#331

RE: digitaler Klimatot

in Die Grünen 26.12.2019 23:28
von Atue (gelöscht)
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Du hast sicher mit dem allermeisten Recht was du da schreibst. Insbesondere die kritischen Anmerkungen zum Thema "Rechtsfreier Raum".

Ich teile nicht deine Einschätzung, dass die digitale Welt sehr einsam und lieblos werden wird. Was ich über die letzten Jahrzehnte sehe ist, dass die Menschheit sich sukzessive auf die sich verändernde Welt einstellt. Dabei werden oft auch anfänglich Techniken bejubelt, die später kritischer betrachtet werden - und umgekehrt Neues verteufelt, was später niemand missen mag.

Als Beispiel möchte ich mal Facebook nennen, weil man hier ein sich veränderndes Nutzerverhalten über die Zeit gut beobachten kann. Anfangs hat jeder irgendwie unkritisch nahezu alles in Facebook reingeschrieben, Bilder gepostet etc. etc. etc......heute findest du das nur noch bei sehr wenigen. Die Nutzer haben gelernt, dass Datenschutz wichtig ist, und schotten sich mehr in kleinere Gruppen ab, in denen sie ihre Gedanken teilen.

Oder schau dir die Entwicklung der Cloud-Lösungen an. Anfangs waren das nicht wirklich Lösungen, sondern vor allem große Datenspeicher woanders, oder auch Rechnerkapazitäten woanders. Heute werden mehr und mehr Lösungen angeboten, die umfassend auch die Privatsphäre oder die Interessen von Unternehmen nach Abschottung mit berücksichtigen.

Meine Einschätzung dazu: Die Technik eilt noch immer voraus, aber die Menschheit lernt auch relativ schnell, wie wir diese Technik nutzen wollen.

Auch bei der rechtlichen Bewertung ist das zu beobachten - anfangs war es reiner rechtsfreier Raum - sprich heute mal mit Informatikern, die müssen immer mehr rechtliche Fragestellungen bei ihrem Tun mit berücksichtigen.....es entwickelt sich!


Wird die Welt einsam und lieblos?
Nun - wenn du früher dein Kind an die Uni entlassen hast, hat es sich abgenabelt und kam allenfalls noch am Wochenende zu hause vorbei, oder auch nur in den Semesterferien......
Heute ist es kein Problem, den Kontakt in der Familie in einer ganz anderen Qualität zu halten, als dies früher möglich war. Als betroffener Elter bin ich ziemlich dankbar um diese Technologie - mein Kind ist ein Weltenbummler, und trotzdem kann ich mit ihr einen guten Kontakt halten.
Sie hat inzwischen Freunde und Bekannte in der ganzen Welt - was ohne Internettechnologie deutlich schwerer wäre.

Auch bei meinen Eltern hilft mir das Internet. natürlich ist der direkte Kontakt der bessere - aber wenn das nicht geht, hilft das Internet sehr wohl. Meine Mutter kann länger alleine in ihrer Wohnung leben - weil ihr moderne Technik viel dabei hilft, Probleme im Alltag zu meistern.

Ich bin dabei insgesamt weder besonders optimistisch, noch lasse ich mich vom Pessimismus überrollen (was das Internet und Computertechnologie angeht.....bei anderen Themen bin ich da pessimistischer).
Die Welt ist eine andere als früher, und wird sich weiter verändern. Es wird Menschen geben, die in der nächsten Technikwelt ersaufen, und andere, die die neuen Möglichkeiten erkennen und sinnvoll nutzen. Nur - das war noch nie anders.

Der Schlüssel für einen vernünftigen Umgang mit der Welt, mit Technik - aber auch mit Beziehungen - liegt letzten Endes in der Bildung. Auch wenn die ganz sicher eine Dauerbaustelle ist und bleiben wird - Fakt ist auch, noch nie haben so viele junge Menschen mit einem so hohen Bildungsabschluss wie heute ihre Schulzeit beendet.

Bei aller berechtigter Kritik am Schulsystem ist das trotzdem eine gute Nachricht.

Wenn mich eines in der Welt noch hoffen lässt, dann dies, dass die Aufklärung noch immer nicht beendet ist, aber dennoch weltweit beständig voranschreitet. Zwar immer wieder auch mit Rückschlägen - aber trotzdem noch immer mit konstanter Richtung in Richtung Wissen um die Welt, um sich selbst, und um die anderen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.



