#1

Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 19:24
von Till (gelöscht)
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Ein seniler Rassist in den Reihen der AfD möchte Aydan Özoğuz, geboren 1967 in Hamburg, in Ostanatolien entsorgen. Grund: Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung hatte sich im Mai zur Leitkulturdebatte geäußert und erklärt: "Eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar."
Das ist natürlich zu viel für die Rechtsbraunen, die so gerne stolz sind, Deutsche zu sein, und dabei nicht selten auf Kriegsfuß mit der eigenen Sprache stehen.

Aydan Özoğuz hat mehr gesagt als nur diesen einen Satz, aber mit ihrem kompletten Vortrag sind die rechtsbraunen Analphabeten natürlich überfordert. Ich möchte daher den größten Teil ihrer Thesen in Erinnerung rufen.

Zitat
Deutschland ist vielfältig und das ist manchen zu kompliziert. Im Wechsel der Jahreszeiten wird deshalb eine Leitkultur eingefordert, die für Ordnung und Orientierung sorgen soll. Sobald diese Leitkultur aber inhaltlich gefüllt wird, gleitet die Debatte ins Lächerliche und Absurde, die Vorschläge verkommen zum Klischee des Deutschsein. Kein Wunder, denn eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar. Schon historisch haben eher regionale Kulturen, haben Einwanderung und Vielfalt unsere Geschichte geprägt. Globalisierung und Pluralisierung von Lebenswelten führen zu einer weiteren Vervielfältigung von Vielfalt.

Diese kulturelle Vielfalt ist auch anstrengend, aber sie macht die Stärke unserer Nation als eine offene Gesellschaft aus. Die Beschwörung einer Leitkultur schafft dagegen nicht Gemeinsamkeit, sondern grenzt aus. Sie gießt Öl ins Feuer, um sich selbst daran zu wärmen.

Die Verfassungsnormen des Grundgesetzes liefern den Ordnungsrahmen für das Zusammenleben der Bürger. Innerhalb dieses Rahmens haben wir die Grundfreiheiten, nach der eigenen Fasson glücklich zu werden. Da darf es keine Rolle spielen, wer was glaubt, liest, hört oder anzieht. Kulturelle Regeln sind nicht ohne Grund ungeschrieben. Sie unterliegen einem steten Wandel, einer permanenten Aushandlung. Fragen Sie mal Frauen, Mütter, Jugendliche, Homosexuelle oder Menschen mit Behinderungen, was sie von einer rechtlichen Konservierung einer Leitkultur der 1950er Jahre halten würden!

Auch Einwanderern kann man keine Anpassung an eine vermeintlich tradierte Mehrheitskultur per se verordnen, noch unterstellen, dass sie Nachhilfeunterricht benötigen, weil sie außerhalb unseres Wertesystems stünden. Oder wollten wir ernsthaft behaupten, das Leistungsprinzip gebe es nur in Deutschland, nur wir sähen Bildung als Wert?

Hat unsere Verfassung also keine Erwartungen, keine Zumutungen an ihre Bürgerinnen und Bürger, eingewandert oder einheimisch? Doch, aber sie liefert uns kein kulturelles, sondern ein politisches Leitbild. Sie gibt eine politische Kultur vor, die allen zugänglich ist und zugemutet werden kann und muss. In diesem Sinn können und müssen sich natürlich auch Eingewanderte in die politische Kultur einleben, ein geschichtliches Verständnis von der neuen Heimat und deren Verfassungsprinzipien entwickeln, Respekt haben vor einer lebendigen Streitkultur, die auf Widerspruch, Meinungsvielfalt und Verständigung setzt.


Kluge Worte. Aber auch Kommentatoren in seriösen Zeitungen unterliegen der Versuchung, Frau Özoğuz auf den einen Satz zu reduzieren. In der NZZ beispielsweise kommt dann so etwas heraus:

Zitat
Özoguz’ Einschätzung ist aber nicht nur eine Provokation, sie zeugt auch von Ahnungslosigkeit. Dass es eine deutsche Philosophie, Literatur, Musik und Malerei gibt, ist breit anerkannt. Dazu gibt es eine im Alltag unausgesprochene deutsche Kultur, die jeder wahrnimmt, der hier lebt, und jeder, der von aussen kommt, in einem Gefühl des Fremdseins empfindet. Natürlich ist sie nicht leicht zu benennen, aber sie zeigt sich etwa daran, wie man miteinander umgeht, debattiert und was man isst; an einer Geschichte, die man kollektiv «deutsche Geschichte» nennt, in Konzepten von Nähe und Distanz, Öffentlichkeit und Privatheit.

