spielt. Und selbst dann noch haben wir einen Rechtsstaat, über den man beispielsweise ökologisch notwendige Neubauten auch noch mal über viele Jahre bis Jahrzehnte verhindern kann etc. etc.....ich fürchte, die Demokratie ist für das Problem des Klimawandels zu langsam! Und teile aber auch die Sicht, dass die Alternativen in den meisten Fällen das Problem nicht greifen werden.

Ich fürchte, dass hier die Menschheit sich so oder so in weiten Teilen selbst das Grab schaufelt.


Zitat von Findus im Beitrag #460
Keine Kaufprämie für Verbrenner.


Die Mehrwertsteuerabsenkung wirkt auch auf Verbrenner - sofern die Hersteller das weitergeben, können da auch schon mal 500€ - 1000€ Kaufanreiz mit dabei sein.


Zitat von kuschelgorilla im Beitrag #464
Darüber hinaus werden sich in unserer Gesellschaft in den nächsten Jahren sooooooo viele Dinge ändern. Dass man sich zum Beispiel mit Begriffen wie Postwachstumgesellschaft und BGE weit mehr auseinandersetzen werden müssen, als es uns lieb ist. Unsere Erde ist nun mal endlich und es wird kein Wachstum bis zum St.Nimmerleins-Tag geben.


Prinzipiell wäre auf viele Jahrtausende ein Wachstum durchaus möglich. Denn die Erde bekommt täglich recht viel Energie von der Sonne, und nur ein Bruchteil wird genutzt.

Trotzdem stimme ich dir sofort zu, was die Kernproblematik angeht. Wir überfordern derzeit die Erde als Ökosystem - und ohne deutliche Hinwendung zu einer Postwachstumsgesellschaft (wachsen könnte man auch qualitativ) wird es zu Bürgerkriegen und mehr kommen. Je später entsprechende Maßnahmen angegangen werden,desto wahrscheinlicher ist es, dass Maßnahmen gar nicht, oder zu spät kommen, und die sozialen Spannungen unsere Gesellschaften zerreißen werden.


"Technisch" gesehen wäre der Loop sofort geschlossen, wenn man die Staatsfinanzierung entsprechend der Vermögen organisieren würde. Eine echte Vermögensvermehrung wäre dann auf Dauer nur möglich, wenn man alle Menschen im Staat irgendwie mitnimmt.



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#467

RE: Faktor Zeit

in Die Grünen 08.06.2020 09:45
von Meridian | 2.839 Beiträge

Hier ein paar Infos zum Weltklima selber:

Der Mai 2020 war weltweit der wärmste seit Beginn der globalen Erfassungen (die allerdings erst seit 1979 begonnen haben).

https://www.rnd.de/wirtschaft/klimawande...LBBSCK7CNA.html

In Deutschland war er dagegen sogar unterdurchschnittlich dank häufig vorkommender kühler Strömungen.

Dennoch gibt es für Deutschland auf den Frühling 2020 (März, April, Mai) einen Rekord, nämlich die höchste Sonnenscheindauer seit Beginn der Messungen.

https://www.wetteronline.de/wetterrueckb...n-2020-05-29-ra

Seit wann die Messung der Sonnenscheindauer begonnen hat, ist nicht ersichtlich, aber es dürfte länger als 30 Jahre her sein. Ansonsten war der Frühling nur wenig wärmer als im Durchschnitt. Durch die sonnigen Tage gab es aber hohe Tag-Nacht-Unterschiede bei der Temperatur. Das führte zu vielen Nacht- und Bodenfrösten.

Passend zu den vielen Sonnenstunden war der Frühling sehr trocken.


Die äußere Welt ist der Spiegel deines Inneren.
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#468

RE: Faktor Zeit

in Die Grünen 08.06.2020 10:01
von Meridian | 2.839 Beiträge

Ich habe vor kurzem noch einmal in der Biographie von Alexander von Humboldt gelesen.

