#16

Gibt es einen Gott?

in Klassische Philosophie 19.04.2020 02:00
von Atue (gelöscht)
avatar

Vielleicht ist die einfachste Antwort auch die, dass es keinen Gott gibt?

In der Menschheitsgeschichte waren Götter und schließlich der eine Gott regelmäßig die Antwort auf nicht verstandene Phänomene. Heute verstehen wir viel mehr - wenn auch längst nicht alles. Man kann jetzt suchen - und findet dann auch genügend Platz für Glauben, Mystik und mehr - allerdings wird es immer schwerer mit zunehmendem Wissen noch gängige Denkmodelle zu Gott ernst zu nehmen.

Einen Irrsinn finde ich beispielsweise die Idee, dass dieser Gott ein ganzes Universum mit mehr als einer Billion Galaxien erschafft, in denen jede einzelne Galaxie bis mehrere hundert Milliarden von Sternen oder Sonnensystemen hat. Und viele dieser Sonnensysteme haben Planeten - wahrscheinlich auch viele in der habitablen Zone.
Mit zunehmender Erkenntnis wird es auch immer wahrscheinlicher, dass es weiteres Leben im Weltall gibt oder gab oder geben wird.
Und dann ist dieser eine Gott da, der all dies geschaffen hat, und schaut zu einem ziemlich unbedeutenden Nebenarm einer zeimlich unbedeutenden Galaxie, nimmt sich dort eine ziemlich unbedeutende Sonne raus, nimmt einen Planeten von dort, und kümmert sich um den?
Und dann geht er hin und erschafft die gesamte Pflanzen und Tierwelt, und dann auch die Menschheit - aber dabei belässt er es nicht, sondern dann zieht er sich erst mal zurück und kümmert sich dann um ein kleines recht unbedeutendes Völkchen?????
Wir irre ist das denn?

Und dann sendet er seinen Sohn in Menschengestalt, und der predigt uns mal kräftig den Marsch dass wir gefälligst vernünftig zusammenleben sollen!
Ein paar hundert Jahre später beseelt derselbe Gott (wenn es nur einen gibt, kann es ja kein anderer sein) in einer anderen Gegend einen anderen Mann und lässt den eine etwas andere Interpretation verkünden....
Und dann gehen die Menschen im Namen ihres Gottes (also desselben) aufeinander los und schlagen sich die Köppe ein - Christen gegen Juden, Katholiken gegen Protestanten, Moslems gegen Christen, Sunniten gegen Schiiten.....und jeder betet nochmals davor und bringt dann mit wenig schlechtem Gewissen ein paar andersdenkende um....

Leute ganz ehrlich - wenn ich Gott wäre, und für diesen Auftritt mich dann auch noch verantwortlich zeichnen sollte.....ich würde mich auch nicht mehr hier blicken lassen!

Nein - unterm Strich muss sich Gott nicht rechtfertigen! Denn den Gott, wie wir ihn denken, gibt es so nicht. Der christliche Gott ist eine Erfindung als konsequente Weiterentwicklung des jüdischen Gottes, der jüdische Gott ging aus Gottesvorstellungen hervor, in denen es noch viele Götter gab, und diese vielen Götter standen als Erklärung für Phänomene, die man nicht verstanden hatte.

Diese Erklärung für das Christentum und in ähnlicher Form für alle anderen (mir bekannten) Religionen sind recht stimmig, und stehen auch nicht im Widerspruch zu dem, was wir alltäglich erleben. Erdbeben lassen sich erklären, genauso wie Pandämien und andere Katastrophen. Die Erklärungen der Naturwissenschaftler mögen manchem nicht das geben, was er oder sie braucht - aber sie erklären recht gut das, was wir erleben.

Wenn wir etwas in einem Weltbild wieder und wieder nicht erklären können, ein anderes Weltbild aber eine einfache und naheliegende Erklärung liefert - dann sollte man vorsichtig darüber nachdenken, ob nicht doch das andere Weltbild richtig sein könnte.

