#1

Werden Wahlen immer uninteressanter?

in Parteien - kritisch betrachtet 15.05.2023 21:07
von Meridian | 2.869 Beiträge

Spätestens seit der Ukraine-Krise scheint das so, aber auch während Corona scheinen Wahlen (mit Ausnahme der Bundestagswahl 2021) immer uninteressanter zu werden.

Bestimmt kommt neben den globalen Themen auch noch ein zunehmendes Desinteresse an den Parteien, die außer der AfD und vielleicht noch den Linken mehr oder weniger in die Kategorie "ist doch eh egal, was man wählt, kommt eh das Gleiche raus" kommen.

Dass die Bremenwahl kaum noch Schlagzeilen macht, kann noch begründet werden, dass so mancher Oberbürgermeister mehr Wahlberechtigte hat als der in Bremen, aber dafür kein Bundesland regiert. Dennoch hat diese Wahl ein paar Überraschungen:

https://www.wahlrecht.de/news/2023/buerg...-hochrechnungen

1. Die Auszählung dauert für so ein kleines Bundesland sehr lange, erst heute gegen 14h gab es ein Ergebnis.

2. Der Ausschluss der AfD brachte nichts. Die BiW (Bürger in Wut) holten mehr als AfD und BiW zusammen bei der Wahl 2019 (Obwohl die damals BiW nur 2-3% holte, waren sie im Landtag vertreten, denn Voraussetzung ist die 5%-Hürde in der Stadt Bremen oder in Bremerhaven. In letzterer waren schon seit den 2000ern rechte Parteien vertreten, angefangen mit der DVU).

3. Die SPD kann doch noch Wahlen gewinnen und ist wieder stärkste Partei, obwohl (oder weil?) sie ein R2G-Bündnis geführt hat. Die Grünen haben dafür verloren, was die SPD gewonnen hat.

4. Die Linken haben ihr Ergebnis gegen den Trend fast halten können und damit die Mehrheit von R2G bestätigt. Ob die Grünen allerdings das fortsetzen wollen, ist eine andere Frage.

Fazit: Bremen ist und bleibt eigen. Ansonsten zeigt auch Bremen, dass die AfD (oder ihr Ersatz) schleichend weiter zunimmt. Man sollte so langsam die Ursachen, warum die AfD zulegt, ernst nehmen. Ich kenne auch hier in NRW immer mehr Leute, die die Wahl der AfD erwägen, nicht als Rechte, sondern weil sie den etablierten Parteien nicht mehr trauen.


Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.
(Benjamin Franklin)
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#2

RE: Werden Wahlen immer uninteressanter?

in Parteien - kritisch betrachtet 15.05.2023 21:31
von Findus | 2.522 Beiträge

Zitat von Meridian im Beitrag #1
1. Die Auszählung dauert für so ein kleines Bundesland sehr lange, erst heute gegen 14h gab es ein Ergebnis.


Das ist keine Überraschung. In Bremen darfst du kummulieren und panaschieren. Somit auch mehrere Stimmen vergeben. Wenn jeder sein Parlament de Luxe wählt, dauert das auszählen bekanntlich. In anderen Bundesländern durchaus auch von Kommunalwahlen bekannt.


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#3

RE: Werden Wahlen immer uninteressanter?

in Parteien - kritisch betrachtet 15.05.2023 21:36
von Dr. Yes | 1.360 Beiträge

Tja, wann ist eine Wahl interessant? Gemessen an den letzten Wahlen war die Wahlbeteiligung durchschnittlich. Witzigerweise war die Wahlbeteiligung höher, als man im Wesentlichen nur zwischen drei etablierten Parteien wählen konnte.

Dass sich die Rechten in Bremen eine Alternative suchen würden, nachdem sich die AfD selbst ein Bein gestellt hat, war zu erwarten. "Wut" als Parteiprogramm macht mich allerdings eher ratlos.

Die Auszählung in Bremen wird erst Mittwoch abgeschlossen sein. Ist ganz normal bei Wahlen, bei denen man panaschieren und kumulieren darf.


Ще не вмерла України і слава, і воля
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#4

RE: Werden Wahlen immer uninteressanter?

in Parteien - kritisch betrachtet 15.05.2023 21:40
von Findus | 2.522 Beiträge

Bremen ist für die Linkspartei die Möglichkeit sich zu erneuern, mit einem sachorientierten Gegenmodell zu Wagenknecht. Schon so manche Innovation wie der erste Einzug in ein westdeutsches Parlament oder die erste Regierungsbeteiligung in einem westdeutschen Bundesland haben die Linkspartei den Bremern zu verdanken.
Ein bisschen ist das wie Bayern für die CSU.



zuletzt bearbeitet 15.05.2023 21:40 | nach oben springen

#5

RE: Werden Wahlen immer uninteressanter?

in Parteien - kritisch betrachtet 15.05.2023 21:41
von Findus | 2.522 Beiträge

PS: Einziger Linker Landesverband, der sich für Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen hat.


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#6

RE: Werden Wahlen immer uninteressanter?

in Parteien - kritisch betrachtet 16.05.2023 09:30
von Anthea | 12.430 Beiträge

Zitat von Dr. Yes im Beitrag #3
"Wut" als Parteiprogramm macht mich allerdings eher ratlos.



Der Parteiname ist aus meiner Sicht sehr geschickt gewählt. Da fällt eine Identifizierung manchem Wähler nicht schwer. Denn irgendetwas macht mehr oder weniger jeden wütend. Und das Wort "Bürger" verleiht dem Ganzen dazu noch einen seriösen Anstrich. Da fühlt sich der "gemeine Bürger" direkt verstanden...

Was mich "wütend" macht - um mal diesen Begriff aufzugreifen - ist allerdings die Tatsache, dass trotz der heutigen Möglichkeiten intensiver Bildungs- und Wissensaneignung viele Menschen sich immer noch einen "Vorturner" suchen. Also einen, der geschickt und gewandt genug ist, die Leute einzulullen, zu indoktrinieren mit Lügen und Halbwahrheiten, und eine Marschrichtung vorzugeben nach eigenem Gusto. Und immer noch schreien so viele im Chor und meinen, dass "so viele doch nicht irren können". "Wollt ihr..."
So bleibt weiterhin eine traurige Wahrheit, dass "Irren menschlich ist".
Aber "Irren" artet auch oft aus.
Und wie immer dann ein Fazit: Das haben wir nicht gewusst...
Und die Moral von der Geschicht? "Mea culpa bei den Gräbern vieler Toter. Aber das nutzt diesen dann auch nichts mehr!

Tod im Krieg erleiden zu müssen ist unmenschlich.

Fein beobachten, WEM man durch einen Wahlsieg Macht verleiht ist wichtig. Aber irgendwie entsteht bei vielen Menschen der Eindruck, dass alle Kandidaten mehr oder weniger aus einem Holz geschnitzt sind...

---


Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.
Mahatma Gandhi


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#7

RE: Werden Wahlen immer uninteressanter?

in Parteien - kritisch betrachtet 27.08.2023 12:16
von denker_1 | 1.598 Beiträge

Gar keine Parteien mehr wählen. Alle werden konservativ, reaktionär und konterrevolutionär, wenn deren Machtposition erst mal sicher ist. Dann interessiert sich keiner der Mächtigen mehr für die Nöte ihrer UNtertanen, mehr sind wir Bürger für dieses Bonzenpack nicht.

Es braucht wirkliche Volksvertreter, die auch bei Fehltritten sofort abgesetzt werden können, egal was sie da falsch gemacht haben, ganz genau so absetzbar wie einstinknormaler Arbeitnehmer in der Probezeit.



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