Wenn es eine deutsche Kultur nicht gäbe, erübrigten sich auch alle Bestrebungen, sie zu erhalten. In Özoguz' Aussage steckt letztlich die Lust an der deutschen Selbstaufgabe. Sie wird noch provokativer, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Özoguz' Partei sonst keine Probleme hat, die Eigenheiten und Empfindlichkeiten anderer Kulturen zu erheben und zu schützen. Das ist das deutsche Paradox: die penetrante Selbstverleugnung bei gleichzeitiger Anerkennung der anderen.


Mich würde interessieren, ob der Schreiber erklären kann, was deutsche Philosophie, deutsche Literatur, deutsche Musik oder deutsche Malerei ausmacht im Vergleich zu beispielsweise englischer Philosophie, französischer Literatur, italienischer Musik oder holländischer Malerei. Es gab in der Neuzeit eine ständige gegenseitige Beeinflussung aller mit allen.
Noch schlimmer ist, dass der Schreiber dann ganz offen demonstriert, dass er Frau Özoğuz' Artikel offenbar überhaupt nicht gelesen (oder nicht verstanden) hat, indem er deutsche Kultur vage als etwas definiert, was sie selbst (wesentlich besser) beschrieben hat.
Auf den Käse von der "Lust an der deutschen Selbstaufgabe" gehe ich gar nicht erst ein.

Ich habe mich mal geprüft, wie gut ich in das Schema "deutscher Kultur" passe:
Ich bin gebürtiger Deutscher. Ok, meine Mutter war vielleicht nicht so richtig deutsch, sie stammte aus Ostpreußen, und ihr Mädchenname klang eher nach eingedeutschtem Polnisch. Mein Vater stammte aus der Gegend von Berlin; in seiner Jugendzeit war es modern, seine arischen Wurzeln so weit wie möglich zurück zu verfolgen, und er kam dabei bis sechzehnhundertdingenskirchen.
Ich hasse Schützenvereine (mancher Türke ist da besser integriert); ich bin ein Fasssnachtsmuffel; ich hasse volkstümliche Blasmusik Marke Musikantenstadl und deutsche Schlager, sondern stehe u.a. auf angelsächsischer Rockmusik; ich liebte in den 60ern lange Haare, was damals furchtbar undeutsch war (und es gab anfangs sogar Fälle, in denen Langhaarige zwangsintegriert wurden, indem man ihnen die Haare kurzerhand abschnitt); ich hasse Jogginghosen und Achselhemden; ich habe nichts gegen Kopftücher, auch nicht bei Lehrerinnen; ich hasse es, wenn man die deutschen Verbrechen im letzten Jahrhundert verdrängt und/ oder relativiert; ich trinke keinen Alkohol; ich bin weder evangelisch, noch katholisch; ich kann mit deutschem Schenkelklopfhumor nichts anfangen, sondern stehe eher auf britischem Humor; ich liebe chinesisches Essen; ich liebe die französische Sprache; ich werfe keine Babys aus dem Fenster und entsorge sie nicht in Blumenkübeln ... Aber immerhin: Ich spiele gerne Skat.



zuletzt bearbeitet 29.08.2017 19:27 | nach oben springen

#2

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 19:35
von Till (gelöscht)
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Pegida-Anhänger äußern häufig die Befürchtung, dass "wegen den Ausländern" (gemeint sind natürlich muslimische Ausländer) die deutsche Kultur "den Bach runter geht". Ich stelle mal zur Diskussion, was Kultur ausmacht und wie deutsche Kultur gefährdet ist.

