#46

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 12.07.2020 09:46
von Anthea | 12.430 Beiträge

Lieber Atue, mein spontaner Gedanke bei deinen Vorstellungen von gesetzlich festzuschreibenden Freizeiten war: "Da werden sich aber die Arbeitgeber drüber freuen".

Ich denke mal, dass dies einfach zuviel des Guten ist! In Deutschland beträgt der gesetzliche Mindesturlaub 20 Tage (24 Werktage), also vier Wochen und es gibt die Feiertage, die in Deutschland bzw. von Christen gefeiert werden. Dann gibt es noch Sonderfreistellungstage. Ein steuerfreier verpflichtender Zuschlag bei Sonntagsarbeit sollte wieder eingeführt werden, den gab es nämlich vormals. Ansonsten ist dies Sache des jeweiligen Arbeitgebers. Und es gibt kein Dauerarbeiten von durchgehend 7 Tagen, somit hat jeder Arbeitnehmer seine Freitage, auch bei Wochenendarbeit durch Ausgleich an anderen Tagen. So jedenfalls ist eine vernünftige Regelung, die eigentlich überall zum Tragen kommt - oder kommen sollte.

Und wenn du 15 Tage Religionsurlaub den ausländischen Mitbürgern anderer Religionszugehörigkeit zugestehen möchtest, dann müssten dies auch Freitage für die landeseigenen Christen sein, denn es ist ja nicht an dem, dass bei christlichen Feiertagen Nichtchristen arbeiten müssen. Sie profitieren auch von den freien Tagen.

Wenn jemandem ein in seinem Heimatland gefeierter Tag so wichtig ist, dass er/sie diesen auch hier in Deutschland zeitnah begehen möchte, dann kann er/sie auf seinen gesetzlichen Urlaub zurückgreifen (in vielen Fällen sind dies 30 Tage (6 Wochen) und dazu einen Tag benutzen.

Im letzten Jahr am 10. August hatte ich gelesen, dass Muslime ihren größten Feiertag begehen, das Opferfest. Als ich in der Stadt beim Einkauf im türkischen Laden dies erwähnte mit dem Hinweis, dass es schade sei, dass sie würden heute arbeiten müssen anstatt zu feiern, da traf ich auf allseitiges Erstaunen nach dem Motto: Wovon redet sie?

Ich finde "Religionsurlaub" von zusätzlichen zwei Wochen "am Stück) zuzugestehen nicht angebracht und übertrieben!

Mir ist der problematische Fall eines muslimischen Mitarbeiters in einem Unternehmen mittlerer Größe bekannt. Dieser blockierte die Logistik ungemein, weil er zu in seiner Religion vorgeschriebenen Gebetszeiten seinen Arbeitsplatz mit einem Gebetsteppich im Versand/Lager verließ, um seine Gebete im Keller zu verrichten.

---


Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.
Mahatma Gandhi


zuletzt bearbeitet 12.07.2020 10:43 | nach oben springen

#47

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 12.07.2020 19:02
von kuschelgorilla | 3.292 Beiträge

Zitat von Atue im Beitrag #44
...
Im Gegenzug würde ich auf Regelungen wie das Sonntagsöffnungsverbot von Geschäften verzichten.....

Bundesweit einheitlich frei wäre dann nur noch der 3. Oktober.


Lieber Atue, deinem Vorschlag kann ich weitestgehend zustimmen.
Gibst du jedoch das Sonntagsöffnungsverbot von Geschäften auf, werden die Bedingungen im Einzelhandel sich massiv verschlechtern. Auf Details möchte ich hier jetzt nicht eingehen. Aber lass dir gesagt sein, dass meine Frau und ich voraussichtlich dann nur nur noch diesen ominösen 3.Oktober gemeinsam frei hätten... und den Urlaub...


Meine Motivation ging heute morgen winkend und lächelnd an mir vorbei
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#48

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 12.07.2020 23:10
von Atue (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #46
Und wenn du 15 Tage Religionsurlaub den ausländischen Mitbürgern anderer Religionszugehörigkeit zugestehen möchtest, dann müssten dies auch Freitage für die landeseigenen Christen sein, denn es ist ja nicht an dem, dass bei christlichen Feiertagen Nichtchristen arbeiten müssen. Sie profitieren auch von den freien Tagen.