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#332

RE: digitaler Klimatot

in Die Grünen 05.01.2020 10:57
von Findus | 2.521 Beiträge

Zitat von Atue im Beitrag #331

Der Schlüssel für einen vernünftigen Umgang mit der Welt, mit Technik - aber auch mit Beziehungen - liegt letzten Endes in der Bildung. Auch wenn die ganz sicher eine Dauerbaustelle ist und bleiben wird - Fakt ist auch, noch nie haben so viele junge Menschen mit einem so hohen Bildungsabschluss wie heute ihre Schulzeit beendet.


Was nichts über die Qualität schulischer Bildung am heutigen Tage aussagt.
Schau doch selbst mal in deinem Beruf: In den letzten Jahren gibt es einen Trend zum Mittelmaß. Was heißt das übertragen auf die technische Entwicklung? Was bedeutet das übertragen auf das Problem des Klimawandels?



zuletzt bearbeitet 05.01.2020 10:59 | nach oben springen

#333

RE: digitaler Klimatot

in Die Grünen 05.01.2020 11:37
von Findus | 2.521 Beiträge

Im Stern war ein interessanter Link zu einer interaktiven Karten mit den Feuern weltweit: https://www.windy.com/de/-Mehr-Ebenen-an...1.043,148.184,4

Nicht nur in Australien brennt es, auch in Afrika und Venezuela.


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#334

RE: Erfreuliches aus DE

in Die Grünen 07.01.2020 13:50
von Meridian | 2.866 Beiträge

Es gibt auch mal gute Meldungen aus DE trotz der schlechten Klimapolitik. Die CO2-Emissionen sind 2019 deutlich gefallen.

https://www.solarserver.de/2020/01/07/co...sgasemissionen/

Leider beziehen sich die Prozentangaben nur auf den Wert von 1990. Interessanter wäre die CO2-Minderung gegenüber 2018. 50 Mio t klingt viel, aber ist nicht aussagekräftig. Das ist weder auf FFF noch auf die aktuelle Klimapolitik zurückzuführen, sondern auf die seit 2017 künstlich verknappten CO2-Zertifikate durch die EU, so dass diese teurer wurden. In DE lohnt sich Gas seit 2019 wieder gegenüber der Kohle. Zusätzlich durch den deutlich gestiegenen Beitrag erneuerbarer Energien dürfte der CO2-Ausstoß im Stromsektor um ca. 20% gesunken sein. Das ist viel innerhalb eines Jahres. Normalerweise kommt es zu solchen Senkungen nicht einmal wegen eines Konjunktureinbruches. Im Krisenjahr 2009 sank der CO2-Ausstoß im Stromsektor auch deutlich, aber um 20%, dafür sank auch in den Bereichen Wärme und Verkehr der CO2-Ausstoß. Das ist 2019 hingegen nicht geschehen, so dass ich davon ausgehe, dass die gesamte CO2-Bilanz für 2019 bei 5-10% unter der von 2018 liegen dürfte. (Das würde wiederum in dem Bereich von 2009 gegenüber 2008 liegen.) Trotzdem ist das beeindruckend v.a. im Hinblick, dass 2019 im Gegensatz zu 2009 kein Krisenjahr war, auch wenn das BIP langsamer gestiegen ist, aber es ist immer noch gestiegen.

Wie es diesjahr wird, kann ich nicht sagen. Vieles spricht dafür, dass der CO2-Ausstoß eher wieder steigen wird. Folgende Gründe sprechen dafür:

- Ausbau erneuerbarer Energien kommt nur noch langsam voran, außer der 52GW-Deckel bei der Photovoltaik wird doch noch aufgehoben, so dass es wenigstens dort einen Lichtblick gibt. Bei der Windenergie droht netto-betrachtet ab 2021 sogar ein Abbau, wenn die Förderung alter WEA von bis zu 4500MW schlagartig beendet wird.

-Das Windjahr 2019 war gut oder sogar sehr gut. Wenig spricht dafür, dass sich das 2020 wiederholt, auch wenn der Januar nicht schlecht beginnt.

-Ein Atomkraftwerk ist Ende 2019 stillgelegt worden. Es muss ersetzt werden, vermutlich durch Braunkohlestrom, v.a. wenn die Energiewende stockt und das Wetter gegen die Wind- und Solarenergie arbeitet.