Es wird Zeit, den klassischen Gottglauben hinter sich zu lassen. Entweder gibt es keinen Gott, oder aber einen, den wir noch nicht mal im Ansatz verstanden haben. Bei ersterem muss sich Gott nicht rechtfertigen, bei letzterem müssten wir erst mal mehr verstehen, bevor wir über die Frage ernsthaft nachdenken können.

Wenn es einen Gott gibt, wird dieser Gott ganz anders sein als das, was wir heute von allen bekannten Religionen her kennen.



nach oben springen

#17

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie 18.10.2020 13:03
von kuschelgorilla | 3.292 Beiträge

Ich frage mich gerade:

Sind die Annahmen zu Gott nicht etwa eine Erwartenshaltung von uns Menschen an diesen möglicher Weise vorhandenen Demiurg?
Ist auch die Annahme ein Trugschluß, dass der Demiurg Übel verhindern müsste? Ist es auch die Annahme ein Trugschluß, dass es durch und durch gute Menschen gibt, für die der Demiurg die Übel hinwegnimmt?


Meine Motivation ging heute morgen winkend und lächelnd an mir vorbei
nach oben springen

#18

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie 18.10.2020 13:18
von Anthea | 13.471 Beiträge

"Trugschluss" KANN alles sein, was sich nicht beweisen lässt und nun einmal auf purer Annahme beruht!
Damit müssen ALLE leben, ob gläubig oder nicht...


Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.
Mahatma Gandhi


kuschelgorilla hat sich bedankt!
nach oben springen

#19

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie 18.03.2021 12:56
von denker_1 | 1.650 Beiträge

Zitat von Anthea

Immanuel Kant hat grundsätzlich festgestellt, dass die Möglichkeiten und Handlungen Gottes zu erklären nicht eine Frage der vernunftmäßigen Überlegungen und Betrachtungen sein können. Und der „metaphysische Bereich“, in den dieser Fragen- und Unsicherheitskomplex passt, immer einer der Spekulationen sein wird. Hierzu auch Kants Werk: „Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee“ aus dem Jahre 1791.



Vielleicht gibt er uns genau deshalb so widersprüchliche Anweisungen, weil er uns zum selber denken anregen will. Dann kann metaphysisch gemeint sein. Im Zen geben die Meditationsmeister bewusst widersprüchliche Fragen als so genannte Koans zum Denken. Es gibt keine Lösung für das gestellte Problem und so erkennt man im metaphysischen dass alles miteinander zusammenhängt.

In der Logik könnte Gott uns damit sagen wollen, dass wir die Dinge hinterfragen sollen, dass wir unsere Sichtweise der Dinge permanent hinterfagen sollen.


nach oben springen

#20

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie 18.03.2021 13:19
von denker_1 | 1.650 Beiträge

Zitat von Kuschelgorilla

Sind die Annahmen zu Gott nicht etwa eine Erwartenshaltung von uns Menschen an diesen möglicher Weise vorhandenen Demiurg?



Könnte gut sein. Dann wäre dieser Demiurg ein abstraktes unbekanntes Wesen das einst den Urknall willentlich ausgelöst hat.

Zitat von Kuschelgorilla

Ist auch die Annahme ein Trugschluß, dass der Demiurg Übel verhindern müsste?



Vielleicht. Dann aber sind alle Religionen, die auf einen gütigen uns helfenden Gott vertrauen, sinnlos.

Zitat von Kuschelgorilla

Ist es auch die Annahme ein Trugschluß, dass es durch und durch gute Menschen gibt, für die der Demiurg die Übel hinwegnimmt?



Davon gehe ich aus.

Der Säugling denkt zunächst nur an seine Bedürfnisse. Nahrung und Zuwendung, ohne Rücksicht auf die geplagte Mutter.

Emphatie muss Mensch erst lernen.

Etwas ältere Kinder müssen erst lernen, zu teilen. Hab ich selber bei einer ehrenamtlichen Kinderbetreuung erlebt. Ungefähr 30 Kinder, wir, ich und 2 weitere Betreuer wollten die Kinder basteln lassen. Haben die Utensilien ausgeteilt und die Kinder haben sich um die Scheren gestritten obwohl genug Scheren da waren.