Zitat von Anthea im Beitrag #46
Ich finde "Religionsurlaub" von zusätzlichen zwei Wochen "am Stück) zuzugestehen nicht angebracht und übertrieben!



Da hast du meinen Vorschlag wahrscheinlich mißverstanden. Ich habe grob kalkuliert, dass wir in Deutschland ca. 15 Tage durch christliche Feiertage frei haben. Und habe daraus natürlich vereinfachend und mit einer gehörigen Portion Naivität gefolgert: Lass doch die Firmen jeden Tag im Jahr produzieren.....die einen machen dann Freitags frei, die nächsten Samstags, und der Rest halt den Sonntag. Und bei den Feiertagen? Bei ausreichender Diversifizierung kann ein Notbetrieb auch ohne Feiertagszuschläge aufrecht erhalten werden.....


Zitat von kuschelgorilla im Beitrag #47
Gibst du jedoch das Sonntagsöffnungsverbot von Geschäften auf, werden die Bedingungen im Einzelhandel sich massiv verschlechtern. Auf Details möchte ich hier jetzt nicht eingehen. Aber lass dir gesagt sein, dass meine Frau und ich voraussichtlich dann nur nur noch diesen ominösen 3.Oktober gemeinsam frei hätten... und den Urlaub...


Ok - das Familienproblem....müsste man sicherlich auch geeignet lösen.

Zum Sonntagsöffnungsverbot: In doch nicht so ganz wenigen Gebieten in Deutschland haben auch Sonntags die Geschäfte auf. Heute schon. Meist nicht die großen Supermärkte, aber die vielen kleinen Familienbetriebe schon. Und: Es mag sein, dass für dich und deine Frau das Phänomen dann neu wäre - in vielen anderen Sparten haben wir das heute schon. Beispielsweise auch im Nahverkehr, bei Fluggesellschaften, bei Künstlern und der Event-Industrie insgesamt, bei Restaurants und Hotels, in vielen kritischen Bereichen der Industrie, in denen Maschinen nicht so einfach am Wochenende abgeschaltet werden können, und natürlich auch in den Klassikern wie Pflegeberufe, Krankenhäusern etc. etc. etc......

Und: In vielen Ländern im Ausland ist es völlig normal, dass Geschäfte an allen Wochentagen geöffnet haben - in einigen Teilen der Welt bekommst du rund um die Uhr alles mögliche zu kaufen.

Ich kenne den Einzelhandel selbst recht gut - mir ist klar, dass das im Einzelnen durchaus zu Schwierigkeiten führen könnte - nur: wenn wir umgekehrt daraus die Forderung ableiten würden, dass man aus Gründen für mehr Gemeinschaftlichkeit an Wochenenden generell nur noch auf Notbetrieb schalten sollte - dann wären viele Familien ziemlich gestresst, weil sie dann am Wochenende ja nicht Restaurants, Wellnesshotels oder Kinos nutzen könnten, sondern sich mit sich selbst beschäftigen müssten. Wie wäre es, wenn wir auch gleich am Wochenende beim Fernsehen und Radio nur noch auf Notbetrieb schalten - also beispielsweise nur noch die 20:00 Uhr Nachrichten und sonst Sendepause?

Aus Solidarität könnte man dann auch noch den Internet-Betrieb am Wochenende runterfahren.....also ich schreibe dann diesen Beitrag erst morgen



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#49

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 12.07.2020 23:23
von Anthea | 12.430 Beiträge

Zitat von Atue im Beitrag #48
Zitat von Anthea im Beitrag #46
Ich finde "Religionsurlaub" von zusätzlichen zwei Wochen "am Stück) zuzugestehen nicht angebracht und übertrieben!



Da hast du meinen Vorschlag wahrscheinlich mißverstanden. Ich habe grob kalkuliert, dass wir in Deutschland ca. 15 Tage durch christliche Feiertage frei haben. Und habe daraus natürlich vereinfachend und mit einer gehörigen Portion Naivität gefolgert: Lass doch die Firmen jeden Tag im Jahr produzieren.....die einen machen dann Freitags frei, die nächsten Samstags, und der Rest halt den Sonntag. Und bei den Feiertagen? Bei ausreichender Diversifizierung kann ein Notbetrieb auch ohne Feiertagszuschläge aufrecht erhalten werden.....



