#31

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 17.07.2017 00:04
von Meridian | 2.866 Beiträge

Es wäre schon ein Fortschritt, wenn Hartz4 so reformiert würde, wie Peter Hartz (und auch rot-grün) es ursprünglich wollte: nämlich einen H4-Grundsatz von 511€ (umgesetzt wurden 359€, jetzt 405€).

Peter Hartz - Interview

Wenn man den Inflationsausgleich berücksichtigt, dann müsste er inzwischen bei über 550€ liegen. Das ist mehr als bis vor kurzem die Forderung der Linken mit 500€. Inzwischen verlegen sich die Linken aber aufs bGE von 1050€. Da sind aber Miete und andere Zusatzkosten bereits enthalten. In München bei den dortigen Mietpreisen kommt man da nicht unbedingt besser weg als unter H4.

Ansonsten habe ich zum bGE durchaus meine Vorstellungen: Wenn es hoch genug ist (z.B. 1000€; diese Zahl geisterte bei der Jamaika-Koalition), dann könnte das auch das Rentenproblem lösen. BGE und Rente kann man ja theoretisch gleichsetzen. Es steht jedem frei, in eine private Rente zu zahlen, oder jedem Betrieb steht es frei, eine Betriebsrente anzubieten. Das Renteneintrittalter würde übrigens wegfallen. Vielleicht sollte man Auszahlungen aus Betriebs- und privater Rentenvorsorge gar nicht mehr als Rente bezeichnen, sondern als Überbrückungsgeld, wenn man nicht arbeitet. Ich sehe sogar die Möglichkeit, das Leben individueller zu gestalten. Manche wollen vielleicht mit 40-50 Jahren eine längere Arbeitspause machen aus welchem Grund auch immer. Da können sie sich das Überbrückungsgeld (teil-)auszahlen lassen, um etwas mehr Geld verfügbar zu haben als das bGE. Und viele sind auch jenseits der 65 Jahre immer noch in guter Form und wollen gerne arbeiten.


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#32

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 17.07.2017 09:25
von Anthea | 12.418 Beiträge

Zitat von Luftdrache im Beitrag #30
Ich glaube nein. Die Diskussion enthält durchaus viele andere Komponenten als die Frage nach der "Bedingungslosigkeit", was nicht automatisch mit sanktionsfrei gleichzusetzen ist.



Ich habe jetzt darüber nachgegrübelt, was für "Sanktionen" es denn geben könnte?
"Bedingungslos" beim bGE meint ja nun, dass "nicht weiter hingeschaut wird" - egal wohin - sondern dass das Geld "voraussetzungslos" (um ein anderes Wort zu gebrauchen) ausbezahlt wird.
Gerade dieser bürokratische Kram mit Auflagen und Sanktionen würde ja entfallen.


Will man einen Freund haben, so muss man auch für ihn Krieg führen wollen: und um Krieg zu führen, muss man Feind sein können. Friedrich Wilhelm Nietzsche
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#33

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 17.07.2017 11:57
von Luftdrache (gelöscht)
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Zitat von Meridian im Beitrag #31
Es wäre schon ein Fortschritt, wenn Hartz4 so reformiert würde, wie Peter Hartz (und auch rot-grün) es ursprünglich wollte: nämlich einen H4-Grundsatz von 511€ (umgesetzt wurden 359€, jetzt 405€).


Es sollte nicht vergessen werden, dass nicht nur die finanziellen Leistungen ursprünglich anders gedacht waren. Dem Druck jede zumutbare Arbeit anzunehmen sollte ursprünglich auch Zeit und Möglichkeit für ein individuelles Coaching gegenüberstehen.

Zitat
Wenn man den Inflationsausgleich berücksichtigt, dann müsste er inzwischen bei über 550€ liegen. Das ist mehr als bis vor kurzem die Forderung der Linken mit 500€. Inzwischen verlegen sich die Linken aber aufs bGE von 1050€. Da sind aber Miete und andere Zusatzkosten bereits enthalten. In München bei den dortigen Mietpreisen kommt man da nicht unbedingt besser weg als unter H4.



Da z.B. ist ein Problem des bGE. Es sind da durchaus einige Ungerechtigkeiten im bGE inbegriffen.

