#1

Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 05.09.2017 22:50
von Mellnau (gelöscht)
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Sprache in Funk und Fernsehen

-----------------------------------------

Mir fällt auf, dass bei den Moderatoren dort ein Deutsch vorherrscht, das ich mal "norddeutsches Umgangsdeutsch" nennen möchte.

Als konstruiertes Beispiel: "Der Be-auftrachte gibt die Richtungkkkkk vor - wie ein Fadfinder!"

Also "Auftrach und Vortrach" statt Auftrag und Vortrag.

Hinter dem ng immer noch ein kkkk

Und am Anfang des Wortes nie ein pf - sondern immer nur ein f.

Den Sprechern ist das wohl gar nicht klar, dass diese Aussprache kein Standard-Deutsch ist.


Standard-Deutsch ist da eindeutig in der Minderheit bei den Sprechern.

Und süddeutsches Umgangsdeutsch hört man von Moderatoren usw so gut wie gar nicht.

Solch ein Sprecher würde wohl sofort rausgeschmissen - bzw würde die Stelle erst gar nicht bekommen.

-------------------------

Ist das außer mir auch sonst noch jemandem aufgefallen?


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#2

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 05.09.2017 23:09
von Mellnau (gelöscht)
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Zitat

"Der Be-auftrachte gibt die Richtungkkkkk vor - wie ein Fadfinder!"



Wenn ein norddeutscher Moderator in Funk und Fernsehen so reden kann, dann muss es auch möglich sein, dass ein süddeutscher Moderator z. B. so spricht:

's Fenschter isch offe!



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#3

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 06.09.2017 08:04
von heiner | 881 Beiträge

Zitat von Mellnau im Beitrag #2

Zitat

"Der Be-auftrachte gibt die Richtungkkkkk vor - wie ein Fadfinder!"



Wenn ein norddeutscher Moderator in Funk und Fernsehen so reden kann, dann muss es auch möglich sein, dass ein süddeutscher Moderator z. B. so spricht:

's Fenschter isch offe!





Dann müsste es nach schon heißen:"s Fenschter isch offa!". Aber so sprechen unsere professionellen "Sprecher" auch nicht.

Da ich in den 1980er Jahren mal ein Studio für Industriefilme betrieben hatte, mussten wir mit "Profisprechern" arbeiten, dabei fiel mir auf, dass man weiter nördlich unseren Sprecher als Süddeutschen erkannte, obschon ich nicht eine Abweichung von einer sauberen "Hochdeutsch-Aussprache" bemerken konnte.


Wer Tränen ernten will, muss Liebe säen.

Friedrich Schiller
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#4

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 06.09.2017 12:03
von Minou | 149 Beiträge

Ich ärgere mich noch mehr über ein unkorrektes Deutsch als über die Aussprache. Wohl umsonst hat Bastian Sick seinen Bestseller "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" geschrieben. Wenn sich jemand in einem Life-Interview falsch ausdrückt, hab ich nichts dagegen, aber bei dem Fehler eines Reporters in einer Reportage, die xmal wiederholt und nicht verbessert wird, sträuben sich mir die Haare.

So etwas kommt ja auch oft genug in Dokumentarfilmen vor. Ich wundere mich immer wieder, wie ein geschulter Sprecher es fertigbringt, unkorrektes Deutsch, das ja wohl so in seinem Manuskript steht, nicht zu berichtigen.

Bloß wenn einer vom "Frack" spricht und ein "Wrack" meint, nehm ich das übel.


Beginne den Tag mit einem Lächeln, denn jeder Tag ist ein Geschenk.
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#5

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 06.09.2017 13:04
von Till (gelöscht)
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Richtig ist zum Beispiel, "lebendig" mit ch am Ende auszusprechen, also "lebendich". Vielleicht denken manche Leute, dass das auch für "Auftrag" gilt.

Was mich viel mehr stört ist der verzweifelte Versuch, jeden fremdländischen Namen korrekt auszusprechen, noch dazu, wenn es sich um Namen nach Amiland ausgewanderter Deutscher handelt. Macht es doch wie die Franzosen, da heißt der Radfahrer Thurau halt "Türo", und jeder in Frankreich weiß, wer gemeint ist.



zuletzt bearbeitet 06.09.2017 13:05 | nach oben springen

#6

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 06.09.2017 17:04
von Mellnau (gelöscht)
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Zitat
Was mich viel mehr stört ist der verzweifelte Versuch, jeden fremdländischen Namen korrekt auszusprechen, noch dazu, wenn es sich um Namen nach Amiland ausgewanderter Deutscher handelt.



Das stört mich durchaus auch.
Da gibt es auch absurde Beispiele.

Dieses "Sackerböööööööööööööööööög" für Zuckerberg stört mich jedesmal, wenn ich es höre.
Oder dieses "vi-sääääl" für Wiesel.


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#7

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 06.09.2017 17:07
von Mellnau (gelöscht)
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Zitat
Dann müsste es nach schon heißen:"s Fenschter isch offa!".



Willst du meine eigene Sprache besser kennen als ich selber?

Ich bin keine Schwabe, sondern Badener.

Und da heißt es: 's Fenschter isch offe!"


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#8

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 06.09.2017 17:17
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Mellnau im Beitrag #7

Zitat
Dann müsste es nach schon heißen:"s Fenschter isch offa!".


Willst du meine eigene Sprache besser kennen als ich selber?

Ich bin keine Schwabe, sondern Badener.

Und da heißt es: 's Fenschter isch offe!"




