#16

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 28.06.2017 20:46
von Anthea | 12.276 Beiträge

Zitat von Luftdrache im Beitrag #12
Ich nerve mal mit einer Detailfrage: Es wurde bereits festgestellt, dass die Regelsätze für Kinder absolut nicht reichen, den realen Lebensbedarf zu decken. Till schlägt ein bGE auf Niveau der heutigen Grundsicherung vor. Kindergeld und alles gibt es dann ja auch nicht mehr. Wer deckt die zusätzlich für Familien entstandene finanzielle Lücke?


Es gibt keine finanzielle Lücke.
Nur so viel: Es gibt diese bGE für alle Familienmitglieder.
Wenn man von 800 Euro für einen Erwachsenen ausgeht und 500 Euro für Kinder, dann beträgt das Familieneinkommen bei einem 4-Personenhaushalt 2.600 Euro netto.
Alles darüber Hinausgehende, dass durch Arbeit erwirtschaftet wird, ist quasi Aufbau von "Vermögen".


"Welch triste Epoche, in der es leichter ist, ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil!"
Albert Einstein
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#17

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 28.06.2017 20:48
von Luftdrache (gelöscht)
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Zitat von Till im Beitrag #15
Gar nichts. Aber jeder hat nun mal u.U. Anspruch auf Grundsicherung. Ob diese Grundsicherung ausreichend ist, ist eine andere Diskussion. Und das Kindergeld wird ja heute schon fast bedingungslos gezahlt.


Die Frage ist hier, ab wann ein bGE überhaupt ausreichend wäre.


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#18

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 28.06.2017 20:49
von Till (gelöscht)
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Zitat
Wenn man von 800 Euro für einen Erwachsenen ausgeht und 500 Euro für Kinder, dann beträgt das Familieneinkommen bei einem 4-Personenhaushalt 2.600 Euro netto.

Und das halte ich für utopisch. Denn 2600 Euro netto Familieneinkommen sind eine Größenordnung, die so manchen dazu verleitet, sich auf Kosten der Allgemeinheit einen faulen Lenz zu machen.



zuletzt bearbeitet 28.06.2017 20:49 | nach oben springen

#19

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 28.06.2017 20:51
von Luftdrache (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #16

Es gibt keine finanzielle Lücke.
Nur so viel: Es gibt diese bGE für alle Familienmitglieder.
Wenn man von 800 Euro für einen Erwachsenen ausgeht und 500 Euro für Kinder, dann beträgt das Familieneinkommen bei einem 4-Personenhaushalt 2.600 Euro netto.
Alles darüber Hinausgehende, dass durch Arbeit erwirtschaftet wird, ist quasi Aufbau von "Vermögen".


Die gleiche Frage würde ich bei der Grundsicherung hinsichtlich der Regelsätze stellen. Hier aber stelle ich sie eben zum bGE - ist aus meiner Sicht im Prinzip die selbe Frage, egal auf welches Sicherungssystem ich sie anwende: Womit begründest du diese künstliche und subjektive Unterteilung der bGE-Regelsätze? Ist das nicht eine Art von Altersdiskriminierung der Jugend?

Eine Struktur sozialer Ungleichheit.



zuletzt bearbeitet 28.06.2017 20:52 | nach oben springen

#20

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 28.06.2017 20:54
von Anthea | 12.276 Beiträge

Ich war da auch immer schon skeptisch, habe mich allerdings damals intensiv damit beschäftigt.
Ich werde dazu noch versuchen, Unterlagen zu finden. War eigentlich ein fähiger Kopf, der das mir vorliegende Modell ausgearbeitet hatte. Nach Milton Friedmann.
Im Übrigen kämen noch 150 €/Kopf für KV dazu, also 600 Euro. Alle anderen Zahlungen würden entfallen.


"Welch triste Epoche, in der es leichter ist, ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil!"
Albert Einstein
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#21

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 28.06.2017 20:54
von Luftdrache (gelöscht)
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Zitat von Till im Beitrag #18

Zitat
Wenn man von 800 Euro für einen Erwachsenen ausgeht und 500 Euro für Kinder, dann beträgt das Familieneinkommen bei einem 4-Personenhaushalt 2.600 Euro netto.
Und das halte ich für utopisch. Denn 2600 Euro netto Familieneinkommen sind eine Größenordnung, die so manchen dazu verleitet, sich auf Kosten der Allgemeinheit einen faulen Lenz zu machen.