Zitat

Ansonsten habe ich zum bGE durchaus meine Vorstellungen: Wenn es hoch genug ist (z.B. 1000€; diese Zahl geisterte bei der Jamaika-Koalition), dann könnte das auch das Rentenproblem lösen. BGE und Rente kann man ja theoretisch gleichsetzen.



Da bekommst du ein grundsätzliches Problem. Die Rente ist eine Versicherungsleistung, auf die ein Rechtsanspruch aufgrund Einzahlung von Beiträgen besteht. Es läuft letztlich zwangsläufig auf das Modell bGE + Rente hinaus.
Einen Wechsel in der Systematik der sozialen Absicherung bekämst du nur für die Generation hin, die noch nicht richtig im Arbeitsleben steht. Also z.B. alle Personen, die heute unter 20 sind. Ob die das wollen? Das ist nicht mehr die Generation, die die Idee bGE trägt.
Zum anderen würden eine bessere Altersabsicherung damit letztlich privatisiert. Ein Geschäftszweig für die Versicherungskonzerne.
Wir sollten beim bGE realisitisch sein: Eine Grunsicherung könnte es leisten, wenn sämtliche offenen Fragen um das bGE zu klären sind. Es wird allerdings nie ein Instrument sein, soziale Ungleichheit zu verhindern!

Zitat
jedem Betrieb steht es frei, eine Betriebsrente anzubieten.



Womit du letztlich die Unterschiede zwischen den Betrieben auch nicht aufhebst. Nicht jeder Betrieb wird so ein Angebot machen.

Zitat
Das Renteneintrittalter würde übrigens wegfallen.



Übersetzt: Die Jugend kommt im Beruf nicht mehr voran, da "Platzhirsche" einen Aufstieg verhindern.

Zitat
Vielleicht sollte man Auszahlungen aus Betriebs- und privater Rentenvorsorge gar nicht mehr als Rente bezeichnen, sondern als Überbrückungsgeld, wenn man nicht arbeitet. Ich sehe sogar die Möglichkeit, das Leben individueller zu gestalten. Manche wollen vielleicht mit 40-50 Jahren eine längere Arbeitspause machen aus welchem Grund auch immer. Da können sie sich das Überbrückungsgeld (teil-)auszahlen lassen, um etwas mehr Geld verfügbar zu haben als das bGE.



Warum jetzt eine zusätzliche und nun wirklich klientelbezogene Leistung, wo doch das bGE alles absichern soll? Da wird die Idee bGE inkonsistent. Und warum die Bevorzugung einer einzigen Altersgruppe?



zuletzt bearbeitet 17.07.2017 11:57 | nach oben springen

#34

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 17.07.2017 12:04
von Luftdrache (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #32

Ich habe jetzt darüber nachgegrübelt, was für "Sanktionen" es denn geben könnte?
"Bedingungslos" beim bGE meint ja nun, dass "nicht weiter hingeschaut wird" - egal wohin - sondern dass das Geld "voraussetzungslos" (um ein anderes Wort zu gebrauchen) ausbezahlt wird.
Gerade dieser bürokratische Kram mit Auflagen und Sanktionen würde ja entfallen.


Das ist die Frage, wie ein bGE umgesetzt würde. Bedingungslos könnte politisch auch heißen "ohne Anspruchsprüfung". Sanktionen schließt das nicht von vorne herein aus.


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#35

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 17.07.2017 12:11
von denker_1 | 1.598 Beiträge

Ich will es bedingungslos. Oder JEDE Arbeit, wirklich JEDE mit mindestens 5000€ NETTO / Monat bezahlt. Und dazu Vollbeschäftigung noch obendrauf. Alles bei HEUTIGER Euro Kaufkraft!


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#36

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 17.07.2017 13:10
von Luftdrache (gelöscht)
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Zitat von denker_1 im Beitrag #35
Ich will es bedingungslos. Oder JEDE Arbeit, wirklich JEDE mit mindestens 5000€ NETTO / Monat bezahlt. Und dazu Vollbeschäftigung noch obendrauf. Alles bei HEUTIGER Euro Kaufkraft!