Lieber Atue, du hast eigentlich in #44 ganz klar geschrieben:
Dann wäre ich noch dafür, jedem neben seinem Urlaub noch 15 Tage Religionsurlaub zuzugestehen - den der Arbeitgeber freigeben muss - und zwar entsprechend der Religionszugehörigkeit an den 15 höchsten Feiertagen der jeweiligen Religion.


Und das wäre nun wirklich zuviel des Guten!

---


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Mahatma Gandhi


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#50

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 12.07.2020 23:27
von Atue (gelöscht)
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Genau - aber das war und ist genau so gemeint. Wenn Christen das dann beispielsweise für Ostermontag und Pfingsmontag einsetzen, Moslems aber ihre Feiertage nutzen, und Juden die ihrigen - dann ist das ok. Das bedeutet aber dann eben nicht mehr, dass Moslems am Ostermontag automatisch frei haben......ganz im Gegenteil!

Und - da derzeit bei keiner (mir bekannten) Religion die 15 höchsten Feiertage am Stück liegen, wäre es auch nichts mit einfach 15 Tage zusätzlich Urlaub.....

Also so war es gemeint........sorry, wenn ich da nicht klar genug war.



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#51

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 13.07.2020 10:39
von Anthea | 12.430 Beiträge

Zitat von Atue im Beitrag #50
Genau - aber das war und ist genau so gemeint. Wenn Christen das dann beispielsweise für Ostermontag und Pfingsmontag einsetzen, Moslems aber ihre Feiertage nutzen, und Juden die ihrigen - dann ist das ok. Das bedeutet aber dann eben nicht mehr, dass Moslems am Ostermontag automatisch frei haben......ganz im Gegenteil!

Und - da derzeit bei keiner (mir bekannten) Religion die 15 höchsten Feiertage am Stück liegen, wäre es auch nichts mit einfach 15 Tage zusätzlich Urlaub.....

Also so war es gemeint........sorry, wenn ich da nicht klar genug war.


Lieber Atue, das war in der Form deiner Aussage eben schon ganz klar und eigentlich auch unmissverständlich formuliert. Der Fehler lag lediglich darin, dass du, wie du jetzt bekundest, es SO nicht gemeint hattest.

Ich hatte mich schon gewundert. Und muss mal ein wenig "boslich" sein und lästern.
Ich überlegte nämlich, weswegen Muslimen 15 Tage Zusatzurlaub am Stück zugestanden werden sollten und wofür. Und da drängte sich mir die Antwort auf: Zum Bomben basteln?
Bitte nicht falsch verstehen, das soll absolut keine Allgemeindiskriminierung sein!
Aber Deutschland mit seiner demokratischen Haltung nährt nun einmal auch üble Elemente an seinem pekuniären Busen...

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Mahatma Gandhi


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#52

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 14.07.2020 00:16
von Atue (gelöscht)
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Bomben basteln nicht nur Muslime - und wenn man Bomben als Muslim basteln will, kann man das auch an katholischen Feiertagen machen......gerade da hat man ja Zeit, man ist ja zu nichts verpflichtet......hätten deine Extremisten also nur an ihren Feiertagen Zeit zum Bomben basteln, gäbe es weniger Bomben, denn die muslimischen Feiertage werden dann doch ganz anders begangen.....



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#53

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 14.07.2020 10:27
von Anthea | 12.430 Beiträge

Zitat von Atue im Beitrag #52
Bomben basteln nicht nur Muslime - und wenn man Bomben als Muslim basteln will, kann man das auch an katholischen Feiertagen machen......gerade da hat man ja Zeit, man ist ja zu nichts verpflichtet......hätten deine Extremisten also nur an ihren Feiertagen Zeit zum Bomben basteln, gäbe es weniger Bomben, denn die muslimischen Feiertage werden dann doch ganz anders begangen.....


Lieber Atue, du nimmst meine scherzhaften Bemerkungen immer so bierernst - oder todernst. Dabei bemühe ich mich redlich, diese "Anmerkungen" der satirischen Art, die jedoch der ernsten Umstände des Vorhandenseins von Verbrechen von muslimischenTerroristen nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, als solche kenntlich zu machen.