Er war ja vermutlich der erste Wissenschaftler, der den Klimawandel mit menschlichen Eingriffen in die Natur verbunden hat. Er hat das noch im vorindustriellen Zeitalter erkannt. Dennoch hat er die Industrialisierung in seinen Gedanken mit ein bezogen.

Aus seiner Sicht beeinträchtigt der Mensch das Klima auf drei Arten::

1. Abholzung

2. rücksichtslose Bewässerung

3. die "Entwicklung großer Dampf- und Gasmassen an den Mittelpunkten der Industrie" (hier wörtlich zitiert)

Erstere zwei Punkte sah er v.a. in den spanischen Kolonien in Südamerika, aber teilweise auch auf der Reise durch Russland. Der dritte Punkt war sehr prophetisch zu einer Zeit, in der von CO2 und dessen Wirkung auf das globale Klima nichts bekannt war. Die Photosynthese wurde zwar schon 1779 postuliert, aber erst in den 1860er-Jahren (kurz nach Humboldts Tod) experimentell nachgewiesen.


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zuletzt bearbeitet 08.06.2020 10:02 | nach oben springen

#469

RE: Faktor Zeit

in Die Grünen 09.06.2020 11:48
von Meridian | 2.839 Beiträge

Die Kosten für erneuerbare Energien sind kräftig gesunken.

https://www.energiezukunft.eu/wirtschaft...en-im-sinkflug/

Selbst neueste Kohlekraftwerke sind teurer als Solar- und Windanlagen an durchschnittlichen Standorten. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass gerade diese beiden Energien zum Ausgleich viel Speichertechnologie benötigen. Rechnet man diese hinzu, sind sie immer noch teurer als fossile Kraftwerke. Doch auch die Preise für Energiespeicher sinken. Und da tut sich mehr, als man denkt. Die Anzahl solarer Heimspeicher steigt weiter und beschleunigt an.

https://www.baulinks.de/webplugin/2020/0698.php4


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#470

RE: Faktor Zeit

in Die Grünen 10.06.2020 01:01
von Atue (gelöscht)
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Es ist eine erfreuliche Entwicklung - die absehbar war. Allerdings konkurrieren neue regenerative Kraftwerke nur bedingt mit neuen Kohle- u.ä. Kraftwerke - faktisch geht es eher um die Frage, ob man Altanlagen länger laufen lässt. Alte Kohlekraftwerke schaffen aber Preise, die neue regenerative Kraftwerke nicht schaffen, weil erstere bereits abgeschrieben sind, während letztere erst in die Abschreibung kommen.

Oder anders ausgedrückt:
Wenn ein Energieversorger neu investieren muss, wird es immer wahrscheinlicher, dass er in regenerative Energien investiert.
Wenn der Energieversorger aber die Wahl hat, alte Kraftwerke welchen Typus auch immer weiterlaufen zu lassen, oder neu zu investieren - dann gewinnt noch zu häufig die alte Technologie, weil deren negative Begleiterzeugnisse nicht ausreichend bepreist sind.

Mit steigenden Kosten für CO2 würde sich das immer häufiger anders darstellen.

Schauen wir auf Datteln u.ä. dann sieht die Rechnung aus Sicht des Energieerzeugers so aus, dass die Investitionskosten bereits getätigt wurden - weshalb dort erneuerbare Energien faktisch auf viele Jahre nicht konkurrenzfähig sind. Denn die müssten ja erst noch getätigt werden.


Wenn man dies anders haben möchte, müsste der Gesetzgeber tätig werden und den Energieerzeugungsmarkt stärker in die Richtung entwickeln, dass auch getätigte Investitionen in klassische Anlagen besser abgeschrieben werden, als dass man sie in Produktion nimmt.

Wobei - bezogen auf eine ganzheitliche Klimabilanz sollte man nicht vorschnell agieren, sondern genau ausrechnen, ob es nicht wirklich besser wäre, ein bereits fertig gestelltes Kraftwerk alter Technik für einen bestimmten Zeitraum zu nutzen, als darauf zu verzichten und neue Kraftwerke zu bauen. Auch der Bau neuer Kraftwerke ist keineswegs klimaneutral - selbst dann, wenn regenerative Kraftwerke gebaut werden.