-Die Irankrise kann im Falle einer Eskalation zur Teuerung von Öl und Gas führen. Teures Öl führt zwar zu einem sparsameren Verbrauch und ist ein Katalysator für die Verkehrswende, aber bei teurem Gas gewinnt die Kohle wieder die Oberhand, und die Braunkohle könnte doch wieder die Nr. 1 werden.

Ein weltweiter konjunktureller Einbruch würde den Energieverbrauch zwar senken, aber durch die geringere Nachfrage werden die fossilen Brennstoffe wieder billiger. Dadurch könnten sie bevorzugt gegenüber klima-freundlicheren Energien eingesetzt werden. Dennoch dürfte in so einem Fall der niedrigere Energieverbrauch gegenüber einer höheren Nachfrage nach Kohle bei der CO2-Bilanz überwiegen.


Die äußere Welt ist der Spiegel deines Inneren.
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#335

RE: Erfreuliches aus DE

in Die Grünen 16.01.2020 14:31
von Meridian | 2.866 Beiträge

Der Kohleausstieg wird nun konkreter.

https://www.welt.de/politik/deutschland/...enhoehe-zu.html

Insgesamt halte ich ihn für ausgewogen. Ich hoffe, dass der Ausstieg schneller vorankommen wird als vorhergesagt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt (alleine wenn man die Planungszeiten von Großprojekten bedenkt). Für Umweltbewegungen wie FFF reicht das natürlich nicht. Doch die Forderungen der FFF sind legitim, solange es auch das Gegenteil davon gibt, nämlich kein Kohleausstieg, weil der Klimawandel eh nicht menschgemacht ist.

Eine andere Energieform, die in DE recht unbeliebt ist, will Kretschmer weiterhin offenhalten:

Die Atomkraft

Offenbar glaubt er nicht an das Gelingen der Energiewende. Doch wenn in 10-15 Jahren die Atomkraft beschlossen wird, würde ja 2030-35 herrschen. Und selbst wenn man wieder einsteigen will, wird frühestens 2050 eines fertig. Ob andere Energeformen bis dahin nicht längst billiger sind? Ebenso diverse Speichertechnologien?


Die äußere Welt ist der Spiegel deines Inneren.
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#336

RE: Erfreuliches aus DE

in Die Grünen 16.01.2020 16:40
von heiner | 881 Beiträge

Mit der E-Mobilität, werden die Dächer durchgängig Solardächer werden. Ist ja auch eine gute Idee, sein Auto gratis zu tanken. Heute sind wir bei 47% Energie aus erneuerbaren Quellen, bald werden wir in Richtung 100% voran kommen. Ergebnis, kein Smog mehr, geringe Fahrzeugkosten, unabhängig von Öl zu sein, ist das Tollste an dieser Entwicklung.


Wir wollen eine Gesellschaft, die mehr Freiheit bietet und mehr Mitverantwortung fordert. (Willy Brandt)
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#337

RE: Erfreuliches aus DE

in Die Grünen 19.01.2020 19:35
von kuschelgorilla | 3.292 Beiträge

Sonne und Wind könnten Europa zumindest zu 100% versorgen...
https://www.mdr.de/wissen/umwelt/studie-...sorgen-100.html

Aber es mehren sich auch Stimmen, die den Atomausstieg rückgängig machen wollen, weil sie nicht glauben, dass es möglich sein wird, den Strombedarf aus erneuerbaren Energiequellen zu decken.

Hier auch der Presseclub zum Thema...
https://www1.wdr.de/daserste/presseclub/...sstieg-122.html


Meine Motivation ging heute morgen winkend und lächelnd an mir vorbei


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#338

RE: Erfreuliches aus DE

in Die Grünen 20.01.2020 09:14
von kuschelgorilla | 3.292 Beiträge

Ich bin erstaunt...
https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-01/w...ok_zonaudev_int

Aber eigentlich täuscht man sich da doch ganz gewaltig.
Warum? Weil die größte Bedrohung geht von den Verursachern dieser Bedrohungen aus...