Ich muss jetzt wieder auf das Thema zurückkommen, was ja die von mir mit Entsetzen aufgrund deiner ungeschickten Formulierung hinsichtlich eines Zusatzurlaubs für andere 'Religionszugehörige Arbeitnehmer aufgenommene Anmerkung anbelangte und zu meiner ironischen Vorstellung einer "Bastelstunde" führte.
Keine Sorge, ich mache jetzt nicht weiter, indem ich fragen würde, ob eine ideologische Weitergabe der Parole "Tod den Ungläubigen" auch unter Tradition einzuordnen wäre...
Wie gesagt, ich mache da nicht weiter.

Was ich jedoch sagen möchte im Hinblick auf Feiertage bzw. freie Tage in Deutschland, dass es da eigentlich nichts zu Bemängelndes gibt. Man muss die Feste feiern wie sie fallen, beziehungsweise wie das jeweilige Land sie begehen möchte. Und darauf sollte sich jeder einstellen und keine "Extrawürste" für sich fordern. Beispielhaft Neujahr, was z.B. im Iran im März gefeiert wird. Käme dort ein Deutscher auf die Idee, einen Feiertag am 1. Januar einzufordern? Wohl kaum!

Ich mag Traditionen (nicht alle), auch Rituale, die den Hauch des Mystischen, nicht Ergründbaren, in sich tragen.
Ich mag auch die Vielfalt von "Multikulti", wenn Nationen Feste zusammen feiern.
Es gibt viele Dinge, die bewahrenswert sind, denn vieles, was gut und schön war, hat sich im Laufe der Zeit verflüchtigt.
Und da kann man durchaus auch die "guten Sitten" anführen. Alleine bei der Sprache, die oft recht verroht herüberkommt.

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Mahatma Gandhi


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#54

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 14.07.2020 11:20
von Meridian | 2.869 Beiträge

Meine Meinung zu Traditionen:

Ja, ich halte sie für wichtig. Aber man sollte sich stets vergegenwärtigen, welchen Hintergrund die Traditionen haben und für was sie stehen. Weiß man es nicht (mehr), drohen sie schnell zu verkommen. Ebenso ist eine Tradition zu hinterfragen, wenn man auf die Frage nach deren Hintergrund nur die pampige Antwort erhält: "So war es schon immer, und so wird auch immer bleiben!!", und man es einen spüren lässt, dass solche Fragen unerwünscht sind oder gar als Beleidigung aufgefasst werden.


Die äußere Welt ist der Spiegel deines Inneren.
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#55

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 19.07.2020 13:28
von kuschelgorilla | 3.292 Beiträge

Zitat von Atue im Beitrag #48
...
Zitat von kuschelgorilla im Beitrag #47
Gibst du jedoch das Sonntagsöffnungsverbot von Geschäften auf, werden die Bedingungen im Einzelhandel sich massiv verschlechtern. Auf Details möchte ich hier jetzt nicht eingehen. Aber lass dir gesagt sein, dass meine Frau und ich voraussichtlich dann nur nur noch diesen ominösen 3.Oktober gemeinsam frei hätten... und den Urlaub...


Ok - das Familienproblem....müsste man sicherlich auch geeignet lösen.

Zum Sonntagsöffnungsverbot: In doch nicht so ganz wenigen Gebieten in Deutschland haben auch Sonntags die Geschäfte auf. Heute schon. Meist nicht die großen Supermärkte, aber die vielen kleinen Familienbetriebe schon. Und: Es mag sein, dass für dich und deine Frau das Phänomen dann neu wäre - in vielen anderen Sparten haben wir das heute schon. Beispielsweise auch im Nahverkehr, bei Fluggesellschaften, bei Künstlern und der Event-Industrie insgesamt, bei Restaurants und Hotels, in vielen kritischen Bereichen der Industrie, in denen Maschinen nicht so einfach am Wochenende abgeschaltet werden können, und natürlich auch in den Klassikern wie Pflegeberufe, Krankenhäusern etc. etc. etc......

Und: In vielen Ländern im Ausland ist es völlig normal, dass Geschäfte an allen Wochentagen geöffnet haben - in einigen Teilen der Welt bekommst du rund um die Uhr alles mögliche zu kaufen....