Bezüglich Erwachsener brauchen wir und unsere Welt nur anuschauen. Die Terroristen, Diktatoren, Räuber, Mörder, Diebe haben die Oberhand, die gütigen gehen unter.


kuschelgorilla findet das Top
kuschelgorilla hat sich bedankt!
nach oben springen

#21

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie 23.04.2022 10:52
von Anthea | 13.471 Beiträge

Zitat von denker_1 im Beitrag #20
Emphatie muss Mensch erst lernen.


Bei meinem Lesegang durch die diversen Themen in diesem Forum stieß ich auf den Satz von denker_1. Da fragte ich mich, ob das tatsächlich so ist. Ich neige mehr dazu zu sagen, dass man sie hat oder nicht. Die Empathie.
Oder hat, um das Thema der Frage nach der Rechtfertigung Gottes zu bedienen, dieser sich fragwürdig gemacht, wenn er auf der einen Seite von der Gleichheit, sprich Wertigkeit aller Menschen spricht, auf der anderen Seite aber die Voraussetzungen nicht geschaffen hat? Also durch das Fehlen der Möglichkeit echter tiefer Empfindungen ein Hindernis geschaffen hat, ein guter, mitfühlender und achtsamer Mensch gegenüber seinen Mitmenschen zu sein?

Kann man Empathie lernen? Man wird lernen können, dass es einen guten Eindruck macht, wenn man sich um andere kümmert. Man wird spenden, für was auch immer, für wen auch immer in Notlagen. Zum Beispiel. Aber nachdem die Geldbörse wieder geschlossen ist, wird kein wirkliches Gefühl der Betroffenheit oder der empathischen Regungen übrig bleiben.

Im Bereich der Empathie im Sinne von "erkenne deinen Nächsten" gibt es unzählige Seminare, die den Teilnehmern vermitteln wollen, woraus sie beim anderen achten müssen, um als ein einfühlsamer Mensch wahrgenommen zu werden. Körpersprache, Mimik etc. Nach Absolvieren eines Seminars sind dann die Leute gefeit und fallen nicht mehr so schnell auf andere herein. Denn Ekpathie ist schließlich recht gesund für das eigene Wohlbefinden. Traue nur dir selbst...

Ich habe früher schon das Beispiel der Charité-Veranstaltungen angesprochen. Glamour-Events, wo die Menschen, fein gemacht in edlem Zwirn und Abendkleid Geld "spenden", möglichst öffentlich, damit die Umwelt mitbekommt, wie gut es ihnen doch geht. Und dass sie ein "offenes Herz" für andere haben. Tage später, wenn diejenigen vielleicht noch bei einer Tombola eine Kreuzfahrt gewonnen haben, wird der eigentliche Grund von finanzieller Hilfe vergessen oder verblasst sein.

Gott, wenn es ihn denn gibt, müsste sich für Unvollkommenheit rechtfertigen. Dadurch, dass er aus meiner Sicht nicht in jedem Menschen die Anlage zum emotionalem Denken installiert hat. Oder ist das doch - latent ruhend - in jedem Menschen vorhanden?

---


Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.
Mahatma Gandhi


nach oben springen

#22

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie 24.04.2022 00:16
von Atue (gelöscht)
avatar

Zitat von Anthea im Beitrag #21
Gott, wenn es ihn denn gibt, müsste sich für Unvollkommenheit rechtfertigen. Dadurch, dass er aus meiner Sicht nicht in jedem Menschen die Anlage zum emotionalem Denken installiert hat. Oder ist das doch - latent ruhend - in jedem Menschen vorhanden?


Es ist sehr wahrscheinlich, dass es keinen Gott gibt.
WENN es einen Gott gibt - dann ist er/sie/es sehr wahrscheinlich ziemlich anders als all das, was heute übliche Gottesbilder so vermitteln wollen.
WENN Gott der Schöpfer der Welt ist, so wie sie ist - dann ist er/sie/es auch für diese Welt voll umfänglich zur Verantwortung zu ziehen - denn er/sie/es hätte die Möglichkeit gehabt, es anders zu machen. Dies zumindest aus menschlicher Sicht - aber mehr Erkenntnisfähigkeit hat uns der potentielle Gott ja auch nicht mitgegeben.

