#31

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 04.10.2017 14:32
von Archimedes | 148 Beiträge

Die Frage ist, kann die EU überhaupt vermitteln. Bei der katalanischen Regierung scheint keiner die Verhandlungen des Brexits zu verfolgen. Denn es ist doch klar, raus aus Spanien, raus aus der EU. Außengrenzen, Visa und und und. Auf beiden Seiten scheinen nur noch hormongesteuerte Deppen am Werk zu sein.


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#32

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 06.10.2017 09:52
von Luftdrache (gelöscht)
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Zitat von Archimedes im Beitrag #31
Die Frage ist, kann die EU überhaupt vermitteln. Bei der katalanischen Regierung scheint keiner die Verhandlungen des Brexits zu verfolgen. Denn es ist doch klar, raus aus Spanien, raus aus der EU. Außengrenzen, Visa und und und. Auf beiden Seiten scheinen nur noch hormongesteuerte Deppen am Werk zu sein.


Der einzige, der nicht verhandlungsbereit ist, ist Mariano Rajoy als Vertreter des spanischen Zentralstaates. Carles Puigdemont als katalnoischer Präsident wird der Presse nach hingegen so zitiert, dass man ihn Anrufen möge, wenn es eine Vermittlungsinitiative geben werde. Er werde dorthin kommen.
Leider macht es nicht den Anschein, als wenn die EU vermitteln wolle. Eine Vermittlung würde letztlich von der Mehrzahl der Katalonen begrüßt.

Und natürlich kann die EU vermitteln, sicherlich nicht mit dem Ziel der Unabhängigkeit, aber zu einem mehr an Autonomie als Kompromiss.



zuletzt bearbeitet 06.10.2017 09:57 | nach oben springen

#33

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 06.10.2017 10:18
von Archimedes | 148 Beiträge

Ich will den span. Ministerpräsidenten sicher nicht in Schutz nehmen. Nur was will man mit Jemandem verhandeln, der ankündigt nicht von seinem Standpunkt zurückweichen zu wollen. Da lohnt sich der Aufwand sicher nicht.
Die Beiden sollten zurücktreten und den Weg für zwei zivilisierte, gemäßigte Herrschaften frei machen. Dann wäre der Konflikt vielleicht auf Verhandlungswegen noch lösbar.


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#34

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 06.10.2017 18:22
von Luftdrache (gelöscht)
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Das Referendum in Katalonien zeigt, das zwingender Gesprächsbedarf ist.
Sich den Realitäten zu verschließen führt nicht weiter. Rajoy wird reden müssen, wenn er die Zukunft selbst gestalten will.


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#35

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 11.10.2017 01:22
von Gelöschtes Mitglied
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Heute ist eine vernünftige Vorentscheidung gefallen. Man wird noch nicht den Bruch wagen......


Zum Gesamtzustand will ich mal eine Gesamteinschätzung wagen.
Die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien beruft sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker, wie es in den Unterlagen der Vereinten Nationen immer wieder mal genannt wird. Allerdings kann man gerade nicht aus diesem Selbstbestimmtungsrecht der Völker ein Sezessionsrecht ableiten! Vielmehr ist es so, dass gerade das Völkerrecht vor allem die unverletzlichkeit der nationalen Souveränität schützt. Die aber wird durch Sezessionsbestrebungen untergraben.

Trotzdem ist eine Loslösung nach Völkerrecht nicht unmöglich - vielmehr ist es sogar richtig, dass es dafür ja prominente Vorbilder gibt! Nur - die Hürden liegen hoch. Wenn es dem betroffenen Volk nicht mehr zumutbar ist, Bestandteil des Staatswesens zu sein - dann ist es möglich. Nicht mehr zumutbar - das bedeutet aber auch, dass der reine Wunsch nach Abspaltung nicht ausreicht. Vielmehr muss das entsprechende Volk ein berechtigtes Interesse nachweisen - und da reicht es nicht, dass das entsprechende Volk sagt: Ich will die Trennung. Vielmehr müssen Kriterien vorliegen, die einen Verbleib im Staatsgebiet als nicht mehr möglich erscheinen lassen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn Volksgruppen systematisch unterdrückt wurden und werden. Oder wenn akute Gewalt gegen Volksgruppen ausgeübt wird. Starke Verletzungen der Menschenrechte oder ähnliches.