Dessen bin ich mir vollkommen bewusst, dass es in vielen anderen Branchen Gang und Gäbe ist, am SO zu arbeiten. In vielen Dienstleistungsberufen funktioniert das auch gar nicht anders. Pflege, Krankenhäuser, Polizei...
Aber in den Bereichen, in denen man eigentlich darauf verzichten könnte, sehe ich die Notwendigkeit nicht wirklich gegeben, auch wenn es schon in anderen Bundesländern realisiert wird. Ich kenne das Handling in Hedwig-Holzbein übrigens, da dorten meine Schwiegerma lebt, die wir regelmäßig besuchen...
Die primäre Sorge, die ich bei einer generellen Freigabe der Ladenöffnungszeiten habe, das ist die, dass die Arbeitgeber dann noch mehr ausnutzen, freie Tage zunehmend wegfallen und wir ratzfatz zu einer 60Stunden Woche kommen werden... Ich meine, ich genieße es durchaus, wenn ich Samstags arbeiten kann und dann einen weiteren Tag unter der Woche frei habe, einen Tag, an dem ich nicht extra frei nehmen muss, um zum Doc zu gehen... Aber gemeinsame Tage in der Familie, werden dann wirklich unrealistisch, vor allem wenn es verschiedene Arbeitgeber sind, von denen sich jeder weigert, hier familienfreundlicher zu werden. Ich erinnere mich noch daran, wie es richtiggehend gefeiert wurde, als die fünf-Tage-Woche kam, mit dem Slogan, dass Papi jetzt wieder mehr der Familie gehört. Ich denke, wir kommen zunehmend dahin, dass wir keine gemeinsame Zeit mehr haben werden und Familien letztlich gar nicht mehr stattfinden... Wo wollen wir hin in der Zukunft? In einer Zukunft, in der Arbeit immer ungleicher und ungerechter verteilt wird...


Meine Motivation ging heute morgen winkend und lächelnd an mir vorbei
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#56

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 20.07.2020 12:01
von Anthea | 12.430 Beiträge

Zitat von Meridian im Beitrag #54
Meine Meinung zu Traditionen:

Ja, ich halte sie für wichtig. Aber man sollte sich stets vergegenwärtigen, welchen Hintergrund die Traditionen haben und für was sie stehen. Weiß man es nicht (mehr), drohen sie schnell zu verkommen. Ebenso ist eine Tradition zu hinterfragen, wenn man auf die Frage nach deren Hintergrund nur die pampige Antwort erhält: "So war es schon immer, und so wird auch immer bleiben!!", und man es einen spüren lässt, dass solche Fragen unerwünscht sind oder gar als Beleidigung aufgefasst werden.


Lieber Meridian, "pampig" werden Leute meistens, wenn sie keine wirkliche Antwort auf eine Frage zu geben vermögen. Anstatt hinzugehen und zuzugeben, dass sie etwas nicht wissen, versuchen sie, den Spieß umzudrehen, indem sie durch ihr Verhalten den anderen "beschämen" wollen nach dem Motto: Wie kannst du nur so eine dusselige Frage stellen. Das muss man doch wissen! Punkt.

Ich hatte schon einmal vor Jahren über das hohe Wissen der "Prominenz" oder "Stars" geschrieben. Beispiel war, dass z.B. die Bedeutung des Weihnachts- oder Osterfestes gar nicht bekannt war. Schwaches Bild. Beispielhaft da dieser Mime mit der Dauermiene, Til Schweiger. Lach*

Man lässt sich da leicht verunsichern. Dabei ist es besser "am Ball zu bleiben" und hartnäckig weiter nach dem "warum" zu bohren. Das bringt die Leute in Erklärungsnotstände. ;-) Möglich ist, dass sie weiter auf ihrer arroganten (Nichtwissens)Position beharren und man auf "Google dir die Antwort" verwiesen wird.

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Mahatma Gandhi


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#57

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 20.07.2020 15:22
von Anthea | 12.430 Beiträge

Wenn man ein Sonntagsarbeits- oder Ladenöffnungverbot als "Tradition" bezeichnen würde, dann müsste man auch eine Religion als "Tradition" bezeichnen. Damit hätte ich meine Schwierigkeiten, ein festgeschriebenes, und auch modifiziertes Werk, wie die Bibel als Grundlage zu nehmen. Allenthalben als "Grund", resp. "religiöse Vorlage", weil der christliche Gott am 7. Tag "ruhte", nichts mehr bei seiner "Weltkonstruktion" zu tun hatte. Und die Menschen ihm doch nacheifern sollten. "Religionsstifter" und deren Leben als Vorlage zu nehmen, kann jedoch gefährlich sein... Und nicht wirklich legitimierend, wenn man sich darauf in anderen Ländern darauf beruft, z.B. wenn Muslime bei Zuzug nach Deutschland auf das Alter der Lieblingsfrau ihres Religionsgründers verweisen. Das kommt dann hier nicht gut an, so sie ihm nacheifern. ..