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#471

RE: Faktor Zeit

in Die Grünen 10.06.2020 19:58
von Meridian | 2.839 Beiträge

Deutschland setzt in der Zukunft auf Wasserstoff.

https://www.welt.de/wirtschaft/article20...fstrategie.html

Aber nicht im Straßenverkehr. Nach jetzigem Stand sieht das nach dem richtigen Weg aus, da Akkus derzeit voraus sind. Es kann aber auch ein Fehler sein. Denn die Elektrifizierung des Verkehrs erfordert noch mehr Strom als ohnehin. Und der muss auch ökologisch gewonnen werden. Ich kann nur hoffen, dass man nicht starr bleibt, sollte der Wasserstoffantrieb gegenüber dem Akkuantrieb aufholen.

Insgesamt halte ich aber die Wasserstofftechnologie für einen ersten starken Schritt.


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#472

RE: Faktor Zeit

in Die Grünen 11.06.2020 10:38
von Meridian | 2.839 Beiträge

Corona tut der Kohle nicht gut. Nicht nur in DE geht der Strom aus Kohle zurück, sondern auch anderswo.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mens...99-8a44c6f81b33

Ein sehr schneller Kohleausstieg gelingt in Großbritannien. Bis 2024 will man dort ausgestiegen sein. Bedingt durch die derzeitig geringere Nachfrage an Strom kommt man dort bereits diesjahr schon 2 Monate hintereinander ohne Kohle aus. Dass ein schneller Kohleausstieg möglich ist, zeigt, dass bis vor wenigen Jahren die Kohle dort 40% des Strombedarfs ausmacht. Allerdings gibt es in UK keinen Atomausstieg. Deutschland ist das bislang einzige, zumindest größere Industrieland, das Atom- und Kohleausstieg zu meistern versucht.


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#473

RE: Faktor Zeit

in Die Grünen 11.06.2020 13:31
von kuschelgorilla | 3.292 Beiträge

Zitat von Atue im Beitrag #466
...
Zitat von kuschelgorilla im Beitrag #464
Darüber hinaus werden sich in unserer Gesellschaft in den nächsten Jahren sooooooo viele Dinge ändern. Dass man sich zum Beispiel mit Begriffen wie Postwachstumgesellschaft und BGE weit mehr auseinandersetzen werden müssen, als es uns lieb ist. Unsere Erde ist nun mal endlich und es wird kein Wachstum bis zum St.Nimmerleins-Tag geben.


Prinzipiell wäre auf viele Jahrtausende ein Wachstum durchaus möglich. Denn die Erde bekommt täglich recht viel Energie von der Sonne, und nur ein Bruchteil wird genutzt.

Trotzdem stimme ich dir sofort zu, was die Kernproblematik angeht. Wir überfordern derzeit die Erde als Ökosystem - und ohne deutliche Hinwendung zu einer Postwachstumsgesellschaft (wachsen könnte man auch qualitativ) wird es zu Bürgerkriegen und mehr kommen. Je später entsprechende Maßnahmen angegangen werden,desto wahrscheinlicher ist es, dass Maßnahmen gar nicht, oder zu spät kommen, und die sozialen Spannungen unsere Gesellschaften zerreißen werden.


"Technisch" gesehen wäre der Loop sofort geschlossen, wenn man die Staatsfinanzierung entsprechend der Vermögen organisieren würde. Eine echte Vermögensvermehrung wäre dann auf Dauer nur möglich, wenn man alle Menschen im Staat irgendwie mitnimmt.



Die Grenzen des Wachstums sehe ich weniger in der Frage in der Energie. Sonnenenergie, so man sie denn nutzen will, wird für längere Zeit nutzbar sein. Hinsichtlich anderer Rohstoffe werden wir aber auf die Vorräte unseres Planeten begrenzt sein, so wir es nicht schaffen, das Imperium des Raubbaus auf andere Planeten auszubauen.


