#1

Moral ist, was man daraus macht?

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 12.08.2017 11:13
von Anthea | 12.430 Beiträge

Denn "Moral" ist ein oft ge- und missbrauchter Begriff mit inflationärem Charakter, wo keiner - eigentlich - wirklich etwas mit anzufangen weiß. Denn „Moral“ ist keine Konstante, die festlegend definiert werden kann. Moral ist zerbrechlich, biegsam, interpretierbar, dem Zeitgeist untergeordnet. Und somit auch dem Cui bono! Und deshalb ist die Idee von einer „moralischen Welt“ mit einheitlichen Werten rein illusorisch. So denke ich.

Die Geschichte der Moral ist eine Geschichte von Urteilen und Vorurteilen. Im immerwährenden Streit um die Gut-Böse-Definition.

Was also ist moralisch? Ist Moral erlernbar oder bereits in uns angelegt? Wie der Biologe Hans Mohr behauptet. Wir brauchen moralisches Verhalten nicht zu lernen – es ist eine angeborene Disposition, die uns befähigt, das moralisch Richtige zu treffen.“

Hierbei nun frage ich mich, wenn die Moralvorstellungen von Menschen anderer Kulturen und anderer Rassen unterschiedlich sind - sind dann die entsprechenden Regularien, was „Moral“ unter diesem Geburtsaspekt im hineingeborenen Umfeld bedeutet, bereits in den Genen der Neugeborenen jeweils unterschiedlich enthalten? Gibt es also diese „moralische Veranlagung“?

Ich denke, dass es über Moral viel zu diskutieren gibt. Im so genannten „Brainstorming“.


---


Die Ewigkeit bewahrt nur die Liebe, weil sie von gleicher Natur ist.
Khalil Gibran


zuletzt bearbeitet 12.08.2017 11:13 | nach oben springen

#2

RE: Moral ist, was man daraus macht?

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 12.08.2017 12:02
von Hamlets Gummibärchen (gelöscht)
avatar

Zitat von Anthea im Beitrag #1
Was also ist moralisch? Ist Moral erlernbar oder bereits in uns angelegt? Wie der Biologe Hans Mohr behauptet. Wir brauchen moralisches Verhalten nicht zu lernen – es ist eine angeborene Disposition, die uns befähigt, das moralisch Richtige zu treffen.“

Was der Herr Mohr sich natürlich vornehm schenkt, ist, darzulegen, was denn die Sätze dieser angeborenen Moral sein sollen. Die Urform des kant´schen kategorischen Imperativs - was Du nicht willst, daß man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu - kann es jedenfalls nicht sein. Denn dagegen wird Tag für Tag millionenfach verstoßen.

Überhaupt ist die Verlagerung von was auch immer ins Angeborensein der Versuch, ihm eine höhere Weihe und Unausweichlichkeit zu verleihen. Genau dies aber funktioniert nicht. Das Angeborene erhebt Anspruch auf Allgemeingültigkeit, eben auf Natürlichkeit, den menschliche Moral aber noch nie einlösen konnte.


"Bosheit, mein Herr, ist der Geist der Kritik, und Kritik bedeutet den Ursprung des Fortschritts und der Aufklärung" (Thomas Mann, Der Zauberberg)

Man kann aus keiner Mücke einen Elefanten machen, aber jeden Elefanten zur Schnecke.


zuletzt bearbeitet 12.08.2017 12:03 | nach oben springen

#3

RE: Moral ist, was man daraus macht?

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 12.08.2017 15:46
von denker_1 | 1.598 Beiträge

Ich halte Moral für das Gebäude der sozialen Regeln, die gerade nicht angboren, nur anerzogen sind. Wie würde sich wohl ein von strammen Nationalsozialisten erzogenes Kind verhalten. Nehmen wir weiter an, es gebe in dieser Zeit eine gleich reiche jüdische Familie mit einem gegenüber dem Naziking gleichaltrigen Kind. Und dann sei da noch eins, ebenso gleich reich wie die beiden anderen und ebenso gleichaltrig, aber dieses wächst in einer kommunistisch orientierten Familie auf. Völlig unterschiedliche Idelae. Ich glaube nicht, dass sich die Moralvorstellungen dieser 3 Kinder irgendwo decken. AUßer vielleicht, alle woillen überleben, also wird Mord für alle 3 ein schweres Verbrechen darstellen, allerdings auch nur innerhalb der eigenen Gruppe und da hapert es schon wieder sogar zwischen meinen hypothetischen Kindern. Ich behaupte daher, Moral ist nicht angboren sondern anerzogen.


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#4

RE: Moral ist, was man daraus macht?

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 12.08.2017 16:28
von Anthea | 12.430 Beiträge

Somit ist Moral Kognition: Erfassen/Wahrnehmen, Lernen, Erinnern, Denken...

Interessant auch das Problem von "Mord". Was eigentlich ein jeder verurteilen müsste. Festgeschrieben in den "Geboten", ob religiöser oder weltlicher Art. Bewusste Tötung von Lebewesen aus rein egoistischen Motiven heraus. Wäre es demnach "moralisch" vertretbar, ein Lebewesen, das mich z.B. nervt. zu töten? Die Fliege, die mich umsummt?

In seiner "Genealogie der Moral" spricht Nietzsche von "Gut und Schlecht". Und sieht für beides den Urprung bei/in Gott.


Die Ewigkeit bewahrt nur die Liebe, weil sie von gleicher Natur ist.
Khalil Gibran


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#5

RE: Moral ist, was man daraus macht?

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 12.08.2017 20:31
von Athineos | 551 Beiträge

Ich empfehle, Platons Höhlengleichnis zu lesen ...... Dort gibt es sehr wohl eine Idee des Guten, die dem Menschen sozusagen vor seiner Geburt gezeigt wird ( vereinfacht dargestellt ). Die Grundidee eines moralisch-ethischen Empfindens ist also im Menschen angelegt und keinesfalls AUSSCHLIEßLICH anerzogen!.


Μολών λαβέ!
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#6

RE: Moral ist, was man daraus macht?

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 12.08.2017 21:27
von Anthea | 12.430 Beiträge

Ich denke auch nicht an eine Ausschließlichkeit des Anerziehens. Sondern im Endeffekt ist es ein Kombinat von allem.Wobei es dann darauf ankommen wird, was Prägender war. Das Ursprüngliche, das Erlernte/Anerzogene oder die Fähigkeit zusammen mit dem Erlebten Rückschlüsse zu ziehen.

Ist es nicht eigentlich ein Widerspruch, dass im Biblischen "Gut sein" empfiehlt, dass man so werden soll wie die Kinder. Also "ohne Arg"? Ursprünglich?


Die Ewigkeit bewahrt nur die Liebe, weil sie von gleicher Natur ist.
Khalil Gibran


zuletzt bearbeitet 12.08.2017 21:28 | nach oben springen

#7

RE: Moral ist, was man daraus macht?

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 13.08.2017 10:45
von Athineos | 551 Beiträge

Zitat von Anthea im Beitrag #6

Ist es nicht eigentlich ein Widerspruch, dass im Biblischen "Gut sein" empfiehlt, dass man so werden soll wie die Kinder. Also "ohne Arg"? Ursprünglich?


Inwiefern?
Jede moralische Instanz legt Wert darauf, dass sich ihre Mitglieder so verhalten. Ob es klappt, steht auf einem anderen Blatt ....
P.S.: Ich hatte mit meiner Bemerkung nicht auf Sie, sondern auf die Veröffentlichung des Denkers reagiert.


Μολών λαβέ!


zuletzt bearbeitet 13.08.2017 10:47 | nach oben springen


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