Natürlich kann man auf die Idee kommen, dass sich ein Gott nicht rechtfertigen muss....wie sollen auch seine Geschöpfe Forderungen an ihn stellen dürfen? Umgekehrt aber sind dann die Geschöpfe auch nicht zur Rechenschaft zu ziehen - das wären sie nur, wenn sie der Schöpfung gleichgestellt wären. Das sieht aber die Bibel und andere Gottesmodelle nicht vor.

Solange es aber eine klare Hierarchie gibt, stinkt der Fisch vom Kopf - das gilt nicht nur für Unternehmen und Organisationen, sondern auch für die Kirche, und auch für einen potentiellen Schöpfer.

Muss sich Gott rechtfertigen?

Allenfalls vor sich selbst, oder vor weiteren Göttern die ihm/ihr gleichgestellt wären. Vor seinen Geschöpfen wohl eher nicht. Sollte sich Gott rechtfertigen - wohl eher ja, wenn man davon ausgeht, dass Gott die Menschen als freie Geschöpfe erschaffen hat.



nach oben springen

#23

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie 16.10.2023 17:48
von Anthea | 13.471 Beiträge

Ich habe vorhin einmal diesen Thread Revue passieren lassen. Und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass alles, was geschrieben wurde, richtig und nachvollziehbar ist. Alles, nach dem Motto: Kann sein, kann nicht sein...

Was allerdings eigentlich ein Phänomen ist, dass so viele Menschen, Gottgläubige, unbeeindruckt von nicht zu leugnender Logik einer Beweisführung in Bezug auf die Nichtexistenz eines Gottes dennoch an ihn glauben.
Ist das Ignoranz, ist das Dummheit?

Was ist die Motivation? Angst vor dem Nichts, Angst vor der Sinnlosigkeit eigener vergänglicher Existenz. Angst vor der Hoffnungslosigkeit, wobei jeder Strohhalm (in dem Falle das nicht definitive Wissen) genau diese wichtige Hoffnung nährt?

---


Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.
Mahatma Gandhi


nach oben springen

#24

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie 11.09.2026 19:46
von Domingo | 641 Beiträge

Existiert Gott?Was sind die realen Eigenschaften von Gott?Wie interagiert er mit der Welt?Welcher Mechanismus führt dazu dass er Gebete erhört?Es muss nicht nur von religiöser und gläubiger Seite erlaubt sein darüber nachzudenken sondern auch von einer rein sachlichen Ausgangsweise.Es geht mir auch keinesfalls darum Gläubige in irgendeiner Form herabzusetzen oder sie zum Atheismus zu bekehren.Aber so wie Gläubige das Thema Gott angehen muss es dafür auch andere Antworten geben.
Würde ich gläubige Menschen bitten Gott exakt zu definieren dann werde ich verschiedene Antworten erhalten.Je nach Glaubensrichtung fallen die Antworten unterschiedlich aus.Eine exakte,nachprüfbare Definition von Gott gibt es nicht.Wenn aber keine exakte,nachprüfbare Definition von Gott existiert,er also keine Eigenschaften hat die ihn von einem Universum ohne Gott unterscheidet dann ist Gott ein Name,mehr aber nicht.Seine Existenz ist von seiner Nichtexistenz nicht zu unterscheiden.Was ist ein Wesen das durch seine völlige Unnachweisbarkeit charakterisiert ist?

Alle Lebewesen,also auch wir Menschen sind der Physik und Chemie unterworfen.Wir könnten ohne diese Natur nicht existieren,miteinander agieren,denken und aktiv leben.Wie aber kann Gott mit uns interagieren wenn er weder Masse,also einen Körper hat noch den Naturkräften unterworfen ist,er ist überall und nirgends,er hat keinen Platz im Raum.Und dennoch ist ein Gott ohne physikalische Eigenschaften in der Lage unsere physikalische Welt zu verändern und zu beeinflussen.Wie er das macht ohne Teil unserer physikalischen Welt zu sein beantwortet die Religion nicht.Wäre er Teil unserer physikalischen Welt dann wäre er mess-und erforschbar.Das aber ist bisher der Wissenschaft nicht gelungen.Damit dürfte klar sein dass er nicht Teil unserer Welt sein kann.