Meine Motivation ging heute morgen winkend und lächelnd an mir vorbei
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#474

Entwicklungspotenzial für Lithium-Akkus

in Die Grünen 13.06.2020 11:38
von Findus | 2.430 Beiträge

Recycling ist an sich eine sehr gute Sache. Das Recycling von Rohstoffen wie Lithium sehr teuer. Ich denke, dass auch hierin ein Problem des Ressourcenverbrauchs zu sehen ist.


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#475

RE: Faktor Zeit

in Die Grünen 14.06.2020 22:52
von Atue (gelöscht)
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Zitat von Meridian im Beitrag #471
Ich kann nur hoffen, dass man nicht starr bleibt, sollte der Wasserstoffantrieb gegenüber dem Akkuantrieb aufholen.


Das Problem beim Wasserstoffantrieb ist vor allem der Wasserstoff selbst - denn dieser muss ja erst mal regenerativ gewonnen werden, sonst ist ja nichts gewonnen.
Es kann per se kaum effektiver sein, wenn man erst Strom regenerativ gewinnt, dann diesen zur Produktion von Wasserstoff nutzt, um dann den Wasserstoff aufwendig an passende Tankstationen zu bringen, und schließlich nach passender Tankung diesen Wasserstoff dann entweder in Fahrzeugen zu verbrennen, oder über Brennstoffzellen erneut in Strom umzuwandeln, der dann einen Elektromotor antreibt.....
Verbrenner für Wasserstoff wären zwar einfach zu bauen - aber erneut würden große Effizienzverluste entstehen, weil der Wirkungsgrad von Verbrennern eh gegenüber modernen Elektromotoren ziemlich alt aussieht. Brennstoffzellen wären eine Alternative - aber es ist viel aufwändiger, unser Tankstellennetz Wasserstofftauglich zu machen, als einfach die schon überall vorhandenen Steckdosen zu nutzen.

Dazu kommt, dass wir in Deutschland für die Schwerindustrie dringend Wasserstoff brauchen. Den Wasserstoff kann man in diesem Fall sogar als Abfallprodukt der regenerativen Stromerzeugung nutzen - also immer dann, wenn regenerativen Energiequellen zu viel Strom erzeugen, kann man diesen zur Wasserstofferzeugung nutzen.

Der Mehrbedarf an Strom zur Elektrifizierung unserer gesamten Fahrzeugflotte (PKWs) liegt bei ca. 20% - die Strommenge als solche ist nicht wirklich das Problem, das bekommen wir gestemmt.

Meine Prognose: 2025 sind bereits 30-50% der Neuzulassungen elektrisch.
Die Ursache: Derzeit schon sind e-PKWs mit der erhöhten staatlichen Förderung preislich konkurrenzfähig zu Benzinern. In den laufenden Kosten spart man dazu noch deutlich - weil weniger Wartung notwendig ist, Steuervorteile bestehen, und auch die Verbrauchskosten deutlich niedriger sind als beim klassischen Benziner.
Wenn die erste Well mit e-Fahrzeugen erfolgreich auf den Straßen fährt, werden auch die heute noch üblichen überflüssigen Vorbehalten schnell der Vergangenheit angehören, weil jeder dann einen kennt, der schon elektrisch fährt und nur von Vorteilen berichtet. Ist das passiert, kippt der Markt, weil dann beim Neukauf sich jeder genau überlegt, ob er ggf. beim Kauf eines Benziners beim späteren Verkauf diesen nicht mehr los wird.....und: e-Fahrzeuge werden dann als modern gelten - und viele wollen nicht zu den ewig gestrigen gehören......
Dann kommt die Massenproduktion - und was sich da abzeichnet ist, dass mit der Massenproduktion das bisher teuerste Teil im e-Auto - die Batterie - im Preis regelrecht verfällt. Schon 2023 kann es sein, dass mit der Massenproduktion von e-Autos auch ohne staatliche Förderung e-Fahrzeuge im Anschaffungspreis nicht mehr teurer sind, als Benziner. Mit jedem weiteren Jahr kippt der Preis zu gunsten der neuen Technik.