Und genau da beginnt das Problem der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung - denn diese Form der Diskriminierung lässt sich kaum gegenüber dem modernen Spanien anbringen.

Tatsächlich gewährt Spanien den Katalanen sowohl Autonomierechte, als auch gleiche Rechte wie allen anderen Spaniern auch. Katalanen, die in Andalusien wohnen, werden keineswegs diskriminiert. Und sowohl die katalanische Kultur als auch Sprache werden durchaus geachtet!

Katalonien kann auch nicht geltend machen, dass es unzumutbar lange hingehalten wurde.....
Tatsächlich besteht die Autonomie Kataloniens schon seit 1978 - und nach einigen Verhandlungen wurde 2006 ein neuer Autonomievertrag verabschiedet, der auch heute die gemeinsame Rechtsgrundlage zwischen der Zentralregierung und Katalonien in weiten Teilen bildet!

Der neu verabschiedete Vertrag beinhaltete über 220 Einzelbestimmungen. Für diese gab es 2006 eine Mehrheit im spanischen Parlament - genauso wie im katalanischen Parlament.
Nach dem Wechsel der Regierungsmehrheit in Madrid kam eine Partei an die Macht, die ein Gegner des neuen Autonomievertrages war. Die neue Regierung hat ca. 50% der Bestimmungen dem Verfassungsgericht zur Prüfung vorgelegt. Das Verfassungsgericht hat dann 2010 entschieden, dass tatsächlich ca. 5% der Regularien des Autonomievertrages nicht der spanischen Verfassung entsprechen - und bei weiteren 10% der Regularien hat das Verfassungsgericht rechtliche Rahmenbedingungen definiert, wie diese zu interpretieren sind, damit sie mit der Verfassung Spaniens vereinbar sind.

Es ist nicht so, dass die Regularien von 2006 ausser Kraft gesetzt wurden - nur 5% sind nicht mehr in Kraft!

Die Autonomiebewegung in Katalonien hat dies allerdings zum Anlass genommen, um massiv für die Sezession zu werben. Wie das im politischen Geschäft so üblich ist, wurde dabei auch gerne mal argumentativ in die Populismuskiste gegriffen - und vor allem viel Stimmung gemacht. Dass die (aktuelle) Zentralregierung in Madrid gerne auch ausreichend Angriffsfläche geboten hat, sei nicht verschwiegen!

Dennoch - der Rechtsstaat ist zunächst auf Seiten der Zentralregierung in Madrid. Katalonien hat weder internationale Gerichtshöfe angerufen, um gegen unzumutbare Zustände Seitens der spanischen Zentralregierung rechtlich vorzugehen, noch hat sie erfolgreich vor dem spanischen Verfassungsgericht klagen können. Geklagt wurde viel - aber in aller Regel immer in Themenstellungen, bei denen man die Auseinandersetzung mit Madrid verdeutlichen konnte, und bei dem man nach gängiger Rechtslage sicher verloren hat, und dies aber gegenüber der eigenen Anhängerschaft immer wieder als Beispiel anführen konnte, dass Spanien Katalonien unterdrückt.....nicht auf der Ebene der Fakten, wohl aber auf der Ebene der Suche nach Stimmungen, Emotionen, Mehrheiten......

Das Referendum in Katalonien war nach spanischem Recht schlicht und einfach illegal.
Der Rest ein Selbstläufer. Eskalation und Emotion auf beiden Seiten.....bis hin zur Erklärung heute abend.


Schnell könnte man nun in Versuchung kommen, und den "Befreiungskämpfern" in Katalonien zurufen - "Ihr seid im Recht!" - allerdings nur bei unsachlicher emotionaler Sichtweise. Sachlich gesehen kommt man dann schnell argumentativ in schwierigkeiten, wenn irgendwo in der Welt eine Partei für ihre Mitglieder die Unabhängigkeit ausruft, oder vielleicht sogar Reichtsbürger die BRD nicht anerkennen.........