Als Argument für die Existenz Gottes wird genannt das wir,der Raum,die Zeit und die Materie existieren.das alles sind höchst komplexe Fakten die es,so die Meinung, ohne einen Schöpfer nicht geben könnte.Ich möchte ein Beispiel für die Komplexität unsere Existenz nennen.Atomkerne bestehen bekanntlich aus Protonen und,nach dem Wasserstoff,Neutronen.Beide wiederum bestehen aus 3 Quarks und Gluonen um die Quarks zusammenhalten zu können,da sie sonst ihrer unterschiedlichen Ladung wegen auseinander fliegen würden.Das Innere beider Teilchen ist noch sehr viel komplexer als das ich darauf noch eingehen möchte.Ein Gott der alle Komplexität der Materie und des Raumes beherrschte müsste noch komplexer sein als all das was er geschaffen haben soll.Nun kommt die Frage in`s Spiel,wer hat Gott erschaffen?Ein solcher Designer Gottes muss zwangsläufig über eine noch unfassbarerer Komplexität verfügen als sie Gott bereits besitzt der jedes Teilchen im Universum erschuf,alle physikalischen Gesetze auf den Weg brachte.Aber damit endet die Frage nicht,der Designer Gottes muss zwangsläufig wieder einen Schöpfer haben.Das kann man bis in alle Unendlichkeit fortsetzen führt aber am Ende zu nichts.

Nun könnte man sagen Gott braucht keine Erklärung aber damit negiert man alle vorher genannte Logik.Wenn man Gott also nicht erklären kann dann ist er für die Existenz des Universums auch nicht nötig.Die fundamentalste Eigenschaft Gottes ist seine Allwissenheit.Er kennt die Vergangenheit,die Gegenwart und auch die Zukunft.Wenn er letztere vorhersagen kann bedeutet das,dass es keine Zufälle geben kann.Alles baut auf der Gegenwart auf und bestimmt unweigerlich und eindeutig die Zukunft.Zufälle haben in dieser Variante keinen Platz,denn sie sind nicht vorhersehbar.Das bedeutet aber auch,auf uns Menschen bezogen,dass alles was wir tun und denken vorprogrammiert ist.Wir wären im Prinzip eine Art Roboter die für ihr Handeln keine Verantwortung tragen müssen,denn im Plan Gottes ist bereits alles festgelegt auch die Zukunft.Ein freier Wille ist dann eine Illusion.

Nehmen wir an in Gottes Schöpfung sind auch Zufälle integriert .Damit aber kann Gott die Zukunft nicht uneingeschränkt kennen,seinem Allwissen sind damit Grenzen gesetzt.Den Glauben an Gott haben Menschen seit es sie gibt und sie sich Gedanken über ihre Umwelt machen und nicht selten ist der Glaube auch die Möglichkeit schweres Leid zu ertragen.Er kann also auch eine wohltuende Funktion haben aber es ändert nichts daran dass die Existenz Gottes deutlich zu hinterfragen ist.


„Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“


zuletzt bearbeitet 11.09.2026 19:50 | nach oben springen

#25

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie 12.09.2026 12:39
von Anthea | 13.471 Beiträge

Die Fragen zu dem Komplex "Gott" sind unendlich und unlösbar. Makrokosmos als das grosse Ganze zu begreifen ist aus meiner Sicht schier unmöglich, da es die Kapazitäten eines jeden Einzelnen überfordern wird.
"Zwar bin ich klug, doch möcht ich alles wissen". Geht aber nicht. So muss sich auch ein Genie wie Faust mit einem Mikrikosmos abfinden im steten Bemühen um das Finden passender Puzzleteile...