Problem wird sein: Bei Werkstätten und bei der um klassischen Fahrzeugen drumherum existierenden Industrie (Getriebe, Schmierstoffe, Öle, Motoren, ....) wird es Betriebsstilllegungen geben - und das alles kommt jetzt relativ schnell auf uns zu. Im Gegenzug kann man jetzt schon anfangen, in Aktien zu investieren, die Ladestationen bauen und errichten. Städte und Gemeinden werden in Stromleitungen und generell die Netze investieren (müssen).

Positiv: Die Luftqualität in unseren Städten wird absehbar deutlich besser werden, die Lärmbelastung wird deutlich verringert! Weniger Atemwegsinfekte und auch weniger Lärmstreß werden auch unser Gesundheitssystem deutlich entlasten. Die Felder entlang von Straßen werden weniger mit Schadstoffen belastet sein etc. etc. etc......

Und der Wasserstoff?
Wie gesagt - den brauchen wir für die Schwerindustrie, und zwar deutlich mehr, als wir in Deutschland wahrscheinlich auf absehbare Zeit selbst wirtschaftlich herstellen können. Es ist deshalb absolut sinnvoll, hierfür Kooperationspartner beispielsweise in Afrika zu suchen.

Würden wir Wasserstoff auch massenhaft für PKWs einsetzen - wir hätten mehr Probleme!

Meine wesentliche Kritik bleibt denn auch dabei, dass letzten Endes alles viel zu zögerlich angegangen wird......wir könnten heute schon deutlich weiter sein.



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#476

RE: Faktor Zeit

in Die Grünen 24.06.2020 19:47
von Meridian | 2.839 Beiträge

Wen es interessiert:

Im Juni nimmt der Energieverbrauch wieder zu. Die fossilen Kraftwerke leisten wieder mehr. Dazu kommt, dass bei der Windenergie die im Sommer übliche Flaute herrscht, aber auch die Photovoltaik, normalerweise im Juni mit der stärksten Sonne begünstigt, wegen häufig wolkigem Wetter v.a. in Süddeutschland relativ wenig einnimmt.

https://www.energy-charts.de/energy_de.h...ar=2020&month=6

Derzeit liefern Windenergie, Photovoltaik, Erdgas und Braunkohle ein Wettrennen um den 1. Platz. Aktuell führt die PV. Doch die Sonne soll in den nächsten Tagen allmählich wieder weniger scheinen, dafür wird etwas mehr Wind erwartet. Gewinnen könnte auch - erstmal in diesem Jahr - eine fossile Energie, sollte bis Monatsende ein schwaches Tief mitten über DE liegen. Schwach bedeutet kaum Wind, aber immer wieder Wolken mit Regen, Schauern und Gewittern. (Starke Gewitterböen helfen der Windkraft häufig nicht, da sie oft aus unterschiedlichen Richtungen kommen. Das klassische Windrad braucht bis zu 10min, um sich richtig in den Wind zu drehen.)

Bemerkenswert ist aber auch, dass die Steinkohle trotz Datteln 4 Schlusslicht bleibt.

Der Jahresgang der Photovoltaik scheint diesjahr recht bizarr zu werden mit dem (bisherigen) Maximum im April. Der Mai lieferte trotz stärkerer Sonne etwas weniger, und der Juni wird wohl die Nr. 3. Mal werden. Mal sehen, was Juli und August liefern werden. Theoretisch können beide Monate den April noch toppen.

Bald beginnt die Siebenschläferzeit (27. Juni bis 10. Juli). Man sagt, dass so, wie sich das Wetter einstellt, es 7 Wochen anhalten wird. Oft ist es tatsächlich so, dass der Sommer bis Mitte August diesen Charakter bekommen wird.