Wo ist dann aber noch der Vorteil des bGE, wirklich frei zu sein und entscheiden zu können?
Ein bGE müsste heißen zu akzeptieren, dass wir genügend Wohlstand haben es uns auch zu leisten, dass Menschen nicht arbeiten, wenn sie nicht möchten. Nur mit einer entsprechend toleranten und neidfreien Haltung könnte ein bGE funtkionieren.



zuletzt bearbeitet 28.06.2017 20:56 | nach oben springen

#22

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 28.06.2017 20:59
von Till (gelöscht)
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Ich bin ja auch kein Verfechter des bGE, allenfalls eines "bGE light".


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#23

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 28.06.2017 21:05
von Luftdrache (gelöscht)
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Zitat von Till im Beitrag #22
Ich bin ja auch kein Verfechter des bGE, allenfalls eines "bGE light".


Die Variante habe ich noch nicht gehört. Ok...
Aber nur mal so zum Verständnis: Wie willst du auch eine light-Form bGE machen, ohne passende Haltung der Menschen? In gewissem Sinne ist diese Idee schräger als die positive Utopie eines wirklich gänzlich bedingungslosen und auskömmlichen Grundeinkommens?
Ist nicht bös gemeint, aber mir kommen gerade eher mehr als eben noch.


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#24

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 29.06.2017 12:01
von Anthea | 12.276 Beiträge

Hier mal weitere Ausführungen aus dem mir vorliegenden Modell. Bitte mich nicht dazu im Detail befragen, da ich aufgrund der Tatsache, keine Ökonomin oder Volkswirtschaftlerin o.ä. bin, passen müsste.
Ich habe das Ganze rein aus der Sicht der Menschen gesehen. Nach dem Motto: Alle sollten besser leben.

Es soll ein sozialer Ausgleich und eine Grundsicherung erfolgen. Eine wirtschaftlich sinnvolle Gestaltung wird den Anreiz geben, mitzuarbeiten und mitzugestalten. Es sind 50% Einkommensteuer angedacht, von denen Bürgergeld und Krankenversicherung für jeden finanziert werden.

Die Sozialversicherungen bleiben erhalten und werden effektiv, solide und verlässlich gestaltet. Die Wirtschaft insgesamt trägt die Kosten und Subventionen, die sie erzeugt, beziehungsweise erhält, selbst. Im Gegenzug jedoch wird sie von allen zusätzlichen und nicht verursachten Kosten entlastet. Hier steht das Prinzip vorne an: Wer etwas nutzen möchte, muss dafür zahlen – und zwar speziell nur dafür.

Alle Steuern funktionieren nach dem Mehrwertsteuerprinzip. Wenn etwas weiterverarbeitet wird, wird der Anteil, auf den schon einmal Steuern gezahlt wurden, nicht noch einmal versteuert.
„Ressourcensteuern“ sorgen dafür, dass Kosten, die der Gesellschaft entstehen, sich direkt und möglichst genau im Preis widerspiegeln. Sie sind keine Einnahmequelle des Staates.

Importierte Produkte werden somit nicht weiter gegenüber in Deutschland produzierten bevorteilt. Beim Export wird ausschließlich 50% Einkommensteuer bezahlt. Alle anderen Steuern dürfen davon abgesetzt werden, damit Nachteile gegenüber anderen Volkswirtschaften vermieden werden.

Eine Möglichkeit der Finanzierung erfolgte auf den Zahlen von 2009, die besagten, dass in diesem Jahr ein Volkseinkommen von 1,815 Billionen € erwirtschaftet wurde. Wenn Arbeitgeber von den Kosten der Sozialversicherung entlastet würden, würde dies zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Zahlung angemessener Löhne führen. Vorsichtshalber wurde bei der Finanzierung lediglich von 0,8 Billionen Einnahmen aus 50% Einkommensteuer ausgegangen. Geteilt durch die Einwohnerzahl und 12 Monate wäre das dann ausreichend für die Zahlung von 800 € resp. 500 € zzgl. 175 € Krankenversicherung für alle Bürger.