Man muss also schon sehr sorgfältig überlegen, wann und unter welchen Rahmenbedingungen man ein Volk als Volk anerkennt, dann das Recht auf Selbstbestimmung anwendet, und dann noch zulässt, dass sezessionistische Tendenzen die Oberhand gewinnen.

In Katalonien kann man derzeit nur wenige Argumente vorbringen, die überzeugen, dass man Katalonien in die Unabhängigkeit entlassen sollte. Es ist einem Volk das 2006 in einem übergeordneten Staatswesen eine Mehrheit für mehr Autonomierechte demorkraitsch organisieren konnte, durchaus zuzumuten, dass nach einer rechtlichen Prüfung einige Artikel für unwirksam erklärt werden. Es ist auch zuzumuten, dass diese nicht zeitnah durch andere Artikel ersetzt werden können, weil sich die demokratisch gewählten Mehrheiten geändert haben.

Ich erinnere nur mal daran, dass es statistisch relevant seit vielen Jahrzehnten in Deutschland eine gesellschaftliche Mehrheit gab, die sich gegen AKWs ausgesprochen hat. Trotzdem musste es diese Mehrheit aushalten, bis auch noch bei Wahlen die politischen Gesamtverhältnisse sich so verändert hatten, dass auch im Parlament eine Mehrheit für den Ausstieg aus der Kernernergie gefunden werden konnte. Der gesamte Prozess hat weitaus mehr als 30 Jahre gedauert - da kann man schon auch den Katalanen etwas mehr Zeit abverlangen.

Zumal - es ist keineswegs so, dass alle Katalanen für die Sezession wären! Das Abstimmungsergebnis des Referendums ist alles andere als Repräsentativ - abgestimmt haben vor allem die Sezessionsbefürworter - und insgesamt haben weit weniger als 50% der Bürger abgestimmt. Auch deshalb, weil vielen Bürgern klar war, dass die Abstimmung nicht mit spanischem Recht vereinbar ist.


Betrachtet man die Rechtslage ist auch klar, warum die EU sich für diese innerstaatliche Angelegenheit Spaniens nicht sonderlich zuständig fühlen will. Es liegt auch auf der Hand, dass die EU einem nach Sezession strebenden Volk Kataloniens nicht die Hand reicht, und es keinerlei Garantiern gibt, dass Katalonien nach einem Austritt aus Spanien eine irgendwie geartete Chance bekommt, in absehbarer Zeit in die EU eintreten zu können......

Wer heute die Erklräung der Regierung Kataloniens verfolgt hat, hat vielleicht auch die Rede der Oppositionsführerin genossen. Sprachlich brilliant hat sie die Schwächen der Sezessionsbewegung auseinandergenommen - und auch einmal mehr deutlich gemacht, dass diese auch und gerade deshalb so stark ist, weil mit populistischen Sprüchen in einem eigentlich ziemlich demokratischen Umfeld eine Stimmung geschaffen wurde, die es dennoch nicht schafft, überzeugende 7/8-Mehrheiten für eine Sezession in breiter Front zu organisieren.

Unterm Strich kann man der katalanischen Sezessionsbewegung zurufen: Ihr seid gescheitert - versucht doch statt dessen lieber, demorkatische Mehrheiten in Spanien für mehr Autonomie und Förderale Strukturen zu organisieren - und kämpft um Mehrheiten!
Der spanischen Zentralregierung kann man aber auch klar mitgeben, dass diese auch die Aufgabe hat, sich auf die förderalen Wünsche der regionalen Bewegungen soweit einzulassen, dass sie vermittelnd und ausgleichend einen passenden rechtlichen Rahmen gestaltet, der von möglichst vielen Bürgern aller Regionen als fair empfunden wird. In diesem Sinne hat die derzeitige Zentralregierung eher enttäuscht!

Nur - in einer Demokratie sind Mehrheiten veränderbar! Und das geht auch in Spanien / Madrid.

Unterm Strich hat Katalonien für mich damit kein Recht auf Sezession, nur weil es eine relevante Minderheit und vielleicht sogar regional eine kleine Mehrheit so will - dies allein reicht nicht! Katalonien muss bei so knappen Mehrheiten (wenn überhaupt) für eine Abspaltung immer auch Rechtssicherheit für alle anderen Regionen Spaniens garantieren - und mehr noch, vor allem nach Mehrheiten in Gesamtspanien suchen.