Wenn es um deutsche Traditionen geht, dann nehme ich sprachliche Änderungen so hin, allerdings fehlt mir dafür oftmals das Verständnis. Man ändert eine Einstellung zu Menschen nicht, indem man Worte ändert! Stichwort: Rassismus und der verpönte "Mohrenkopf" etc.!

Das englische Wort "narrativ" meint eine Erzählung oder Darstellung zwecks Erklärung eines Zeitabschnittes oder einer Gesellschaft.

Nun wird der Begriff der „Narrative“ auch gerne im Sinne von mehr oder weniger „erzählenden Fakes“ benutzt. Also eine Abwiegelung von Zuordnungen, so aufgrund nachweisbarer Dinge ein negatives Bild trotz anderer vorhandener Positiva nicht zu leugnen ist. Das ist „Tradition“, das ist Usus und bekannte Vorgehensweise mit der Absicht des Konstruierens einer bestimmten Identität zwecks Außenwirkung.

Ich fand heute ein ganz typisches Beispiel, wo in einem Strang, der sich der Diskussion rund um den Islam verschrieben hat, einen Schreiber mit dem Kommentar: „Niemand kann es mehr ändern, dass der Islam für Kriege und Terror und eifernde Glaubenskrieger steht." Daraufhin "empörte" sich ein „Gegenpart“ durch Wiederholung des Satzes durch ein Fragezeichen, wollte jedoch keinesfalls eine Antwort haben, was normal gewesen wäre. Aber diese würde – bezogen auf den weiter oben besprochenen Fall der Hintergrundhinterfragung von Traditionen - nicht wunschgemäß ausfallen. Sondern ganz klar erkennbar machen: Man merkte die Absicht und ward verstimmt! So fuhr der/die „Fragende“ dann sofort nach dem „Erstaun-Fragezeichen“ - auf Antwort „verzichtend“- fort: „Eine Antwort darauf wuerde zu sehr vom Thema abweichen.“ Wie schon erwähnt, das Threadthema war grundsätzlich durch die Behauptung voll bedient!

Es gibt meiner Meiung nach so etwas wie eine "feste Übung", die nach mehrmaliger Wiederholung in den Status eines Rechtsanspruches gelangt. Ein Beispiel wäre, wenn ein Arbeitgeber z.B. auf Altweiberfastnacht der Belegschaft immer wieder frei gibt, dann könnte die, so es mal anders laufen würde, darauf bestehen. "Das ist Tradition, das ist schon immer so gewesen...."
Ich glaube, dass das Wort "Tradition" auch viel zu oft benutzt wird und irgendwie abgewertet wird. Wie auch die Begriffe von "Philosophie" oder "Liebe". Aber keiner denkt sich was dabei.

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#58

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 23.07.2020 01:39
von Atue (gelöscht)
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Vielleicht mal folgende Antwort zum Nachdenken:

Wenn ein Arbeitnehmer nicht wirklich überzeugend begründen kann, warum er Sonntags freihaben sollte - warum sollte er dann frei haben?
Millionen Arbeitnehmer haben Sonntags nicht frei - aus gutem Grund. Beispielsweise damit andere, die Sonntags frei haben am Baggersee unter Aufsicht eines Bademeisters einen freien Tag genießen können....dazu hilft natürlich auch der Sonntags arbeitende Kioskangestellte, der einem die Pommes zur Verfügung stellt....oder auch der Kassierer, der das Eintrittsgeld einnimmt.....oder die Reinigungsfachkraft, die abends spät noch am Sonntag meinen Freizeitplatz reinigt......


Es ist schön, eine Tradition zu haben, dass Sonntags nicht gearbeitet wird.....nur - realistisch gesprochen haben diese Tradition auch heute schon in Deutschland viele Arbeitnehmer NICHT!