So viel erst einmal dazu.

Die Botschaft hör´ich wohl, allein mir fehlt der Glauben??? Dass das alles so machbar und zum Besten ist?

---


"Welch triste Epoche, in der es leichter ist, ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil!"
Albert Einstein


zuletzt bearbeitet 29.06.2017 12:02 | nach oben springen

#25

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 29.06.2017 12:34
von denker_1 | 1.591 Beiträge

Mit 800€ wäre ich notfalls einverstanden, aber nur dann, wenn die ausländischen EhegattInnen das dann auch erhalten. Sonst muss die Auszahlsumme höher sein.

Ich bin ein BGE Befürworter, ich selber bin erwerbsunfähig und bekomme 746€ Rente. Mit 500€ BGE würd ich mich verschlechtern. Gesundheitlich ist an eine neue Erwerbsfähigkeit nicht zu denken. UNd Arbeit gibt es nicht genug, höchstens auf dem Niedriglohnsektor. Sorry, wenn ich halt nicht so gut bin, dass ich besser als nur mit Billiglohn bezahlt werden kann, dann gibt es auch jeden Fall Leute, die die gleiche Arbeit um Längen besser ausführen können, ich erledige sie dann nicht!!!!

Kann doch wohl nich sein dass man für seine gesundheitliche Situation noch bestraft wird. Für Kriege für Rüstung ist auch genug Geld da, wo bleibt da die Moral. Das perfekte Verbrechen gibt es längst. Man muss dazu nur in die Politik gehen und dan so ein Kriegstreiber werden. Und wi viele der alten Naziverbrecher wurden nie zur Verantwortung gezogen, aber "Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen". Demnach aber hätte die SS-KZ AUfseher nicht mal Scheiße freesen fdürfen, Gar nix hätten die essen dürfen, aber für die war jede Menge Gekld da aber der kleine Büger soll wegen 500€ Kniefälle machen!!!!

ab 1500€ BGE aufwärts, jährlich an die Teuerungsrate angepasst, ist eine Verhandlungsbasis.

Ich habe an anderer Stelle schon mal von meinem Werdegang berichtet.

Ich kenne excellente Musiker, die keine Spielgelegenheit kriegen, Weltklasse-Musiker. Die aber dümpeln mit Hartz iV dahin, für das sie sich noch prostuituieren dürfen, anders kann man den Prozess der Antragstellung und die verbundenen Auflagen nicht nennen. Vielleich besuche ich wieder das TFF Rudolstadt. Weltklasse Musiker treten dort auf, aber ich bin 100% sicher, das ein nicht geringer Teil auf Sozialhilfenivau dahin dümpelt, weil die Masse nur noch Pop hören will! Eine Schande ist das. Ich will menschenwürdiges BGE. Wenn die Menschen wieder Perspektiven haben dann arbeiten die auch, aber beio 500€ BGE garantiert niemals ehrenamtlich, ich würde mir jeden Handgrifff bezahlen lassen. Oder mich bringt eine Fluggesellschafgt auch mal ehrenamtlich nach Asien, bringt mich ehrenamtlich in sehr ruhiger Lage unter,m nicht etwa Hühnergeschrei , Hunddegebell oder Verkehrslärm, weil ich kostenloos schlafe. Das läuft nach ehrenamtlicher Tätigkeit nicht mehr oder das BGE wird mindestens 1500€. Bei heutiger Euro Kaufkraft. Wenn dannArbeit liegenb bleibt, muss eben diese Arbeit besser bezahlt oder automatisiert werden!!!


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#26

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 29.06.2017 18:17
von Luftdrache (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #24

Es soll ein sozialer Ausgleich und eine Grundsicherung erfolgen. Eine wirtschaftlich sinnvolle Gestaltung wird den Anreiz geben, mitzuarbeiten und mitzugestalten. Es sind 50% Einkommensteuer angedacht, von denen Bürgergeld und Krankenversicherung für jeden finanziert werden.