Eine Abspaltung wird international nur dann akzeptabel sein, wenn Katalonien klare rechtliche Verstöße von Madrid nachweisen kann, oder wenn Menschenrechte Seitens Madrid gegenüber den Katalanen nicht mehr angewendet würden. Doch derzeit ist eher das Gegenteil der Fall. Die Rechtsverstöße liegen auf Seiten der Katalanen - der sicherlich nicht angemessene Polizeieinsatz ist insofern auch vor allem die Folge der Rechtserstöße der katalansichen Regierung.


Das rechtfertigt die teilweisen brutalen Szenarien der spanischen Polizei im Zusammenhang mit dem Referendum nicht - aber umgekehrt wird das Referendum selbst keinen deut rechtlich sauberer, nur weil die Polizei Spaniens gegen ein illegales Referendum unangemesse vorgegangen ist.

Die Verfehlungen der Spanischen Polizei beim Referendum reichen bei Weitem nicht aus, um eine Sezession Kataloniens zu rechtfertigen!

Unterm Strich kann man nur hoffen, dass alle Beteiligten wieder zur vernunft kommen, und anfangen zu verhandeln.
Ein guter Weg könnte darin liegen, ein modifiziertes Autonomiestatut auf der Basis von 2006 wirksam werden zu lassen, welches die kritischen rechtlichen Fragestellungen des Verfassungsrechtis rechtlich sauber und nachhaltig beantwortet!

Das aber würde von beiden Seiten verlangen, dass man an einem Kompromiss interessiert ist.

Ist man das nicht - in einem demokratischen Land hat man immer auch die Möglichkeit, demokratisch um Mehrheiten zu kämpfen. Das müssen auch die Katalanen akzeptieren, wenn sie wirklich eine Veränderung ihrer Rechtsbeziehung zu Madrid wirksam durchsetzen wollen.

Ein Durchsetzen mit Gewalt ist in jedem Fall nicht hinnehmbar!


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#36

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 11.10.2017 06:16
von Archimedes | 148 Beiträge

Ich bin dafür, dass Beide an der Spitze ihren Platz räumen müssten. Das sind Provokateure der Spitzenklasse. Danach halte ich es für möglich, dass man vernünftig wird und sich an den Verhandlungstisch setzt. Ich schätze auf katalnischer Seite sickert so langsam durch, dass ein Herauslösen aus Spanien ein Ende der EU-Mitgliedschaft nach sich zieht und die Wirtschaft wohl kaum noch so florierend sein wird, wie bisher. Auf spanischer Seite hoffe ich mal, dass sich der Gedanke durchsetzt, dass man auch anders als mit Polizisten auf depperte Entscheidungen reagieren kann.


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#37

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 28.10.2017 18:52
von fjodorov (gelöscht)
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Nun ist es offiziell,Katalonien hat seine Unabhängigkeit erklärt.Ob das sinnvoll ist wage ich zu bezweifeln aber es ist Sache der Katalanen.Mich wundert nur die Haltung Deutschlands zu dieser Entscheidung.Ich erinnere daran,dass Deutschland der erste Staat war,welcher die Unabhängigkeit Sloweniens anerkannte noch vor allen anderen Staaten.Im Falle Kosovos setzte D sogar Waffengewalt im Rahmen der NATO ein um diesem ehemaligen Teil Serbiens zur Unabhängigkeit zu verhelfen.Eine rein provokatorische Frage auf die ich keine Antwort erwarte-wird Deutschland jetzt auch Katalonien anerkennen und eventuell Spanien bombardieren um den Katalanen zu helfen oder gelten hier wieder einmal unterschiedliche Maßstäbe?


"Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen"

Jean Jaurès (1859-1914)
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#38

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 28.10.2017 20:55
von Meridian | 2.857 Beiträge

@fjodorov

Spanien benachteiligt Katalonien bei weitem nicht so, wie Serbien (Jugoslawien) unter Milosevic die nicht-serbischen Gebieten immer mehr benachteiligte. Tito hat halt eben gewusst, wie man einen Vielvölkerstaat führt. Es wurde schon während der Tito-Zeit gemunkelt, dass nach Titos Tod Jugoslawien noch ca. 10 Jahre halten würde. Eine ziemlich gute Vorhersage.