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#477

RE: Faktor Zeit

in Die Grünen 27.06.2020 17:31
von Meridian | 2.839 Beiträge

Eine noch vorläufiger Strombilanz des ersten Halbjahres (das noch nicht ganz zu Ende ist):

https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-06/o...windkraft-kohle

Ökostrom bei anteilig bei über 50%, Kohlestrom nimmt deutlich ab, 40%-CO2-Reduktionsziel wird wohl erreicht, aber nur dank Corona.

Vorsicht bei den Zahlen: Die Prozentangaben für den Ökostrom im letzten Abschnitt sind auf den Nettostromverbrauch bezogen. Von Regierungsseite wird der Bruttostromverbrauch verwendet, welcher Kraftwerkseigenverbrauch und Verluste in den Hochspannungsleitungen mit ein bezieht. Da ist der Ökostromanteil um 3-5%-Punkte niedriger. Da laut Fraunhofer der Netto-Ökoanteil bei aktuell 55-56% für 2020 liegt (und sich bis bis Ende Juni kaum ändern dürfte), kann man auch bezogen auf den Bruttostromverbrauch sagen, dass mindestens 50% Ökoanteil ist.

Weiterhin ist für Juni selber spannend, welche Art der Stromerzeugung gewinnen wird. Immer noch führt die Photovoltaik, aber die Braunkohle ist nun der direkte Verfolger und könnte noch gewinnen, da die Sonne etwas weniger scheinen soll. Erdgas und Windkraft folgen dicht dahinter. Zudem soll es in den letzten 2 Tagen gerade an der Küste windiger werden.

Weiter abgeschlagen ist die Steinkohle. Der Juni 2020 könnte trotz Datteln 4 im sogar der Monat mit der geringsten Stromproduktion werden seit..., ja was weiß ich... vermutlich seit den 1950er-Jahren. Der bislang niedrigste Wert vom April 2020 wird wahrscheinlich unterboten.


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#478

RE: Kohleausstieg

in Die Grünen 29.06.2020 15:25
von Meridian | 2.839 Beiträge

Hier noch das Neueste zum Kohleausstieg.

https://www.erneuerbareenergien.de/kohle...otzdem-proteste

EInerseits hat Garzweiler eine Art Garantie, und die Entschädigung bleibt wie geplant. Aber man kann sich einen früheren Ausstieg vornehmen, wenn die Energiewende schneller läuft als vorhergesehen. Dafür ist keine weitere Entschädigung vorgesehen.

Interessant der letzte Abschnitt zu Datteln 4: Irgendwie erinnert es an den Spruch "Wie gewonnen, so zerronnen." Jetzt endlich in Betrieb, führt es schon zu einem Rechtsstreit zw. RWE und Uniper, weil RWE keinen Strom davon abnimmt.


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#479

RE: Kohleausstieg

in Die Grünen 03.07.2020 16:09
von Meridian | 2.839 Beiträge

Und hier die Energiedaten für Juni 2020.

https://www.energy-charts.de/energy_de.h...ar=2020&month=6

Buchstäblich am letzten Junitag hat die Windenergie dank stürmischen Küstenwetters doch noch den 1. Platz erobert. Die Photovoltaik hat sich vor der Braunkohle gehalten trotz immer wieder wolkenreichem Wetters. "Schützenhilfe" kam aber von der Windenergie, wodurch die zum Monatsende hohe Stromproduktion die Drosslung der fossilen Kraftwerke erzwungen hat.

Die Braunkohle hat den 3. Platz, und Gas den 4. Platz. Die Plätz 1-4 liegen dabei dicht beieinander. Schlusslicht ist die Steinkohle mit dem niedrigsten Wert für einen Monat seit dem Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg. Da hilft auch Datteln 4 nicht.

Dennoch hat die Stromproduktion v.a. aus Braunkohle und Erdgas wieder gegenüber dem Vormonat zugenommen. Dafür gibt es 2 Gründe: geringere Produktion von Solar- und Windstrom sowie allmähliches Hochfahren der Wirtschaft aus dem Lockdown.