Je nach Modell. Die negative Einkommenssteuer ist auch ein Modell von bedingungslosem Grundeinkommen. Andere Modelle setzen auch die Mehrwertsteuer und andere Verbrauchersteuern, statt auf die Einkommenssteuer. Und warum eigentlich nur Einkommen und nicht Kapitalerträge?
Über das bGE zu reden, heißt über eine Vielzahl verschiedener Modelle zu reden und daher auch genau auf die Details zu schauen.
Und dann kommen wieder die Fragen:

  • Sind die Kosten für ein - wie auch immer hohes - Bürgergeld und Krankenversicherung refinanziert?
  • Was bedeutet es eigentlich konkret für einen durchschnittlichen Haushalt, 50% (!) Einkommenssteuer zu zahlen?



Zitat

Die Sozialversicherungen bleiben erhalten und werden effektiv, solide und verlässlich gestaltet.



Die Argumentation greift aus meiner Sicht nicht. Die hierdrin implizierte These einer Steuerung der Sozialversicherungen über Finanzströme um eine bessere Effizienz zu erhalten ist nur eine Behauptung, die noch zu deutlich zu belegen wäre!
Und wieder eine Detailfrage am Beispiel Arbeitsförderung:

  • Ist das wirklich so, oder verdienen zukünftig private Arbeitsvermittler - ja, letztlich am Bürgergeld?


Zitat
Die Wirtschaft insgesamt trägt die Kosten und Subventionen, die sie erzeugt, beziehungsweise erhält, selbst. Im Gegenzug jedoch wird sie von allen zusätzlichen und nicht verursachten Kosten entlastet. Hier steht das Prinzip vorne an: Wer etwas nutzen möchte, muss dafür zahlen – und zwar speziell nur dafür.



Den Absatz gilt es zu übersetzen. Was wird hier genau beschrieben?
Die Wirtschaft trägt Kosten für Leistungen, die sie erhält. In der Lesart Wirtschaftskreislauf ist das der normale Ein- und Verkauf. In der Lesart auf Steuern, Gebühren und Abgaben, bleiben das genau die Dinge, für die Wirtschaft bereits heute Steuern, Gebühren und Abgaben zahlt. Kurz: Hier handelt es sich um eine Worthülse.
Thema Subventionen: Die scheinen wegzufallen. Auswirkungen in der Marktwirtschaft: unbekannt.
Thema nicht verursache Kosten: Wie kann man für etwas nicht verursachtes zahlen
Und was bitte sind denn zusätzliche Kosten konkret?

Zitat

Alle Steuern funktionieren nach dem Mehrwertsteuerprinzip. Wenn etwas weiterverarbeitet wird, wird der Anteil, auf den schon einmal Steuern gezahlt wurden, nicht noch einmal versteuert.



Für die Wirtschaft ehrlich gesagt nichts neues....

Zitat

„Ressourcensteuern“ sorgen dafür, dass Kosten, die der Gesellschaft entstehen, sich direkt und möglichst genau im Preis widerspiegeln. Sie sind keine Einnahmequelle des Staates.



Wofür werden die Steuern dann verwendet? Einen Sinn kann ich nur in Form einer zweckgebunden Ökosteuer sehen, mit der Schäden an der Umwelt ausgeglichen werden. Diese sollte verursachergerecht zugeordnet werden können.

Zitat

Importierte Produkte werden somit nicht weiter gegenüber in Deutschland produzierten bevorteilt. Beim Export wird ausschließlich 50% Einkommensteuer bezahlt. Alle anderen Steuern dürfen davon abgesetzt werden, damit Nachteile gegenüber anderen Volkswirtschaften vermieden werden.



Ach ja, das alte Prinzip des Merkantilismus. Funktionierte gut in Frankreich, bis alle Nachbarstaaten dass Modell kopierten und sich Export für niemanden mehr gelohnt hat. Ohne funktionierenden Binnenmarkt ist nur eine Folge möglich: Staatsbankrott!

Zitat

Eine Möglichkeit der Finanzierung erfolgte auf den Zahlen von 2009, die besagten, dass in diesem Jahr ein Volkseinkommen von 1,815 Billionen € erwirtschaftet wurde. Wenn Arbeitgeber von den Kosten der Sozialversicherung entlastet würden, würde dies zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Zahlung angemessener Löhne führen.