Zu möglichen Interventionen Deutschlands in Spanien: Deine provokante Frage erinnert mich an den spanischen Bürgerkrieg, wo die deutsche Legion Condor für Franco Partei ergriffen hat. Franco hat Katalonien übrigens weit mehr benachteiligt, als es in Spanien derzeit geschieht. Dass es Katalonien nicht freigeben will, naja, um Barcelona ist Spaniens wichtigstes Wirtschaftszentrum.

Und dass Deutschland Katalonien nicht hilft, hat auch andere Gründe: Es würde nicht nur Spanien vor den Kopf stoßen, sondern auch Frankreich. Denn FR muss von Katalonien Gebietsansprüche befürchten. So ist die Region um Perpignan und um die französischen Ostpyrenäen ebenfalls katalanisch geprägt. Andorra wäre dann komplett von Katalonien umgeben; die derzeit spanische Exklave Llivia wäre ebenfalls katalanisch und keine Exklave mehr.

Spanien würde ein Katalonien übrigens nie akzeptieren, erst recht nicht in der EU. Katalonien kann allerdings mit einer Verkehrsblockade Spanien erheblich unter Druck setzen. Denn die wichtige Mittelmeerautobahn und eine wichtige Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke und Güterbahnlinie verlaufen durch Katalonien nach Frankreich. Wenn das Baskenland auch noch auf der Unabhängigkeitswelle reitet und ebenfalls die Atlantikautobahn und -bahnstrecke blockiert, ist Spanien weitgehend vom restlichen Europa abgeschnitten. Die weniger gut ausgebauten Transitrouten durch die Pyrenäen* können den Güterverkehr nie und nimmer verkraften. Die einzige, nicht stillgelegte Bahnlinie durch die Pyrenäen führt auch durch katalanisches Gebiet.


*Wenn Katalonien und Baskenland sich zusammentun und es schaffen, die gesamten Pyrenäen zu besetzen zwecks Errichtung einer gemeinsamen Grenze, wäre Spanien (und Portugal) komplett abgeschnitten.



zuletzt bearbeitet 28.10.2017 21:05 | nach oben springen

#39

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 28.10.2017 22:16
von fjodorov (gelöscht)
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Mein Thema war weniger die Sezession Kataloniens,die ich für falsch halte,sondern die gespaltene Zunge Deutschlands.Einerseits befürwortete man die Abspaltung des wirtschaftlich am besten entwickelten Teils Jugoslawiens,nämlich Sloweniens und Kroatiens in dem man diese beiden jugoslawischen Teilstaaten unmittelbar nach deren Unabhängigkeitserklärungen anerkannte.Damit befürwortete D den Zerfall Jugoslawiens.Noch schlimmer war der kriegerische Einsatz Deutschlands um mit der Bombardierung Serbiens das Kosovo zu einem selbständigen,wenn auch ohne ständige wirtschaftliche Unterstützung durch die EU,nicht lebensfähigen Staat zu machen.
Im Falle Spaniens drängt man dagegen auf die Einheit des Landes.Selbst wenn es Staaten gibt(und diese gibt es zuhauf) in denen Landesteile benachteiligt werden,sollte das nicht dazu führen,das von Drittstaaten Sezessionsbestrebungen gefördert werden.Wenn das das Kriterium wäre,dann müsste sich Deutschland energisch für die Abspaltung der Kurdengebiete in der Türkei einsetzen.Es ist keine stimmige Außenpolitik Deutschlands sich einmal für Sezessionen einzusetzen und dann wiederum an anderer Stelle diese abzulehnen.Darum ging es mir.


"Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen"

Jean Jaurès (1859-1914)
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#40

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 29.10.2017 07:56
von Findus (gelöscht)
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Mir scheint die Situation in Spanien auf nichts gutes hinaus zu laufen. Zu starr sind die Fronten dort.
Die Parteinahme der EU für Spanien tut ihr übriges um die Situation anzuheizen. Eine Vermittlung hätte anders ausgesehen.