Doch gegenüber dem Juni des Vorjahrs hat nur Erdgas deutlich zugenommen (+2,7). [Alle Zahlen in Mrd. kWh] Alle anderen Energieformen haben entweder abgenommen oder sich wenig verändert: PV (-0,8), Wind (-0,2), Braunkohle (-0,9) und Steinkohle (-1,3), Atomkraft (+0,1), Biomasse (0) und Wasserkraft (-0,1). Interessant ist, dass trotz der insgesamt geringeren Stromproduktion trotzdem weniger Strom importiert wurde als im Vorjahres-Juni. [Ja, interessanterweise war schon der Juni 2019 ein Monat mit einer positiven Netto-Importbilanz, und das zu Zeiten, wo DE eigentlich mehr Strom exportiert als importiert.] Das liegt natürlich am geringeren Stromverbrauch.

Trotz des eher mageren Junis wurde im ersten Halbjahr mehr Strom aus Wind- und Solarenergie in DE produziert als im ersten Halbjahr 2019. Das gilt auch für Europa, wo zudem auch die Wasserkraft deutlich zugenommen hat.

https://www.iwr.de/news.php?id=36822

Zum Klima selber: In DE sind wir diesen Sommer um längere starke Hitzewellen verschon geblieben. Es gab einzelne heiße Tage, aber keine längere Folge von solchen. Der Juni war einer der durchschnittlichsten Monate seit langem. Wer aber sich darüber beklagt, dass es keinen richtigen Sommer gibt, der soll sich mal erzählen lassen, was z.B. 1987 geschah. Ich weiß noch, wie man darüber gespottet hat, dass der Sommer am wärmeren Regen zu erkennen war. Es war meist regnerisch und ausgesprochen kühl von Mai bis September, im Mai sogar Schneeregen bis in tiefere Lagen. Nur im Juli gab es 1-2 Wochen Sommerwetter. Sonst war man froh, wenn das Thermometer überhaupt 20°C erreichte oder einfach die Sonne für ein paar Stunden durchkam. Die Sonnenarmut was heftig und war von häufigem Dauerregen bei nicht einmal 15°C begleitet. So ein "Sommer" ist heute unvorstellbar, naja, vielleicht nach einem heftigen Vulkanausbruch...

Derzeit ist in Berlin ein Wetter, das ich als "schwül-kühl" bezeichnen kann. Richtig warm wird es nicht, aber kommt die Sonne durch, brennt diese stark, und die Luft wird sofort schwül. Nachts kühlt es sich nicht sonderlich ab. Letzte Nächte waren mit 17°C relativ warm, trotzdem werden tagsüber keine 25°C erreicht. Es ist oft wolkig, regnet aber nur wenig. Herbstfeeling droht an der Küste am Wochenende mit ruppigem Wind, Regen und unter 20°C. Aber so ein Wetter gehört sich an der Nordsee. Dann spaziert man am Strand und lässt sich von der Seeluft durchpusten.


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#480

fff

in Die Grünen 01.08.2020 23:22
von kuschelgorilla | 3.292 Beiträge

Luisa Neubauer und Greta Thunberg haben sich in der letzten Zeit mal wieder mit einem Brief zurückgemeldet.

Das Handelsblatt verreißt den Brief...

https://www.wiwo.de/politik/ausland/frey...4.html?share=fb

Nur leider sind die Headlines ein Zerrbild dessen, was im Brief tatsächlich steht.
Ich hab den Brief auch gleich mal rausgesucht...

https://climateemergencyeu.org/#letter

Die Forderung nach Aufgabe der Demokratie, wie sie das Handelblatt anprangert, habe ich im Brief nicht gefunden. Dafür aber folgenden Passus:

Zitat
Safeguard and protect democracy

also Demokratie schützen und gewährleisten.
Das Fatele ist meines Erachtens, dass unsere Ökonomen Demokratie mit Marktwirtschaft gleichsetzen und vom der Ökodiktatur zu trompeten anfangen, sowei es um Regularien geht, die die neoliberale Marktwirtschaft einschränken.


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