Und warum soll ich den Arbeitgeber, der von der Arbeitskraft des Arbeitnehmers profitiert aus der Verantwortung nehmen? Wer schaffen lässt, sollte auch etwas zur sozialen Absicherung beitragen! Das wäre eine versteckte Subvention für die Wirtschaft!

Zitat

Vorsichtshalber wurde bei der Finanzierung lediglich von 0,8 Billionen Einnahmen aus 50% Einkommensteuer ausgegangen. Geteilt durch die Einwohnerzahl und 12 Monate wäre das dann ausreichend für die Zahlung von 800 € resp. 500 € zzgl. 175 € Krankenversicherung für alle Bürger.



Ausgegangen! Eine Annahme.
Und? Reicht das aus für den kompletten Sozialhaushalt?

Zitat

Die Botschaft hör´ich wohl, allein mir fehlt der Glauben??? Dass das alles so machbar und zum Besten ist?



Mir fehlt der Glaube ebenso, bis ich nicht einen ordentlichen Beweis sehe.


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#27

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 30.06.2017 10:58
von Anthea | 12.276 Beiträge

Ich habe Unterlagen zum bGE gefunden. Da hatte ich 2010 geschrieben:

Pro:
Es wird die Position des Einzelnen bei Lohnverhandlungen stärken. Es kann kein AG sich mehr erlauben, „Billigsklavenlöhne“ anzubieten, denn dann bleibt er auf der zu entrichtenden Arbeit sitzen. Die Menschen müssen sich nicht mehr in dem Sinne „verdingen“, dass sie jede Arbeit annehmen mpssen. Gleichzeitig ist zu vermuten, dass der Mut zum Risiko steigen wird, indem viele Menschen einen Sprung in die Selbständigkeit wagen würden. Andere wiederum würden sogar sagen können: Jetzt mache/arbeite ich das, was ich schon immer machen wollte.

Menschen mit guter Schul-/Ausbildung werden sicherlich den Ehrgeiz haben, sich im Arbeitsleben zu „beweisen“. Denn es liegt in der Natur des Menschen, Anerkennung zu suchen. Zudem wollen Menschen sich auch etwas leisten können… Urlaub, Auto, schöne Dinge etc. Mit 800 @ geht das ja nun nicht gerade, es sei denn, alle mutierten plötzlich zu Trampern und Campern.

Es müsste die Bedingung gestellt werden, dass dieses bGE alles abdeckt. Dass es keine Wohngelder, Kindergeld, keine weiteren Leistungen mehr geben würde. Und wenn jemand meint, seinen bisherigen Lebensstandard nunmehr ohne Arbeit beibehalten zu wollen, so er z.B. eine teure Wohnung hat, dann wird er weiter arbeiten oder umziehen müssen. All das liegt im reinen Ermessen des Einzelnen.

Auf jeden Fall bedeutet das bGE Vereinfachung, keine Kontrollen, keine Verwaltung – also wirkliche Abspeckung. Ich gehe eigentlich davon aus, dass man sich durch das bGE nicht weitere „Hängemattentypen“ heranzieht. Und die junge Generation muss man früh genug auffangen. Bildung, Bildung, Bildung und nochmals Bildung. Und – ganz richtig – auch „Bewusstseinsbildung“. Aber die erwächst auch schon aus dem Vorhergehenden: Bildung.

Ich las heute (2010) auf einem Wahlplakat der Piraten sinngemäß Folgendes: Sind etwas Kinder reicher Eltern schlauer? Genau diesem sollte man sich bei den Forderungen für Chancengleichheit im Bildungswesen annehmen.

Kontra
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es ohne Gegenleistung eigentlich nichts gibt. Allerdings gibt es die Verantwortlichkeit des Staates für seine Bürger und wir können ja nun nicht mehr verlangen, dass sich jeder „sein Essen selbst erlegt“, um es mal überspitzt zu sagen. Das wäre nicht GG-konform. Und die Menschenwürde steht zuoberst. Und diese wird mit dem Modell des bGE beantwortet.