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#41

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 29.10.2017 08:41
von Anthea | 12.385 Beiträge

Zitat von Findus im Beitrag #40
Mir scheint die Situation in Spanien auf nichts gutes hinaus zu laufen. Zu starr sind die Fronten dort.
Die Parteinahme der EU für Spanien tut ihr übriges um die Situation anzuheizen. Eine Vermittlung hätte anders ausgesehen.



Das sehe ich ähnlich. Es gibt irgendwie keine "sanften Töne", wie sie richtig wären, sondern lediglich der Art "Und bist du nicht willig...". Das erzeugt dann wieder Kontra-Stimmung "Jetzt erst recht..."


---


Jeder Tag ist der Anfang des Lebens. Jedes Leben ist der Anfang der Ewigkeit.
Rainer Maria Rilke


zuletzt bearbeitet 29.10.2017 08:41 | nach oben springen

#42

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 29.10.2017 09:11
von fjodorov (gelöscht)
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Die Sezessionsbestrebungen,die europaweit zu beobachten sind,sind ein Ergebnis der neoliberalen Ausrichtung des Kapitalismus.Sie hat zu einer gravierenden Umverteilung von unten nach oben geführt.Infolge dessen kommt es zu Verteilungskämpfen um die noch bei der Masse verbliebenen Mittel.Nicht von ungefähr sind es die wirtschaftlich entwickelten Gebiete die nach mehr Unabhängigkeit streben,weil die Menschen nicht mehr bereit sind zu teilen.


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Jean Jaurès (1859-1914)
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#43

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 29.10.2017 09:21
von Findus (gelöscht)
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Hälst du das für den Grund der katalanischen Unabhänigkeitsbestrebungen?


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#44

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 29.10.2017 09:25
von fjodorov (gelöscht)
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Eindeutig ja,Katalonien ist bekanntlich der entwickelste Teil Spaniens und die vorherrschende Meinung der Katalanen,die die Sezession befürworten ist der Unwille die schwächeren Teile Spaniens weiterhin zu unterstützen.


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#45

RE: Katalonien will unabhängig werden

in Europa 29.10.2017 11:13
von Meridian | 2.857 Beiträge

@fjodorov
Deutschland hat im Fall Jugoslawien etwas unterstützt, was sowieso nicht mehr aufzuhalten war. Jugoslawien war ein Kunststaat seit dem 1. Weltkrieg, dabei zunächst ein Königreich. Tito wusste nach dem 2. WK YU zusammenzuhalten, Milosevic hat zunehmend eine Politik wie "Serbien zuerst!" gemacht, wenn man es einmal frei nach Donald Trump interpretiert. Es ging also nicht nur um die wirtschaftlich stärksten Teilrepubliken.

Spanien gibt es jetzt seit Ende des 15. Jh. Nach der Reconquisita (Vertreibung der Mauren) waren auch die Königreich Kastilien (das "eigentliche" Spanien) und Aragon (spanisch- und katalanisch-sprachige Regionen) vereint. Es gibt weitere Regionen wie Galicien, Asturien, Navarra und das Baskenland, die teilweise autonomen Status genießen. Das sind die Nordprovinzen, die aus teilweise sehr alten Königreichen hervorgegangen sind. Sie waren nie oder nur kurzzeitig unter maurischer Herrschaft und haben deswegen eine längere Geschichte als Zentralspanien. Nach wie vor sind deren eigene Sprachen als Amtssprache akzeptiert.

Und zu den vielen Amtssprachen in Spanien: Natürlich ist die Amtssprache Spanisch. Doch es gibt auch regionale Amtssprachen:

Aragonesisch
Aranesisch
Asturisch
Baskisch
Galicisch
Katalanisch

Mit Ausnahme des Baskischen (eine völlig fremde Sprache, die mit keiner anderen europäischen Sprache eine Gemeinsamkeit hat) unterscheiden sich die anderen Sprachen vom Spanischen nicht stärker als z.B. bayrisch oder schwäbisch vom Hochdeutschen. Dialekte sind in Spanien nicht üblich. Vielmehr werden sie gleich als eigene Sprache gesehen.