Je mehr der Hype ums Wochenende zu einem Freizeitvergnügen ausgebaut wird, desto mehr Menschen brauchen wir, damit wir dieses Freizeiterleben auch erleben können - Mitarbeiter in Restaurans, in Vergnügungsparks, aber auch Mitarbeiter in der Pflege!

Argumentativ gibt es kaum eine wirklich sachliche Argumentationskette, warum in Deutschland der Einzelhandel am Sonntag zu haben sollte.....hat er auch heute an vielen Standorten und in vielen Ausprägungen nicht!

Und weltweit gesehen ist das Deutsche Unikum bezogen auf den Einzelhandel schon eher ein Relikt!

Natürlich ist es schön, wenn ich innerhalb meiner Familie ganz traditionell das verlägerte Wochenende idealerweise auch noch bei ausreichender Kapitalausstattung dazu nutzen kann, einen Wellnessurlaub zu organisieren.......nur - gelingt das doch faktisch nur, wenn für diesen Urlaub ausreichend andere Menschen bereit stehen, die da für mich arbeiten.......


Ganzheitlich betrachtet ist eine Tradition des Sonntagsarbeitsverbots ziemlich fragwürdig!



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#59

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 23.07.2020 10:57
von Anthea | 12.430 Beiträge

Zitat
Ganzheitlich betrachtet ist eine Tradition des Sonntagsarbeitsverbots ziemlich fragwürdig!



Stimmt, Atue, aber das sind Relikte der katholischen Kirche, die sie sich nicht nehmen lassen wollen. Alte Hüte auf den Köpfen alter Männer mit verfilzten Zöpfen.

Off Topic: Ich bringe jetzt mal eine Gedankenspielerei mit dem Stichwort "Bibelauslegungen": Es steht zwar geschrieben "wachset und mehret euch", aber es steht nicht da "auf Deuwel komm raus". Und "wehret den Anfängen" ist auch nicht verboten. Deshalb ist es ein Unding, wenn in den ärmsten Ländern der Papst nicht mit Koffern voller Verhütungsmittel einreist, sondern mit salbungsvollen Worten und Verboten mit dem Fazit von Bevölkerungsexplosion und Aids-Vermehrung.

Die Frage bleibt also, ob ein Arbeitnehmer tatsächlich seine Bibelauslegung zur Durchsetzung, dass er am Sonntag nicht arbeiten will, als Grund angeben kann! Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies einklagbar wäre?

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Mahatma Gandhi


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#60

RE: Sind Traditionen schoen und wichtig?

in Deutschland 23.07.2020 11:21
von Meridian | 2.869 Beiträge

Das mit dem Sonntag ist nicht nur katholisch, sondern aus dem Alten Testament, wonach Gott am 7. Tag nach Erschaffung der Erde ruhte. Im Judentum und im Islam ist ja auch an jedem 7. Tag frei. In Israel fahren am Sabbat so gut wie keine öffentliche Verkehrsmittel, der Bahnverkehr ruht komplett (auch vor der Coronakrise).

Wir sollten froh sein, dass es so etwas gibt. In China gibt es keine 7-Tage Woche aus der Tradition, also auch keinen Sonntag. Tage sind dort als nächst höhere Zeiteinheit in Monate unterteilt. Traditionell wird in China an jedem Tag gearbeitet. Dafür gibt es deutlich mehr Feiertage als bei uns, dennoch deutlich weniger als 52 pro Jahr.

Der Sonntag ist dafür da, zu regenerieren. Natürlich sollte es möglich sein, anstelle des Sonntags auch an einem anderen Tag frei zu nehmen. Aber dass sonntags viele Läden geschlossen haben, sorgt auch für ein gewisses Zur-Ruhe-kommen in der Gesellschaft. Ohne Sonntag wäre die Gesellschaft noch hektischer.

Ich weiß, dass man früher sogar angezeigt werden konnte, wenn man z.B. sonntags im Garten arbeitete, auch wenn diese Arbeit ohne Lärmbelästigung war. Ob das in ein paar streng-katholischen Gemeinden immer noch möglich ist, weiß ich nicht. Ich meine damit in der Gegend um Altötting oder auch im thüringischen Eichsfeld. So etwas halte ich jedenfalls für überkommen.


Die äußere Welt ist der Spiegel deines Inneren.
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