Dann heißt die allererste Detailfrage: Wie finanzierst du das? Das ist etwas, wo ich wirklich gerne Zahlen sehen würde, um das Modell überprüfen zu können. Bisher hat noch niemand im Detail Zahlen geliefert.


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#37

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 17.07.2017 14:20
von Luftdrache (gelöscht)
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Oder um einmal eine Summe zu bringen:
bGE für 81.410.000 Einwohner a 5.000,- € würde eine zu finanzierende Summe von 407.050.000.000 im Monat betragen. Macht im Jahr insgesamt: 4.884.600.000.000,- €. Die Summe wäre deutlich größer als der komplette jetzige Bundeshaushalt.

Wenn ein Zuschuss zur Krankenversicherung dazu kommen sollte, kämen 81.410.000 mal ca. 250 pro Monat = 244.230.000.000,- € dazu.



zuletzt bearbeitet 17.07.2017 14:21 | nach oben springen

#38

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 17.07.2017 19:45
von Meridian | 2.866 Beiträge

Bei 5000€ bGE wird es automatisch eine starke Teuerung geben, so dass 5000€ auf die Kaufkraft von vermutlich 1000-1500€ nach jetzigem Preisniveau fallen wird. das würde allerdings auch die Verschuldung harmloser machen. Inflation entwertet nicht nur Geldvermögen, sondern eben auch Schulden. Ich habe zwar nichts gegen ein bGE, aber genau aus diesem Grund sollte es nicht zu hoch sein. Bei einer Umstellung auf 50% Mehrwertsteuer werden ohnehin Produkte teurer. Dienstleistungen dürften hingegen billiger werden, da bei bGE der Zusatzlohn für Arbeit niedriger sein wird als der derzeitige Lohn und darüber hinaus ja die Sozialabgaben für Arbeitgeber wegfallen.

Ich frage mich sogar, ob durch die Einführung eines bGE (egal wie hoch) sowieso die Kaufkraft sich automatisch so einstellt, dass es ungefähr dem Hartz4-Niveau entsprechen würde. Ich hoffe, dass ich mit dieser These unrecht habe. Vielleicht können solche mit Kenntnissen zu Finanzen und Volkswirtschaft mehr dazu sagen.



zuletzt bearbeitet 17.07.2017 19:47 | nach oben springen

#39

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 18.07.2017 14:56
von Meridian | 2.866 Beiträge

Es kam am Anfang dieses Strangs die Frage auf, welche Zielführung meine Eröffnung haben soll.

Meine Antwort: Keine besondere, sondern, dass diskutiert wird. Und offenbar besteht Bedarf.

Meine Zielführung ist nicht, Migranten in eine bestimmte Ecke zu stellen. Probleme von Migranten deswegen sollen aber deswegen nicht totgeschwiegen werden.


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#40

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 18.07.2017 15:05
von Luftdrache (gelöscht)
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Bist du im richtigen Thema?


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#41

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 18.07.2017 16:03
von Meridian | 2.866 Beiträge

Nein, Beitrag im falschen Thema geschrieben. Wer auch moderiert, kann meinen vorigen Beitrag hier löschen.


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#42

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 18.07.2017 20:03
von denker_1 | 1.598 Beiträge

Dieses Peter Hartz Interview kommt mir vor, wie, es war ja gut gedacht, aber schlecht umgesetzt.

Wie:
Das Chistentum war ja vom Urheber als was segensreiches gedacht, aber die schlechten Menschen haben ein Unterdrückungssystem draus gemacht.

Lenin und Stalin hatten ja was gutes gewollt aber nicht gut umgesetzt.

Nein, so kommt der Herr Hartz bei mir nicht davon. Der hat selber 25.000,00€/Monat zur Verfügung. Da kann der schön Moral predigen!

Der sollte mal von 359€ leben, ohne Rückversicherung mit Vermögen auf der Bank!!! Und natürlich ALLE Auflagen peinlichst genau erfüllen. Den Antrag peinlichst korrekt ausfüllen!