Nichtsdestotrotz ist Spanien ein deutlich mehr gefestigter Staat, als es Jugoslawien jemals war.

Warum Deutschland nicht interveniert wie im Fall SLO und HR? Eigentlich ist es noch nicht soweit. DE hat doch erst interveniert, als die jugoslawische Armee mit militärischen Aktionen begonnen hat. Erst dann hat damals Genscher gedroht, SLO und HR anzuerkennen. Später hat er es verwirklicht. In Katalonien gar es zwar einen unnötig harten Polizeieinsatz, aber bislang hält sich das spanische Militär zurück.

Weitere Grund könnte sein: Die damalige Unabhängigkeitsbewegungen in YU fanden damals außerhalb der EU statt, die jetzigen Bestrebungen in Katalonien innerhalb der EU. Das hätte erhebliche Verschiebungen auf den Wirtschaftshaushalt zur Folge. Würde CAT tatsächlich unabhängig und erst einmal nicht in der EU, würde Deutschland noch mehr zum Geberland, weil ja der EU eine wirtschaftlich starke Region verloren ginge. CAT würde bestimmt in die EU wollen, aber Restspanien würde das verhindern, und es könnte zu Verkehrsblockaden (s. meinen vorigen Beitrag) kommen. Weitere Verarmung und Kriegsgefahr wären die Folge.

Vielleicht ist es auch ein Lerneffekt: DE unterstützt Unabhängigkeitsbestrebungen allgemein nicht mehr so sehr wie noch in den 90er-Jahren, weil man damit auch leichtfertig Kriegen noch Dynamik gibt (egal ob gewollt oder nicht). DE war 1990 gerade vereint und musste seine neue Rolle erst finden. Nachdem der Sozialismus in den ehemaligen Ostblockstaaten zusammengebrochen war, war er in YU noch vorhanden. Ich denke, DE hat auch deswegen die Unabhängigkeitsbestrebungen von SLO und HR gefördert, weil diese weg vom Sozialismus wollten.

Ich will die weder die deutsche Haltung während des Zerfalls von YU rechtfertigen oder kritisieren. Ich will auf die Unterschiede zw. YU und ES hinweisen.

Zu deiner Behauptung, dass die Menschen immer weniger bereit sind zu teilen und deswegen v.a. reiche Regionen unabhängig werden wollen, um ärmere Regionen nicht mehr zu finanzieren: Ja das stimmt zum Teil, aber nur zum Teil. Im Fall Norditalien, Katalonien und Flandern ist das nicht falsch. Aber oft kommen noch andere Gründe hinzu: Kataloniens Demütigung durch Franco, bei Flandern der Fakt, dass Flandern bis ins frühe 20. Jh vom damals reicheren Wallonien unterdrückt wurde und diese beiden Völker sich bis heute nicht mögen (außer, dass beide den belgischen König achten, was der einzige Grund ist, dass Belgien nicht zerfällt). Im Fall Norditalien ist es der Fakt, dass Italien als Staat erst seit 1861 existiert, also lange nicht so gefestigt ist wie Spanien.

Ein Sonderstatus ist Südtirol: Bestrebungen nach Unabhängigkeit gibt es natürlich, weil es sich um eine deutschsprachige Region handelt, aber sie sind derzeit schwach. Dass Südtirol derzeit die wohlhabendste Region Italiens ist, ist hier weniger relevant. Die Südtiroler haben gewissen Autonomiestatus und arrangieren sich mit den Italienern. Es gibt Bündnisse mit dem österreichischen Teil von Tirol. Ein unabhängiges Tirol, losgelöst von Italien und Österreich, fordern aber nur die wenigsten.

Schottland will auch unabhängig werden, aber es ist nicht reicher als der Durchschnitt von Großbritannien. Das Gleiche gilt für Korsika. Es ist sogar eher ärmer als das durchschnittliche Frankreich. Pegida hat zeitweise sogar einen Säxit gefordert. Sachsen ist nicht das reichste Bundesland Deutschlands. An diesen Beispielen will ich sagen, dass es bei den Unabhängigkeitsbestrebungen nicht nur um das Geld gebt.


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