Missbrauch ist nie auszuschließen. Wird die Schwarzarbeitsquote steigen? Wird der Hass auf ausländische Mitbürger gesteigert?

Wenn ein Modell zum Ausgleich für das bGE für diejenigen, die keine weitere Arbeit aufnehmen wollen, eine Ableistung von Sozialstunden fordert, dann ist das möglicherweise auch zu überlegen. Jedoch ist dann eine Kontrolle schier nicht möglich. Wenn jemand nicht arbeiten will, dann ist das sein gutes Recht, denn es gibt de facto kein Recht auf Arbeit oder eine Verpflichtung, Ich denke, keiner wird von vornherein hingehen und sagen: Ich will nur Geld, aber nicht arbeiten. Somit kann ihm nicht verwehrt werden, etwas Passendes zu suchen, egal, wie lange. Ansonsten wären wir wieder bei der „Verpflichtung“, alles annehmen zu müssen.

Und gerade durch eine solche Verpflichtung geraten wir zunehmend in eine Ecke, in die wir keinesfalls hinwollen. Früher erzählte mir meine Mutter vom „BDM“. Und ich hatte immer fürchterliche Angst, dass so etwas wiederkommen könnte, so ein „Pflichtjahr“ für Mädchen.
Deshalb sind auch die Vorstellungen einer Partei "Alptraum für Deutschland" abzulehnen.

---


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Albert Einstein


zuletzt bearbeitet 30.06.2017 11:46 | nach oben springen

#28

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 03.07.2017 19:12
von fjodorov (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #5


Genau das soll ja nicht mehr möglich sein,die Erpressung durch AG's. Denn durch die gewisse Sicherheit, die das bGE bietet, ist/wäre keiner mehr gezwungen, sich auf prekäre Arbeitsverhältnisse einzulassen. D.h. dass der Bewerber auf eine Stelle dann mehr oder weniger die Preise bestimmen kann/könnte. Denn Arbeiten müssen ja gemacht werden. Nur nicht mehr zu Dumpinglöhnen. .
Wobei jetzt die Summe von 800 Euro bei diversen Modellen höher ist.




Wäre dem so?Ich glaube,dass ein bGE so gestaltet werden würde,dass niemand ausschließlich davon leben könnte.Ein bGE sagt ja nichts darüber aus,ob man damit seine finanziellen Verpflichtungen auch bedienen kann.Der Zwang zur Arbeit würde für die meisten weiterhin bestehen außer natürlich für jene die von vornherein nicht auf ein bGE angewiesen wären es aber dennoch erhalten würden.Wie ein anderer User schon bemerkte wird sich ein bGE auf die Löhne auswirken,schließlich leben wir in einer kapitalistischen Gesellschaft.Finanziert wird ein bGE mit Sicherheit über Steuern.Wer diese aufzubringen hat dürfte nicht schwer zu erraten sein,die Hochfinanz und ein Götz Werner werden es mit Sicherheit nicht sein.Aber so kann man auf Umwegen die deutsche Wirtschaft subventionieren,geringe Löhne werden durch den Steuerzahler aufgefangen.
Alle anderen Sozialleistungen dürften mit Einführung eines bGE wohl auch wegfallen.Ein bGE ist für mich eindeutig der falsche Weg,Er wird die Schieflage in der Gesellschaft noch weiter verstärken und die Umverteilung von unten nach oben noch besser kaschieren.


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#29

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 03.07.2017 19:29
von merte | 446 Beiträge

Es gibt imho zwei Themen die man in Foren meiden sollte, Israel und BGE, ja, wobei es bei Letzterem egtl nur um "bedingungsloses" geht, also ohne Sanktionen, oder?


Ich bin verantwortlich für Das was ich schreibe, nicht für Das, was ihr darunter versteht(verstehen wollt!


zuletzt bearbeitet 03.07.2017 19:29 | nach oben springen

#30

RE: Das bedingungslose Grundeinkommen – bGE

in Ökonomie 03.07.2017 19:32
von Luftdrache (gelöscht)
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Ich glaube nein. Die Diskussion enthält durchaus viele andere Komponenten als die Frage nach der "Bedingungslosigkeit", was nicht automatisch mit sanktionsfrei gleichzusetzen ist.


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