Meine Motivation ging heute morgen winkend und lächelnd an mir vorbei


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#339

RE: Erfreuliches aus DE

in Die Grünen 20.01.2020 09:32
von heiner | 881 Beiträge

Zitat von kuschelgorilla im Beitrag #337
Sonne und Wind könnten Europa zumindest zu 100% versorgen...https://www.mdr.de/wissen/umwelt/studie-...en-100.htmlAber es mehren sich auch Stimmen, die den Atomausstieg rückgängig machen wollen, weil sie nicht glauben, dass es möglich sein wird, den Strombedarf aus erneuerbaren Energiequellen zu decken.Hier auch der Presseclub zum Thema...https://www1.wdr.de/daserste/presseclub/...sstieg-122.html


Dass sich signifikante Wanderungsbewegungen in Siedlungsgebiete um potentielle "Atommüll-Endlagerstätten" wie etwa Gorleben o.ä. aufzeigen, ist mir nun nicht aufgefallen. Politiker, die noch immer auf AKWs stehen, werden Gottlob auch nicht mehr, eher weniger.


Zitat von kuschelgorilla im Beitrag #338
Ich bin erstaunt...https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-01/w...onaudev_intAber eigentlich täuscht man sich da doch ganz gewaltig.Warum? Weil die größte Bedrohung geht von den Verursachern dieser Bedrohungen aus...


Verursacher von Klimawandel, das sind schon wir Menschen. Obwohl im zurückliegenden Jahrhundert, so manches Alarmsignal zu vermelden war (z.B.Ölkrise), haben wir weiter auf "Verbrennung" gesetzt. Verbrennung im Haus & in der Mobilität, bis heute, obschon die Rezepte, die aus der Verbrennung & der Ölabhängigkeit, heraus führen sollten, bereits zu Beginn der 1970er Jahre (z.B.Wärmepumpe) diskutiert wurden, geschah zu wenig. Nun denke ich, sind wir als Gesellschaft so weit, erkannt zu haben, dass es wie zuvor nicht weiter gehen kann.


Wir wollen eine Gesellschaft, die mehr Freiheit bietet und mehr Mitverantwortung fordert. (Willy Brandt)
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#340

RE: Erfreuliches aus DE

in Die Grünen 23.01.2020 10:37
von Meridian | 2.866 Beiträge

In Frankreich zeichnet sich ein Plan ab, die Atomkraft zumindest zu reduzieren.

https://www.iwr.de/news.php?id=36525

Etwas anderes bleibt ihnen auch kaum übrig, wo doch in diesem Artikel etwas versteckt auf die gewaltige Kostensteigerung des einzigen Neubaus von ursprünglich 3,3 Mrd auf über 15 Mrd € hingewiesen wird. AKW-Neubauten scheinen sich also nicht mehr zu lohnen. [Nebenbei: Ob deutsche Großprojekte wie Stuttgart 21 auch solche Kostensteigerungen erfahren werden? Ausgangspunkt waren 2,5 Mrd €. Aktuell sind es nach Schätzungen 8-11 Mrd €, d.h. eine ähnliche Vervielfachung ist möglich.]

Auch etwas nebenbei wird hingewiesen, dass das letzte Kohlekraftwerk in Frankreich nächstes Jahr schließen wird.


Die äußere Welt ist der Spiegel deines Inneren.
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#341

RE: Erfreuliches aus DE

in Die Grünen 23.01.2020 18:27
von kuschelgorilla | 3.292 Beiträge

Eine erfreuliche Entwicklung, lieber Meridian.

Das hier hat mich dann doch aufhorchen lassen...
https://www.t-online.de/nachrichten/pano...o2-rekord-.html


Meine Motivation ging heute morgen winkend und lächelnd an mir vorbei


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#342

Datteln IV

in Die Grünen 26.01.2020 10:04
von Findus | 2.521 Beiträge

Mit Datteln IV soll kurzfristig ein neuer Kohlemeiler ans Netz gehen und Strom produzieren. Immerhin, es handelt sich um ein Steinkohlekraftwerk. Damit wird ein im Vergleich zur sonst üblichen Braunkohle ein deutlich effiezienterer und weniger schmutziger Energieträger genutzt. Dennoch bleibt Kohle immer noch Kohle und setzt bei Verbrennung CO2 in die Atmosphäre frei.
Es ist also gut verständlich, dass sich verschiedene Klimaschutz-Organisationen Datteln als Ort für ihren Protest ausgesucht haben. Vermutlich ist man zum Protestort sogar umweltfreundlich mit der Bahn angereist. Doch halt, da ist ein Detail, dass nicht übersehen werden sollte: Der Kohlestrom aus Datteln ist der Strom für die klimafreundliche Bahn.