Da heisst es: 's Fenschda isch uff



zuletzt bearbeitet 06.09.2017 17:18 | nach oben springen

#9

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 06.09.2017 20:25
von Mellnau (gelöscht)
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Es ist so bei uns:

auf = uff
offen = offe

auf und offen sind zweierlei Wörter.
Ähnlich, aber nicht genau gleich.


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#10

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 07.09.2017 09:34
von Mellnau (gelöscht)
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Nochmals zur Erklärung, um eventuelle Missverständnisse auszuräumen:

Ich habe nur über-regionale Sender gemeint, und auch da nur die Nachrichten und die Moderation.

In regionalen Sendern kann von mir aus gerne auch Mundart geredet werden.
Ich bin ein Freund der Mundart.
Ich bin selber mit einer Mundart aufgewachsen, die ich gerne spreche.
Da wo sie passt.
Und Mundart passt eben nicht immer und überall.

Nachrichten und Moderation in über-regionalen Sendern sollten imho in gutem Standard-Deutsch gesprochen werden.

Also kein norddeutsches "Vertrach" oder "Achtungkkkk" -
aber auch kein südwestdeutsches "Fenschter" oder "Poscht".
Nur mal so als Beispiel.

Das müsste doch möglich zu machen sein.

Bei der Klangfarbe der Vokale und der Satzmelodie aber kann man gerne die Herkunft des Sprechers heraushören.
Das finde ich gut und interessant.
Ich bin ein Freund der sprachlichen Vielfalt in Deutschland.


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#11

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 07.09.2017 09:48
von Anthea | 12.282 Beiträge

"Ich bin ein Freund der sprachlichen Vielfalt in Deutschland"

Lieber Mellnau, ich auch - aber von überall auf der Welt. Da hat der Turmbau zu Babel doch Gutes gebracht. ;-)))

Aber ernsthaft: Nicht alle Dialekte sind schön. Oder anders: Es kommt auch darauf an, wer sich derer bedient. So wirkt das "Düsseldorfer Platt" eben zuweilen recht gewöhnlich. Während dass Hamburgerische als "extraordinaire" betrachtet werden kann. Es hat Charme.

Tatsächlich empfinde ich somit manche "Dialekte" als eine Verunglimpflichung der guten deutschen Sprache. Besonders dann, wenn Leute einen Dativ und Akkusativ nicht auseinanderhalten können. Somit heißt es dann bei "Sprach-Hirnis" im Rheinischen "Gib mich mal...." Oder so. Lach*


Die Ewigkeit bewahrt nur die Liebe, weil sie von gleicher Natur ist.
Khalil Gibran


zuletzt bearbeitet 07.09.2017 09:49 | nach oben springen

#12

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 07.09.2017 10:03
von denker_1 | 1.591 Beiträge

Als Sachse stört mich da eher das unser Dialekt nicht gerne gehört wird von einigen. Zumindest haben meine Eltern bei Westbesuch immer krampfhaft versucht, Hochdeutsch zu reden, was dann furchtbar gekünstelt klang. Di haben ja sonst nie Hochdeutsch gesprochen. Grausam, wenn man aus welchen Gründen auch immer seinen Dialekt verleugnen muss. Da wird man von seinen Eltern, die selber sächsisch quatschen dazu erzogen, Hochdeutsch zu reden. Wenn aber die Handwerker ins Haus kommen, die zu DDR Zeiten die absoluten Kings waren, dann kommen die mit ihrem breiten sächsischen Dialikt und keiner findet was dran. Die sind ja mit ihrer Arbeit auch sooooo was von gut, die können sich das dann deshalb erlauben. Doppelmoral ist das, pure Doppelmoral!

Sächsich war zu August's Zeiten mal die Hofsprache.



zuletzt bearbeitet 07.09.2017 10:04 | nach oben springen

#13

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 07.09.2017 10:04
von merte | 446 Beiträge

Es ist aber so, dass die Norddeutsch-tiefgeebneten regionale sprachliche Besonderheiten genauestens berücksichtigen, ja!
So werden die norddeutschen Städte, die mit -burg enden mit langem Vokal gesprochen und -ch, Hambuhrch, Luehnebuhrch und natürlich Machdebuhrch, währenddessen die süddeutschen korrekt mit kurzem Vokal und -g gesprochen werden, Würzburg, Regensburg usw, ja!

Handelte es sich evtll bis den beanstandeten Verträgen um solche die nur die Tiefenebene betreffen und es sich somit um Vertraeche handelt?
Achtunk, Satire!


Ich bin verantwortlich für Das was ich schreibe, nicht für Das, was ihr darunter versteht(verstehen wollt!


zuletzt bearbeitet 07.09.2017 10:05 | nach oben springen

#14

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 07.09.2017 10:44
von Meridian | 2.839 Beiträge

Ich erinnere mich noch an die 80er-Jahre, als während der Werbung bei ARD immer wieder s'Pferdle und s'Äffle gezeigt wurden. Als gebürtiger Schwabe war das natürlich selbstverständlich. Aber die Norddeutschen dürften die beiden Figuren ja auch auf schwäbisch gehört haben. Wer kennt die beiden noch?

https://www.youtube.com/watch?v=KRY5CWYxuMo


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#15

RE: Sprache in Funk und Fernsehen

in Medien 07.09.2017 10:46
von Mellnau (gelöscht)
avatar

Zitat
Als Sachse stört mich da eher das unser Dialekt nicht gerne gehört



Ich kenne eine nette Sächsin, die nun aber in Meck-Pomm wohnt.
Und ich höre ihren Tonfall sehr gerne, wenn ich mit ihr telefoniere.

-----------------

Es gibt allerdings verschiedene Varianten und Abstufungen von Sächsisch.
Und nicht jede Variante klingt nett in meinen Ohren.


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