.



zuletzt bearbeitet 18.07.2017 20:04 | nach oben springen

#43

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 31.07.2017 07:49
von Meridian | 2.866 Beiträge

@denker

Als Peter Hartz4-Entwurf "in den Ring" geworfen wurde (also in den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat), hatte er keinen Einfluss mehr darauf. Zuvor hat die rot-grüne Mehrheit des Bundestages ihn noch abgesegnet, und zwar nach dem ursprünglichen Konzept u.a. mit 511€ pro Monat. Schwarz-gelb hat im Bundesrat das Konzept erheblich verschärft und pervertiert. Rot-grün kann man vorwerfen, mitgemacht zu haben anstatt die Notbremse gezogen zu haben mit den Worten "Dann wird halt eben gar nichts beschlossen, und es bleibt bei der alten Arbeitslosen- und Sozialhilferegelung".


Zum bGE noch 2 Artikel:

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/da...t/20123620.html

http://www.huffingtonpost.de/2017/07/18/...n_17518562.html

Es scheint sich zu bestätigen, dass die meisten Menschen mit bGE weiterhin arbeiten außer 1-2%. Aber egal unter welcher Gesellschaft: Es gab schon immer einen gewissen Prozentsatz, der sich durchfüttern ließ und lässt. Vermutlich war und ist der sogar höher als 1-2%. Im Mittelalter gab es Städte mit Bettleranteilen von bis zu 50% (!).

Noch etwas: Fürs bGE sind Linke und Neoliberale, dagegen ist die SPD. Das könnte noch ihr Untergang werden. Die SPD hängt immer noch am klassischen Arbeiter, den es so nicht mehr gibt. Die Linke hat genau das immerhin erkannt.


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#44

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 20.08.2017 12:08
von Meridian | 2.866 Beiträge

Noch etwas zum bGE:

Immer mehr Wahlplakate sieht man, darunter von einer Partei namens DM - Deutsche Mitte (nein, nicht der bekannte Drogeriemarkt, aber die Währung mit derselben Abkürzung will sie wieder zurück). Ich habe deren Programm gelesen, und das ist immerhin hochinteressant. Sie bedient sich linker, aber auch rechter Themen. Zum einen strebt sie das bGE an, andererseits will sie aus dem Euro raus, ggf. auch aus der EU. Aus der NATO will sie auch raus, wenn sie sich nicht innerhalb von 2 Jahren zu einem reinen Verteidigungsbündnis ändert. Flüchtlinge will sie begrenzen, allerdings an die Ursachen für die Flüchtlingsströme ernsthaft herangehen (Die AfD will nur ersteres). Eine Dienstpflicht will die Partei wieder einführen, wenn auch nicht zwangsweise Wehrdienst. Vielleicht kann man DM als links-national bezeichnen (aber keineswegs nationalistisch).

Ein jeder möge sich selber eine Meinung darüber bilden:

https://deutsche-mitte.de

Auf jeden Fall sind gute Ansätze vorhanden, v.a. in der Wirtschaft-, Umwelt und Sozialpolitik. Ob diese Partei überhaupt eine Chance hat, ist hingegen fraglich, noch dazu, dass sie nicht in allen Bundesländern antritt. Ich glaube, sie kann froh sein, wenn sie die 0,5%-Hürde knackt. Ab diesem Betrag erhält sie Wahlkampfkostenerstattung.



zuletzt bearbeitet 20.08.2017 12:09 | nach oben springen

#45

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 20.08.2017 15:24
von Anthea | 12.418 Beiträge

Zitat von Meridian im Beitrag #44
Auf jeden Fall sind gute Ansätze vorhanden, v.a. in der Wirtschaft-, Umwelt und Sozialpolitik. Ob diese Partei überhaupt eine Chance hat, ist hingegen fraglich, noch dazu, dass sie nicht in allen Bundesländern antritt. Ich glaube, sie kann froh sein, wenn sie die 0,5%-Hürde knackt. Ab diesem Betrag erhält sie Wahlkampfkostenerstattung.



Ich habe gerade das Kurzprogramm gelesen und dort wirklich gute Vorstellungen und Absichtserklärungen gefunden. Ja, wenn das mal alles so einfach wäre für Newcomer auf der politischen Bühne nach oben zu kommen.
Das ist das Problem im System: Die Etablierten achten darauf, dass niemand an ihrem "Stuhlbein" sägt. Sprich: Konkurrenz nicht erwünscht.


Die Ewigkeit bewahrt nur die Liebe, weil sie von gleicher Natur ist.
Khalil Gibran


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