Das führt mich zur Frage: Wie "grün" ist die Bahn wirklich?


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#343

Die Bahn....

in Die Grünen 26.01.2020 12:57
von Atue (gelöscht)
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Der Bahnstrommix für 2018 lag bei 57%, 2017 waren es 44%. Die Bahn ist damit schon weiter in der Umstellung auf regenerative Energien als viele andere - und auch als der gesellschaftliche Durchschnitt. Sicher - mehr und schneller wäre wünschenswert - es muss aber immer auch wirtschaftlich darstellbar und machbar sein.

Für mich geht es nicht so sehr um Die Bahn oder um Datteln IV oder ähnliches - mir geht es eher grundlegend darum, dass ich denke, dass die Bereitschaft der Gesellschaft hoch wäre, schneller mehr für das Klima zu tun, als die Regierung derzeit angeht. Trotzdem wäre es Illusion zu glauben, dass die Leidensbereitschaft der Bevölkerung bezüglich des Klimawandels so hoch wäre, dass man zu einem sofortigen Ausstieg aus nicht nachhaltigen Technologien bereit wäre. Politik ist insofern immer auch der Versuch, das Machbare und Mehrheitsfähige zu tun.
Tut die Politik das aber nicht, sondern bleibt hinter den Möglichkeiten deutlich zurück, dann wird die Politik als schlecht empfunden.



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#344

RE: Die Bahn....

in Die Grünen 26.01.2020 13:04
von Findus | 2.521 Beiträge

Auch Glaubwürdigkeit ist eine wichtige Währung in der Klimadebatte. Wie glaubwürdig ist es, Autofahrern Belastungen zuzumuten, der Bahn jedoch ein neues Kohlekraftwerk durchgehen zu lassen?
Genau aus diesem Grund geht es für mich um die Bahn. Dieses öffentliche Verkehrsmittel sollte mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass Klimaneutralität in der Praxis möglich ist. Du argumentierst, dass die Umstellung des Energie-Mix der Bahn wirtschaftlich sein muss. Die gleiche Wirtschaftlichkeit wird den Automobilbauern nicht zugestanden.
Es kann doch nur ein Fazit geben: Wenn die Bahn als AG Klimaneutralität nicht kann, sollte sie halt wieder re-verstaatlicht werden.


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#345

RE: Die Bahn....

in Die Grünen 26.01.2020 13:14
von Atue (gelöscht)
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In der Sache sind wir da nicht auseinander. Es gibt für mich gute Gründe, ein öffentliches Verkehrsmittel staatlich zu betreiben. Im Detail würde aber ein Zwang der Gesellschaft an die Bahn zu 100% Ökostrom in 2020 dazu führen, dass entweder größere Mengen Ökostrom importiert würden, Ökostrom teurer würde oder andere Bereiche der Gesellschaft statt mit Ökostrom halt mit anderen nicht regenerativen Stromarten versorgt würden.

OB Ökostrom wirtschaftlich ist, hängt vor allem auch an den Rahmenbedingungen, die jedoch der Gesetzgeber zu einem wesentlichen Teil verantwortet. Würde man beispielsweise die CO2-Zertifikate deutlich teurer machen oder CO2 hoch besteuern, wäre ein schneller Gesamtwirtschaftlicher Umstieg auf Ökostrom die Folge.

Dies gilt in gleicher Weise auch für die sonstige Mobilität - dein Verweis auf die Automobilbauer aber hinkt. Beim Automobilbau ist nicht die Herstellung von Diesel- und Benzinfahrzeugen das Problem, sondern der Betrieb derselben. Würde der Gesetzgeber dem entsprechend beispielsweise Benzin und Diesel deutlich verteuern, würden sich die Automobilhersteller automatisch anpassen, und mehr entsprechend den Kundenwünschen Automobile mit regenerativen Antrieben zur Verfügung stellen.

Würde man heute die Klimaneutralität des gesamten öffentlichen Verkehrs fordern, wäre die normale Folge, dass dieser teurer würde, und es Ausweichbewegungen in Richtung des Individualverkehrs gäbe - durchaus vor allem in Richtung Benziner und Diesel. Es wäre also die falsche Forderung für das richtige Problem.



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