Rechtswesen. Hiermit meine ich nicht die Summe unserer Gesetze; diese ändern sich täglich, und vieles ist überholt. Ich meine einige Grundsätze unserer Rechtsprechung wie z.B. "in dubio pro reo", "nulla poena sine lege", "nulla poena sine culpa", Strafe als Resozialisierung statt Rache, Trennung von Recht und Moral. Es gibt Menschen bei uns, die diese Grundsätze bekämpfen und vom Verfassungsschutz beobachtet werden; diese beschränken sich jedoch nicht auf Muslime. Ich würde solche Bestrebungen auch nicht als "kulturell" bezeichnen. Daneben gibt es den deutschen Stammtisch, der gerne die Grundsätze "kurzer Prozess, Rache, Moral" (und im Extremfall die Todesstrafe) im Strafrecht verankert sähe.

Sprache. Von Einwanderern, die in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt haben, kann man verlangen, dass sie unsere Sprache erlernen. (Deutsche im Ausland halten sich vielfach nicht daran; warum auch, sie haben ja Geld.) Man darf aber nicht erwarten, dass sie ihre eigene Sprache verleugnen, und dass Einwanderer der ersten Generation häufig Probleme mit der Sprache des Gastlandes haben, ist völlig normal.
Andererseits sehe ich nicht, dass unser Kulturgut "Sprache" ausgerechnet durch muslimische Ausländer gefährdet ist. Dazu trägt eher die Vielzahl von Anglizismen bei. Deutsch ist im Grunde eine tote Sprache; die Rechtschreibreform, die zeitgemäßere und stärker deutschem Sprachgefühl entsprechende Schreibweisen vorschlug, wurde erbittert bekämpft, und man erfindet lieber Pseudo-Anglizismen statt deutsche Begriffe für neue Entwicklungen.

Architektur. Abgesehen von ein paar Moscheen, die mit ihrer Exotik eher unser Stadtbild bereichern, kann ich nicht erkennen, wo muslimische Ausländer auf die Architektur unserer Städte Einfluss nehmen. Architektonische Kultur haben wir selbst aus unseren Städten verbannt, nachdem fast alle Großstädte im von Deutschland entfesselten Krieg zerstört wurden und durch gesichtslose funktionelle Bauten ersetzt wurde (auch vieles, was der Krieg verschonte). Da wurden schon mal Hochhausklötze in ein Stadtbild gerammt ohne Rücksicht auf gewachsene Strukturen oder historische Silhouetten. Der Einfluss auf unsere Architektur ist amerikanisch-internationalistisch; erst in jüngerer Zeit besinnt man sich wieder etwas mehr auf traditionelle Werte und Ästhetik.

Kunst. Abgesehen von dem einen oder anderen Popmusikstück aus dem arabischen Raum, das über Frankreich zu uns gelangte, oder einem türkischen Grand Prix-Gewinner, der mal in unserem Radio zu hören war, kann ich keinen muslimischen Einfluss auf unsere E-, U- oder Popmusik erkennen. Wir haben statt Beethoven heute nur noch Bohlen zu bieten; das ist aber nicht die Schuld der Muslime. Auch bei Literatur oder bildender Kunst sehe ich keinen muslimischen Einfluss. Beim Film sind gerade junge (deutsch-)türkische Filmemacher eine Bereicherung.

Kleidung. Traditionelle Trachten, die man als Teil unserer Kultur betrachten kann, werden nur noch im ländlichen Raum zu besonderen Anlässen getragen. Die Mehrheit der Deutschen trägt funktionelle westliche Einheitskleidung. Weder die Trachten noch die westliche Einheitskleidung sind muslimisch beeinflusst. Muslimische Frauen halten stärker an ihrer traditionellen Kleidung fest als Männer (klar, weil sie dazu gezwungen werden ); aber dies ist ein Phänomen, das man auch in nicht-muslimischen Teilen der Welt (z.B. in Teilen Afrikas oder Indien) beobachten kann.

Essen. Manche beklagen das Überhandnehmen von Döner-Buden, aber haben gegen Pizzerias oder McDonald's & Co nichts einzuwenden. Die internationale Küche bei uns wird eher von italienischen, chinesischen und Balkan-Restaurants dominiert.