Eigentlich ist die Frage nach einer Rechtfertigung Gottes schon unsinnig und vermessen. "Rechtfertigen" vor sich selbst beziehungsweise erklären können sollte ein jeder, der mit der Frage konfrontiert wird : "Wie kommst du darauf, dass es Gott gibt resp. nicht gibt?"
Und hier reicht doch als Rechtfertigung: ich glaube, ich fühle es!
Denn dagegen sind die Frager machtlos.

Der Glaube versetzt Berge...


Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.
Mahatma Gandhi


nach oben springen

#26

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie 12.09.2026 14:45
von Domingo | 641 Beiträge

Zitat von Anthea im Beitrag #25
Und hier reicht doch als Rechtfertigung: ich glaube, ich fühle es!

Das ist so,gegen Glauben kann man kaum argumentieren.Jeder hat natürlich das Recht die Welt so zu sehen wie sie sich ihm darstellt.Da kann auch ein Gott eine Rolle spielen.Andererseits haben Menschen wie ich natürlich auch das Recht die Existenz Gottes zu verneinen.Ich kann keine Logik finden die dessen Existenz begründen könnte.Die Physik benötigt ihn nicht,viele Menschen schon.Es gibt für mich außer der Physik noch einen anderen,menschlichen Grund weshalb ich einen Gott verneine.Er ist taub,stumm und reagiert nicht.Ich stelle mir Menschen in existenzieller Not vor,so unter anderem in der Nazi-Zeit.Wie viele Christen,Juden und Muslime haben in ihrer Existenzangst Gebete zum Himmel geschickt und mussten dennoch vor ihrer Zeit sterben.Er hat nicht eingegriffen sondern zugeschaut wie sie in `s Gas geschickt wurden.Seine Anhänger töten sich gegenseitig,mitunter in seinem Namen,auch hier wieder diese drei Religionen.Gibt es dagegen eine Reaktion Gottes?Er schweigt.Wer braucht aber einen stummen,tauben und tatenlosen Gott?Ob er existiert oder nicht existiert hat dann keine Bedeutung,er ist nutzlos.


„Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“
nach oben springen

#27

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie 12.09.2026 17:55
von Meridian | 3.217 Beiträge

Ich achte jeden, der einen tiefen Glauben hat. Wer aber (aggressiv) missioniert oder gegen andere Religionen hetzt, dem spreche ich den tiefen Glauben ab, denn wahre Gläubige haben es nicht nötig zu missionieren bzw. zu hetzen. Wahre Gläubige leben ihren Glauben vor, und es ist letztlich die Entscheidung jedes Einzelnen, dem Gläubigen zu folgen oder es bleiben zu lassen.

Ob es Gott gibt? Ich vermute nicht den personifizierten Gott in den monotheistischen Religionen wie Judentum, Christentum oder Islam. Wenn eher, dann als höhere Wesenheit (höhere Macht wollte ich zuerst verwenden, aber der Begriff Macht ist ja eher negativ behaftet) oder höhere Gerechtigkeit. Das schließe ich nicht aus.


Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.
(Benjamin Franklin)
nach oben springen

#28

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie 12.09.2026 20:01
von Domingo | 641 Beiträge

Zitat von Meridian im Beitrag #27
Wenn eher, dann als höhere Wesenheit (höhere Macht wollte ich zuerst verwenden, aber der Begriff Macht ist ja eher negativ behaftet) oder höhere Gerechtigkeit. Das schließe ich nicht aus.

Nur ist diese Interpretation sehr mystisch und ruft die Frage auf was "höhere Gerechtigkeit" sein soll.Eine solche vermag ich in unserer realen Welt nicht zu erkennen.


„Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“


zuletzt bearbeitet 12.09.2026 20:04 | nach oben springen

#29

RE: Theodizee – oder muss Gott sich rechtfertigen?

in Klassische Philosophie Gestern 12:22
von Meridian | 3.217 Beiträge

Wenn ich "höher Wesenheit" sage, dann nur, um es allgemein zu halten, was mit Gott gemeint sein kann. Der Begriff "Gott" beschränkt sich v.a. auf den christlichen Gott, wie in der Bibel dargestellt. Vielleicht kann man noch den jüdischen und islamischen Gott hineininterpretieren. "Gottheit" beinhaltet schon mehr, z.B. auch irgendwelche Götzen von Naturvölkern, aber auch die Götter der griechischen Mythologie oder im Hinduismus und Buddhismus. Und so ist es auch mit "Wesen" und "Wesenheit": Letzteres ist noch allgemeiner gehalten als "Wesen".

Den Begriff "höhere Gerechtigkeit" sollten du aber schon einmal gehört haben. Davon wird gerne gesprochen, wenn jemanden eine Art Gerechtigkeit nicht im juristischem Sinne zukommt. Ein Bsp.: Als der Vater einer mir Bekannten starb, sollte sie u.a. den Mercedes Benz als Erbe bekommen. Doch ihre gierige und auf Status bedachte Schwester riss ihn an sich. Das Auto fuhr bis dahin tadellos. Doch seit die gierige Schwester ihn hatte, machte das Auto nur noch Probleme. Es kam zu aufwendigen und kostspieligen Reparaturen wie Austausch der Zylinderkopfdichtung und andere Späße. Zudem blieb das Auto immer wieder mitten auf der Fahrt stehen, und der Abschleppdienst musste gerufen werden. Doch die Schwester war bockig wie ein kleines Kind und hielt an dem Auto fest. Am Ende verlor sie durch Reparaturen und Pannen einen Geldbetrag, bei dem man sich einen neuen Mittelklassewagen hätte kaufen können.

Bei solchen Sachen fragt man sich: Reiner Zufall, dass das Auto mit dem Tod des Besitzers ein Alter erreichte, bei dem die Anfälligkeit anfing? Und wenn die rechtmäßige Erbin das Auto bekommen hätte, wäre es dann auch zu dauernden Problemen gekommen? Fragen über Fragen. Und was ist überhaupt Zufall? Etwas, was einen zu-fällt? Zumisst war man sich einig, dass der gierigen Schwester höhere Gerechtigkeit zugefallen ist.

Aber auch in meinem Fall kam der Gedanke: Es gibt IHN, in welcher Form auch immer. Es war beim Abstieg in den Hochalpen von der Margarita-Hütte (4559m) zur Mantovahütte (ca. 3500m). Erstere ist das höchstgelegene Gebäude Europas. Hinunter ging es ausschließlich auf dem Gletscher. Technisch ist die Route den Umständen entsprechend nicht schwierig. Gletscherspalten gibt es nur wenige. Doch das Wetter hat umgeschlagen. Es nebelte ein, und leichter Schneefall kam auf, Temperaturen bei -2°C. Ist nicht einmal so kalt. Auch im Sommer kann es auf dieser Höhe deutlich kälter sein. Der Wind war nur leicht bis mäßig. Auch das hätte ganz anders sein können. Aber es reichte, dass man nichts mehr sah. Die Wegspur verschwand im Schneefegen, und wenn ich nicht mehr Hände gesehen hätte, hätte man glauben können, ich wäre blind. Es gab nur noch weißgrau ohne Konturen (auch nicht, wenn ich direkt auf den Boden schaute), ohne Horizont, und das auf einem weiten Gletscherfeld, auf dem man sich weiß Gott wohin verlaufen kann. Die einzige schwache Orientierung war, dass der Gletscher leicht nach rechts geneigt ist. D.h. man musste so laufen, dass nach rechts eine leichte Abschüssigkeit zu spüren war. Durch die faktische Blindheit bestand die Gefahr, in eine Spalte zu geraten. Doch daran wollte niemand mehr denken. Kalt war uns in der Aufregung nicht, und wir waren gut ausgerüstet. Gerade als wir überlegten, ein Iglu zu bauen und notfalls die Nacht dort zu verbringen, hob sich die Wolkendecke für vielleicht 10 Sekunden, so dass wir kurzzeitig die umliegenden Berge sahen. Da wussten wir, dass wir ungefähr richtig lagen, und gingen weiter. Eine kleinere Passhöhe war zu überwinden, und später ging es immer mehr bergab, aber dennoch waren wir erneut völlig orientierungslos. Als wir wieder beinahe aufgaben, waren wir plötzlich unter der Wolkendecke und nur wenig von der Wegspur entfernt. Die war auf einmal zu erkennen, denn der Schnee ging in einen Nieselregen über (es war eine Warmfront). Wir ließen uns einfach vor Erleichterung (dennoch auf Spalten achtgebend) bei dem sehr angenehmen Abstieg gehen, und bei mir ging dauernd das Halleluja von Händel durch den Kopf. Wir erreichten die untere Hütte gerade noch rechtzeitig. Denn die waren mit der oberen Hütte wegen uns in telefonischem Kontakt und wollten gerade einen Suchtrupp organisieren.