Religion. Wenn man die Mitgliedschaft bei einer christlichen Religionsgemeinschaft als maßgebend für deutsche Kultur betrachtet, dann ist natürlich jeder Atheist, Buddhist, Hindu, Muslim usw. ein Fremdkörper bei uns. Für mich gehört es zur verteidigenswerten Kultur unseres Landes, dass alle Religionen oder Nicht-Religionen bei uns nebeneinander existieren können.
Angeblich haben Muslime bei uns schon erfolgreich den heidnischen Brauch, Weihnachtsbäume aufzustellen, bekämpft; ich habe das in meiner Gegend noch nicht erlebt. Den christlichen Sonntag als arbeitsfreien Tag mehr und mehr abzuschaffen, wird allerdings nicht von Muslimen gefordert, sondern von deutschen Arbeitgebern.

Menschen mit völlig unterschiedlichen Interessen, die sich voneinander abgrenzen, gibt es jede Menge; so gesehen haben wir beliebig viele Parallelgesellschaften. Nur bei Muslimen wird das ständig angeprangert.


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#3

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 19:39
von Martin | 343 Beiträge

"Fragen Sie mal Frauen, Mütter, Jugendliche, Homosexuelle oder Menschen mit Behinderungen, was sie von einer rechtlichen Konservierung einer Leitkultur der 1950er Jahre halten würden!" (Özoguz)

Wahrscheinlich nicht allzu viel. Die übergroße Mehrheit der Bundesbürger hegt deswegen auch berechtigte Aversionen gegenüber dem Islam und dessen Protagonisten und Propagandisten. Es geht auch um keine deutsche Leitkultur, sondern um eine europäische und westliche, die auch Amerika, Australien und große Teile Asiens mit einschließt. Israel nicht zu vergessen, auch wenn die Foren-Antisemiten gleich wieder die Wand hochgehen. >&´)


"Die Kröte hat einen schlechten Leumund." >&´)


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#4

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 19:49
von Till (gelöscht)
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Zitat von Martin im Beitrag #3
Es geht auch um keine deutsche Leitkultur, sondern um eine europäische
Ach! Im Grunde hat Frau Özoğuz genau das gesagt. Und dass du Israel nicht vergisst, ehrt dich (war ja früher in Deutschland nicht selbstverständlich, und die heutige ständige Beschwörung christlich-jüdisch-abendländischer Kultur macht die Sache nicht besser), geht aber in Teilen an der Realität vorbei.


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#5

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 20:02
von Martin | 343 Beiträge

Konkret haben wir es mit einer christlich, vor allem aber auch aufklärerisch geprägten Leitkultur zu tun, der erst in letzter Zeit der Zusatz "jüdisch" angehängt wurde, um wiedergutzumachen, was nicht wiedergutzumachen ist.

Aber wenn die gute Frau Özoguz das oben Angeführte gemeint haben soll, weshalb stellt sie den Deutschen dann pauschal ihre spezielle Identität und Kultur in Abrede? Weil das ihr offizieller Auftrag ist als sozialdemokratische Umvolkungs- und Islamisierungsbeauftragte!


"Die Kröte hat einen schlechten Leumund." >&´)


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#6

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 20:08
von Till (gelöscht)
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Zitat von Martin im Beitrag #5
..., um wiedergutzumachen, was nicht wiedergutzumachen ist.
Deswegen und weil es spezifisch jüdischen Einfluss auf unsere Kultur nie gab, sollte man diesen Etikettenschwindel lassen. Die Juden, die unsere Kultur mitgeprägt und bereichert haben, würde man im heutigen Sprachgebrauch als assimiliert bezeichnen.

Zitat
Aber wenn die gute Frau Özoguz das oben Angeführte gemeint haben soll, weshalb stellt sie den Deutschen dann pauschal ihre spezielle Identität und Kultur in Abrede? Weil das ihr offizieller Auftrag ist als sozialdemokratische Umvolkungs- und Islamisierungsbeauftragte!

Kleiner Tipp: Lass dir von jemandem, der des Deutschen mächtig ist, erklären, was Frau Özoğuz geschrieben hat.


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#7

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 20:26
von Martin | 343 Beiträge

Max Liebermann und Albert Einstein waren assimiliert, stimmt. Und deshalb haben sie eine deutsche Identität bzw. ihre eigene deutsche Identität auch nie in Frage gestellt. Ganz im Gegensatz zur Özoguz, die Erdogans eindringliche Warnung zu beherzigen scheint, sich niemals zu assimilieren, da dies eine Menschenrechtsverletzung darstellen würde. Und deswegen nimmt sie sich auch das Recht heraus, das kulturelle Selbstverständnis ihres Gastlandes in den Dreck zu treten, indem sie es als nicht existent erklärt. Unter dem wohlwollenden Beifall ihrer Genossen, das kann man gar nicht oft genug betonen...


"Die Kröte hat einen schlechten Leumund." >&´)


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#8

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 20:31
von Till (gelöscht)
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Zitat von Martin im Beitrag #7
Max Liebermann und Albert Einstein waren assimiliert, stimmt. Und deshalb haben sie eine deutsche Identität bzw. ihre eigene deutsche Identität auch nie in Frage gestellt.
Leider waren Sie den richtigen Deutschen nicht deutsch genug, weshalb Einstein emigrieren musste. An die Stelle seiner Erkenntnisse trat dann die "Deutsche Physik", ein Meilenstein deutscher Kultur.

Zitat
In diesem Sinn können und müssen sich natürlich auch Eingewanderte in die politische Kultur einleben, ein geschichtliches Verständnis von der neuen Heimat und deren Verfassungsprinzipien entwickeln, Respekt haben vor einer lebendigen Streitkultur, die auf Widerspruch, Meinungsvielfalt und Verständigung setzt.

Ich wette, dass sich auch Liebermanns und Einsteins deutsche Identität durch diese Aspekte und die deutsche Sprache definierten (oder heute definieren würden).



zuletzt bearbeitet 29.08.2017 20:39 | nach oben springen

#9

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 20:48
von Anthea | 12.377 Beiträge

Ich erinnere an den Thread: Der Versöhner - bunte Leitkultur in Deutschland aus Juli.

Der Versöhner – bunte Leitkultur


Die Ewigkeit bewahrt nur die Liebe, weil sie von gleicher Natur ist.
Khalil Gibran


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#10

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 21:45
von Till (gelöscht)
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Ein Nazi versucht sich in der Definition deutscher Leitkultur.


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#11

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 21:54
von Anthea | 12.377 Beiträge

Zitat von Till im Beitrag #10
Ein Nazi versucht sich in der Definition deutscher Leitkultur.


Ach, Till, dieses verlogene Pamphlet habe ich auch gelesen. Da stehst du doch drüber, genau so wie es mich nicht tangiert, was dieser böse, verbissene Mann da von sich gibt.
Ein Merkmal solcher Leute ist, dass sie all ihre Unzulänglichkeiten und ihren Hass anderen zuschreiben.


---


Die Ewigkeit bewahrt nur die Liebe, weil sie von gleicher Natur ist.
Khalil Gibran


zuletzt bearbeitet 29.08.2017 21:54 | nach oben springen

#12

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 21:55
von Till (gelöscht)
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So wird man halt, wenn man Freunde nur aus Fakebook kennt.



zuletzt bearbeitet 29.08.2017 22:04 | nach oben springen

#13

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 29.08.2017 22:10
von Anthea | 12.377 Beiträge

Zitat von Till im Beitrag #12
So wird man halt, wenn man Freunde nur aus Fakebook kennt.


Ja, aber du hast vergessen, das Wort "Freunde" in Anführungszeichen zu setzen. Sehr wichtig in dem Falle.


---


Die Ewigkeit bewahrt nur die Liebe, weil sie von gleicher Natur ist.
Khalil Gibran


zuletzt bearbeitet 29.08.2017 22:11 | nach oben springen

#14

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 30.08.2017 00:04
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Till im Beitrag #2
Pegida-Anhänger äußern häufig die Befürchtung, dass "wegen den Ausländern" (gemeint sind natürlich muslimische Ausländer) die deutsche Kultur "den Bach runter geht". Ich stelle mal zur Diskussion, was Kultur ausmacht und wie deutsche Kultur gefährdet ist.

Rechtswesen. Hiermit meine ich nicht die Summe unserer Gesetze; diese ändern sich täglich, und vieles ist überholt. Ich meine einige Grundsätze unserer Rechtsprechung wie z.B. "in dubio pro reo", "nulla poena sine lege", "nulla poena sine culpa", Strafe als Resozialisierung statt Rache, Trennung von Recht und Moral. Es gibt Menschen bei uns, die diese Grundsätze bekämpfen und vom Verfassungsschutz beobachtet werden; diese beschränken sich jedoch nicht auf Muslime. Ich würde solche Bestrebungen auch nicht als "kulturell" bezeichnen. Daneben gibt es den deutschen Stammtisch, der gerne die Grundsätze "kurzer Prozess, Rache, Moral" (und im Extremfall die Todesstrafe) im Strafrecht verankert sähe.


Historisch gesehen ist das deutsche Recht aus dem römischen Recht abgeleitet - auch wenn es sich stark weiter entwickelt hat! Einflüsse kamen insbesondere aus dem französischen Recht - kein Wunder, hat doch Napoleon hier Fakten geschaffen!

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die wichtigste Grundlage des Rechtssystems in Deutschland unser Grundgesetz - einige Elemente (die deshalb nicht negativ sein müssen) entstammten dabei auch dem sanften Druck der westlichen Besatzungsmächte, die in jedem Fall sicherstellen wollten, dass von Deutschland aus kein weiterer Weltkrieg seinen Anfang nimmt.

Ist das jetzt wirklich deutsche Kultur?

Zitat
Sprache. Von Einwanderern, die in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt haben, kann man verlangen, dass sie unsere Sprache erlernen. (Deutsche im Ausland halten sich vielfach nicht daran; warum auch, sie haben ja Geld.) Man darf aber nicht erwarten, dass sie ihre eigene Sprache verleugnen, und dass Einwanderer der ersten Generation häufig Probleme mit der Sprache des Gastlandes haben, ist völlig normal.
Andererseits sehe ich nicht, dass unser Kulturgut "Sprache" ausgerechnet durch muslimische Ausländer gefährdet ist. Dazu trägt eher die Vielzahl von Anglizismen bei. Deutsch ist im Grunde eine tote Sprache; die Rechtschreibreform, die zeitgemäßere und stärker deutschem Sprachgefühl entsprechende Schreibweisen vorschlug, wurde erbittert bekämpft, und man erfindet lieber Pseudo-Anglizismen statt deutsche Begriffe für neue Entwicklungen.



Die deutsche Sprache im eigentlichen Sinn geht auf den Buchdruck, auf Luther und auch den Duden zurück. Wer beispielsweise mal den guten alten Faust vom Meister Goethe liest, wird feststellen, dass bestimmte Reime nur im Hessischen Dialekt funktionieren....kein Wunder....

Sprache entwickelt sich permanent weiter. Über die Jahrhunderte hinweg gab es Lautverschiebungen, Änderungen in der Grammatik, aber auch immer wieder starke Einflussnahmen von anderen Sprache über das Vokabular. Dass derzeit viele Anglizismen Eingang in die deutsche Sprache finden, ist deshalb kein Wunder, weil Englisch derzeit weltweit eine der führenden Sprachen ist. Mit dem zunehmenden Einfluss des Chinesischen ist in Zukunft zu erwarten, dass immer häufiger auch erste Ausdrücke aus diesem Sprachenkonglomerat ins Deutsche einwandern werden.

Auch wenn derzeit die Sprache sich vor allem über neue Vokabeln verändert - auch in der Grammatik kommen Änderungen zum Einsatz. So werden Sätze immer kürzer (eine Folge nicht nur aber auch der SMS......), Größer WIE statt Größer Als ist fast schon normal. Durch Neuinterpretation aber ändern auch Wörter ihre Bedeutung! Geil ist dabei ein altes Beispiel - aber auch Begriffe wie ALTER oder FETT sind in neuer Interpretation vielen Menschen inzwischen geläufig. Einflüsse kommen hier aus der Jugendsprache - eine Sprache, die es eigentlich nie gibt, weil sie permanent neu erfunden wird. Für jugendliche ist es völlig normal und gehört schon fast zum Entwicklungsprozess dazu, dass sie in einem bestimmten Alter auch über die Sprache von ihren Eltern abgrenzen.

Deutsch erlebt aber auch eine klare Renaissance! Das internationale Interesse an Deutsch ist die letzten Jahre wieder gestiegen. Das hängt auch mit dem gewachsenen Einfluss Deutschlands in der Welt nach der Wiedervereinigung zusammen. Deutsch wird auch wieder als poetische und musikalische Sprache neu entdeckt. Während 1980 kaum deutsche Lieder im Radio zu hören waren (die NDW war da schon eine erste aber keine nachhaltige Gegenbewegung), ist seit 2010 schon ein regelrechter Trend zu verspüren, dass Radio nur funktioniert, wenn ausreichend Anteile deutscher Interpreten mit dabei sind.

Deutsche Filme sind international durchaus erfolgreich - insbesondere bei Fernsehproduktionen. Nicht so sehr im Kino.

Nur - der ganze Hype um Sprache wird eh überbewertet. Mit der zunehmenden Digitalisierung kommen auch immer bessere Übersetzer zum Zuge! Latein hat seine Führungsrolle verloren, als der Buchdruck einsetzte, und nationale Übersetzungen kamen.
Mit neuen Technologien stehen wir kurz vor dem Durchbruch, dass jeder jederzeit jedes Dokument in seiner Sprache lesen und anhören kann. Sprache wird damit deutlich an Bedeutung zur Differenzierung abnehmen - was dann konkret passiert, ist noch völlig offen.

Zitat

Kleidung. Traditionelle Trachten, die man als Teil unserer Kultur betrachten kann, werden nur noch im ländlichen Raum zu besonderen Anlässen getragen. Die Mehrheit der Deutschen trägt funktionelle westliche Einheitskleidung. Weder die Trachten noch die westliche Einheitskleidung sind muslimisch beeinflusst. Muslimische Frauen halten stärker an ihrer traditionellen Kleidung fest als Männer (klar, weil sie dazu gezwungen werden ); aber dies ist ein Phänomen, das man auch in nicht-muslimischen Teilen der Welt (z.B. in Teilen Afrikas oder Indien) beobachten kann.



In weiten Teilen ist heute Kleidung durchaus schon stark Globalisiert.

Zitat

Essen. Manche beklagen das Überhandnehmen von Döner-Buden, aber haben gegen Pizzerias oder McDonald's & Co nichts einzuwenden. Die internationale Küche bei uns wird eher von italienischen, chinesischen und Balkan-Restaurants dominiert.



Die deutsche Küche ist zuerst geprägt vom Mangel in der Nachkriegszeit. Dann kommen amerikanische Einflüsse dazu. Danach haben Gastarbeiter mit italienischer, griechischer, spanischer und türkischer Küche unser Essen bereichert. Modernistische Tendenzen wie Vegetarisch oder Vegan, immer mehr verfügbare auch internationale Zutaten und zuletzt auch wieder ein Trend zu einer modernen einfachen regionalen schnellen Selbstkochküche sind erkennbar.

Heute ist kaum jemand in Deutschland noch das, was 1950 typisch war. Nur wenige Gerichte haben sich bis 2017 erhalten.Und trotzdem - oder auch gerade deshalb - spielt die deutsche Küche international inzwischen wieder in der oberen Liga mit. Gerade weil wir die Einflüsse vieler Kulturen mit integriert haben, und eine moderne neue Küche mit regionalem Charakter entwickeln.

Ich bin mir absolut sicher, dass gerade beim Essen der Zuzug von Millionen von Einwanderern aus Syrien, afrikanischen Ländern und sonstigen Gegenden der Welt dazu führen wird, dass die deutsche Küche sich äußerst kreativ weiter entwickeln wird! Der Döner - eine deutsche Erfindung - hat inzwischen seinen Weg zurück in die Türkei gefunden.....und beim Bier oder bei Wurstprodukten ist deutsche Qualität weltweit geschätzt.

Auch bei der Käsevielfalt sind nicht die Holländer führend, sondern Deutschland.

Beim Essen geht die Post ab - und zwar genau in den Ländern, die es immer wieder schaffen, Menschen unterschiedlichster Kulturen zu integrieren. Genau hier ist Deutschland wie übrigens auch die USA, GB und einige wenige weitere Länder der Welt excellent aufgestellt!

Zitat

Religion. Wenn man die Mitgliedschaft bei einer christlichen Religionsgemeinschaft als maßgebend für deutsche Kultur betrachtet, dann ist natürlich jeder Atheist, Buddhist, Hindu, Muslim usw. ein Fremdkörper bei uns. Für mich gehört es zur verteidigenswerten Kultur unseres Landes, dass alle Religionen oder Nicht-Religionen bei uns nebeneinander existieren können.
Angeblich haben Muslime bei uns schon erfolgreich den heidnischen Brauch, Weihnachtsbäume aufzustellen, bekämpft; ich habe das in meiner Gegend noch nicht erlebt. Den christlichen Sonntag als arbeitsfreien Tag mehr und mehr abzuschaffen, wird allerdings nicht von Muslimen gefordert, sondern von deutschen Arbeitgebern.

Menschen mit völlig unterschiedlichen Interessen, die sich voneinander abgrenzen, gibt es jede Menge; so gesehen haben wir beliebig viele Parallelgesellschaften. Nur bei Muslimen wird das ständig angeprangert.



Religion ist ein noch viel schwierigeres Thema als Essen......
Traditionell würde man Deutschland als christliches Land betrachten....allerdings ist das Christentum stark auf dem Rückzug. Der Einfluss der Religion nimmt dramatisch ab.
Nun könnte man auf die Annahme kommen, dass die muslimischen Einwanderer hier neue Impulse setzen....tun sie auch - aber weitaus weniger, als häufig angenommen. Denn es ist gerade auch bei islamischen Einwanderern so, dass längst nicht alle von diesen eine einheitliche Religion haben, und auch keine einheitliche Religiösität.

Die Mehrheit der Muslimen in Deutschland betet nicht 5 mal am Tag.......viele von ihnen fühlen sich von keiner offiziellen Vertretung vertreten...und auch unter den Muslimen gibt es viele, die die Religion eher aufgeklärt und passiv angehen........



Unterm Strich kann man sagen, dass historisch gesehen nicht die isolationistischen Länder erfolgreich waren, sondern die, denen es immer wieder gelungen ist, andere Kulturen zu integrieren.
Die USA, Rußland ist ein Vielvölkerstaat. China ebenso - und auch erst wieder auf dem aufsteigenden Ast, seit es sich nach außen öffnet.

Deutschland integriert die letzten 100 Jahre nahezu permanent irgendwelchen größeren und kleineren Gruppen aus anderen Kulturen - genau darin liegt die eigentliche Stärke der deutschen Kultur! Sie ist immer wieder in der Lage sich dadurch zu erneuern, dass Einflüsse von Außen integriert werden!

So gesehen ist das Wesen der Deutschen Leitkultur, dass diese immer wieder durch die Integration anderer Kulturen verjüngt und weiter entwickelt wird.!

Insofern - keine Angst vor Lederhosen, aber auch nicht vor dem Kopftuch. Vielleicht wird die Lederhose mit Kopftuch mal zum Markenzeichen von Deutschland......


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#15

RE: Das Leid mit der Deutschen Leitkultur

in Deutschland 30.08.2017 02:25
von Martin | 343 Beiträge

"...Insofern - keine Angst vor Lederhosen, aber auch nicht vor dem Kopftuch. Vielleicht wird die Lederhose mit Kopftuch mal zum Markenzeichen von Deutschland......"

Das Dirndl mit Kopftuch vielleicht, den Bayern ist alles zuzutrauen. Aber natürlich reden wir beim Islam nicht von harmlosen kulturellen Macken wie dem Schottenrock, sondern von einer knallharten menschenfeindlichen Unterdrückungsideologie. Hamed Abdel-Samad hat das ja eindrucksvoll und unwiderlegbar beschrieben, was nicht nur in der islamischen Welt, sondern vor allem auch in Europa um sich greift. Der Faschismus des 21. Jahrhunderts nämlich...


"Die Kröte hat einen schlechten Leumund." >&´)


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