Natürlich kann man alles als Zufall betrachten, wenn gerade in der größten Verzweiflung die Wolken den Blick freigaben. Aber es fiel uns zu, dass es so geschah, und da kann man es durchaus mit Höherem in Verbindung sehen. Man muss aber nicht. Ist jedem seine Einstellung. Es gibt genug Fälle, wo solche Gletscherwanderungen bei kritischem Wetter auch zum Tode geführt haben. In meinem Fall war es nicht das schlimmste Wetter, aber die Lage war gefährlich genug.

Zur Vollständigkeit noch, wie es am nächsten Tag weiterging: Es schneite am nächsten Morgen auch an der Mantovahütte, doch das Wetter wurde bald besser. Beim Abstieg war unterhalb von 3200m kein Schnee mehr zu sehen. Am Parkplatz angekommen, hing wie damals üblich immer ein Wetterbericht aus. Der sagte uns, dass Polarluft im Anmarsch war und ein regelrechter Wettersturz drohte: Schnee bis in 1200m. (In 4200m, wo wir das Schneetreiben auf dem Gletscher hatten, würde bei Orkan die Temperatur auf unter -20°C abrutschen. Im Vergleich dazu wäre unser Schneetreiben nur ein laues Lüftchen gewesen...). Die Botschaft war mehr als klar: Raus aus den Alpen, und zwar schnellstens! Wir verließen die Alpen noch am selben Tag, und das war gut, denn die Passstraße, die wir für die Heimfahrt befahren mussten, wurde dann am Tag darauf wegen Schneemassen gesperrt.


Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.
(Benjamin Franklin)
Anthea findet das Top
nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Wo bitte geht's zu Gott....
Erstellt im Forum Allgemeine philosophische Betrachtungen von Anthea
10 30.07.2021 23:30goto
von Atue • Zugriffe: 633
"Gott segnet nicht die Sünde"
Erstellt im Forum Religion und Ethik von Atue
10 20.03.2021 23:16goto
von Atue • Zugriffe: 797
Legitimiert "Gott" das Töten?
Erstellt im Forum Religion und Ethik von Anthea
15 29.07.2021 14:31goto
von denker_1 • Zugriffe: 741
Der unerklärbare Gott und das Scheitern beim Bemühen von Beweisfindung
Erstellt im Forum Religion und Ethik von Anthea
172 20.08.2021 12:25goto
von denker_1 • Zugriffe: 5479
Gottes Segen sei auch ihnen gewiss...
Erstellt im Forum Diverse Nachrichten von Anthea
6 12.01.2018 15:02goto
von antenna • Zugriffe: 556
Der „satanische“ Gott?
Erstellt im Forum Religion und Ethik von Anthea
26 07.08.2021 08:41goto
von Anthea • Zugriffe: 1224
Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen
Erstellt im Forum Literatur von Anthea
11 13.08.2021 17:20goto
von Anthea • Zugriffe: 798
Wie die Anuak Gott sehen ...
Erstellt im Forum Allgemeine philosophische Betrachtungen von Till
8 26.08.2017 21:38goto
von Mellnau • Zugriffe: 557
"Grüß Gott" in der Kritik
Erstellt im Forum Schule und Bildung von moorhuhn
11 14.02.2018 17:28goto
von woipe • Zugriffe: 1175

Besucher
0 Mitglieder und 23 Gäste sind Online

Besucherzähler
Heute waren 5725 Gäste und 3 Mitglieder, gestern 3045 Gäste und 5 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 2448 Themen und 57413 Beiträge.

Heute waren 3 Mitglieder Online: