#61

RE: Im Zeichen des Kreuzes

in Diverse Nachrichten 31.01.2018 18:07
von Till (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #60
Und um zum Schluss auf das Threadthema des Intros zurück zu kommen: Der Richter hat völlig falsch gehandelt. Als "Gastgeber", wie es Deutschland für die Menschen ist, die zu uns kommen und bleiben wollen, sollte man sich durchaus darum bemühen, ihnen freundlich und respektvoll zu begegnen. Aber auch Toleranz zu lehren.
Beispiel: Wenn ein muslimischer Gast an einem Essen von "Christen" teilnimmt, dann sollte man ihm, so er strenggläubig ist, z.B. keinen Alkohol anbieten oder ein extra Fleischgericht bereitet haben. Auf der anderen Seite jedoch sollten sich gläubige Christen auch nicht ihr Tischgebet versagen, der Gast muss nicht mitbeten. Aber anhören muss er es sich schon.
Nun ist ein Gerichtssaal allerdings kein Gasthaus. Ein Gericht ist ein Ort, der in jeder Hinsicht weltanschauliche Neutralität ausstrahlen muss. Wenn Bayern Richtern in Zukunft verbieten will, religiöse Symbole wie Kreuze oder Kopftücher sichtbar zu tragen - was ich für richtig halte -, dann ist das Abhängen von Kruzifixen ein überfälliger Schritt.



zuletzt bearbeitet 31.01.2018 18:07 | nach oben springen

#62

RE: Im Zeichen des Kreuzes

in Diverse Nachrichten 31.01.2018 19:02
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #60
Beispiel: Wenn ein muslimischer Gast an einem Essen von "Christen" teilnimmt, dann sollte man ihm, so er strenggläubig ist, z.B. keinen Alkohol anbieten oder ein extra Fleischgericht bereitet haben. Auf der anderen Seite jedoch sollten sich gläubige Christen auch nicht ihr Tischgebet versagen, der Gast muss nicht mitbeten. Aber anhören muss er es sich schon.



Das sehe ich ganz genau so. Wobei mir eine "Nebensaechlichkeit auffaellt, die bedeutungslos scheint, fuer mich dennoch augenfaellig ist.

Der Muslim, der keinen Alkohol trinkt, ist "strengglaeubig"
Der Tischgebet sprechende Christ ist nur "glauebig".

Mit dem Kreuz im Gerichtssaal hat das natuerlich wenig zu tun.



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#63

RE: Im Zeichen des Kreuzes

in Diverse Nachrichten 01.02.2018 01:05
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Anthea im Beitrag #60
Das würde ich zwar auch so empfehlen, aber... Nicht alle Menschen sind dazu fähig oder auch willens, sich ausführlicher Exegese zu bedienen, um etwas überhaupt verstehen zu können, was geschrieben steht. Und was als Richtlinie ihres Handelns gelten soll. Eben "Gottes Wort". Des unsichtbaren, fiktiven Wesens, das existent sein soll. Wobei jetzt das Wesen des Glaubens voll gefragt ist: Einfach ES hinnehmen und nicht weiter hinterfragen müssen Denn es existiert ja SEIN Wort. Niedergeschrieben von Menschenhand, später, nach seiner Zeit. Und immer wieder überarbeitet. Z.B. waren die Jünger Jesu einfache Menschen, Handwerker, Fischer... Eigentlich schwer anzunehmen, dass sie sich blumiger Sprache, Vergleiche, Metaphern bedienten.

Ich hatte einmal einer intellektuell eher einfachen Frau verständlich machen wollen, dass nun einmal die Bibel nicht wörtlich zu nehmen sei. Dass man sie lesen und interpretieren müsse. Und dass z.B. Dogmen "menschenhandgemacht" später hinzugefügt wurden. Ich erinnere mich nicht mehr, worum es ging. Jedoch erinnerlich ist mir, dass sie verwundert nach meinen Ausführungen mich ansah und fragte: "Und warum steht das denn nicht da?" Kluge Frage, so finde ich. Darob musste ich zwangsläufig ins "Schwafeln" geraten...

Meine Mutter sagte immer: Warum einfach, wenn es auch umständlich geht. Und so klingt dann auch der Spruch der Bibelstelle nach Matthäus 5,37 in Bezug auf die Bergpredigt etwas befremdlich hihsichtlich der Vorgaben, die da lauten: "Eure Rede sei Ja! Ja! Nein Nein!" Eine klare Absage also an Schwüre, Verstärkungen und für klare Aus- und Absagen.


Das, was deine Mutter als Einfach einschätzt......entspringt ihrem Zeitgeist. Zu Zeiten Jesus haben die Menschen die zugehörige Bildersprache äußerst gut verstanden. Es war normal, so zu reden.

Bezogen auf die Bibel kommen noch viele weitere Punkte erschwerend hinzu. Heute bezieht man sich bei Übersetzungen gerne auf gut vorliegende Texte aus dem Griechischen. Doch schon diese Texte waren Übersetzungen und Abschriften und Interpretationen der Originale.....

Schon der Anfang der Bibel........

In den griechischen Texten taucht dort der Begriff des LOGOS auf. Für Griechen (jener Zeit) ein Begriff, mit dem jeder etwas anfangen konnte - seine Bedeutung aber erschließt sich heute Deutschen kaum! Es ist eine Mischung aus: Geist, Sinn, Tat, Kraft, Mut, Wort, ... ... .....

Und je nach Übersetzer wird mal das ein oder andere benutzt. In Goethes Faust spielt Goethe genau mit diesem Punkt......


Den Altgriechen war föllig klar, was mit LOGOS gemeint war - heute haben wir Schwierigkeiten diesen Begriff in gängige europäsiche Sprachen zu adaptieren. Und dabei ist LOGOS nur die greichische Übersetzung noch älterer Texte......was war also tatsächlich im Original gemeint?

Ich habe starke und berechtigte Zweifel, dass heute weite Teile der Bibelleser in der subjektiven Interpretation der Texte auch nur annähern an dem dran sind, was spirituell hinter den weitgehend verschollenen Orginaltexten steckte......

Und die meisten derer, die sich zur Bibel äußern, haben noch nicht einmal den deutschen Text gelesen......

Fazit: das faktische Fundament der meisten "Christen" in Deutschland steht auf äußerst fragwürdigen Füßen. Würden sich die sogenannten Christen mal ernsthaft mit der eigenen Religion beschäftigen, würde klar werden, dass vieles, was scheinbar an Werten da ist, in der Praxis nicht mit der Religion übereinstimmt.

Ich plädiere locker für die These, gleiches kann man für Moslems, Juden und andere Religionsanhänger in ähnlicher Form herleiten. Die allermeisten suchen nicht nach ihren Wurzeln des Glaubens. Kritische Gläubige jeglicher Religion sollten aber genau dies tun!


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#64

RE: Im Zeichen des Kreuzes

in Diverse Nachrichten 01.02.2018 11:55
von Anthea | 12.385 Beiträge

Zitat
Zitat Atue

Das, was deine Mutter als Einfach einschätzt......entspringt ihrem Zeitgeist. Zu Zeiten Jesus haben die Menschen die zugehörige Bildersprache äußerst gut verstanden. Es war normal, so zu reden.

Bezogen auf die Bibel kommen noch viele weitere Punkte erschwerend hinzu. Heute bezieht man sich bei Übersetzungen gerne auf gut vorliegende Texte aus dem Griechischen. Doch schon diese Texte waren Übersetzungen und Abschriften und Interpretationen der Originale.....

Schon der Anfang der Bibel........

In den griechischen Texten taucht dort der Begriff des LOGOS auf. Für Griechen (jener Zeit) ein Begriff, mit dem jeder etwas anfangen konnte - seine Bedeutung aber erschließt sich heute Deutschen kaum! Es ist eine Mischung aus: Geist, Sinn, Tat, Kraft, Mut, Wort, ... ... .....

Und je nach Übersetzer wird mal das ein oder andere benutzt. In Goethes Faust spielt Goethe genau mit diesem Punkt......


Den Altgriechen war föllig klar, was mit LOGOS gemeint war - heute haben wir Schwierigkeiten diesen Begriff in gängige europäsiche Sprachen zu adaptieren. Und dabei ist LOGOS nur die greichische Übersetzung noch älterer Texte......was war also tatsächlich im Original gemeint?

Ich habe starke und berechtigte Zweifel, dass heute weite Teile der Bibelleser in der subjektiven Interpretation der Texte auch nur annähern an dem dran sind, was spirituell hinter den weitgehend verschollenen Orginaltexten steckte......

Und die meisten derer, die sich zur Bibel äußern, haben noch nicht einmal den deutschen Text gelesen......

Fazit: das faktische Fundament der meisten "Christen" in Deutschland steht auf äußerst fragwürdigen Füßen. Würden sich die sogenannten Christen mal ernsthaft mit der eigenen Religion beschäftigen, würde klar werden, dass vieles, was scheinbar an Werten da ist, in der Praxis nicht mit der Religion übereinstimmt.

Ich plädiere locker für die These, gleiches kann man für Moslems, Juden und andere Religionsanhänger in ähnlicher Form herleiten. Die allermeisten suchen nicht nach ihren Wurzeln des Glaubens. Kritische Gläubige jeglicher Religion sollten aber genau dies tun


Ich fange mal mit dem Schluss an, wo du schreibst:

Zitat
„Die allermeisten suchen nicht nach ihren Wurzeln des Glaubens. Kritische Gläubige jeglicher Religion sollten aber genau dies tun!“



Die „Wurzeln“ sehen nun einmal Gläubige in der Bibel beschrieben: Am Anfang war das Wort….Und darauf aufbauend lesen sie über den Werdegang der Menschheit unter der Aegide oder Fuchtel – je nachdem – ihres Gottes. Und besondere Forschungen geschichtlicher oder kultureller Art erscheinen ihnen nicht als notwendig. „Das war so zu der Zeit“. Und die Bibel als „Gottes Wort“ zu hinterfragen erscheint demnach vielen wirklich fundamentalistisch starren Gläubigen als blasphemisch. „Wer bist du Mensch…“

Und sie halten sich somit am „Wort“ selbst fest.

Die immer wieder übersetzte und geänderte Bibel beruhte in ihren (Ur)Anfängen auf wörtlicher Wiedergabe. Der eine erzählt dem, der andere gibt es weiter, ausgeschmückt, der andere versucht eine Nacherzählung mit eigenen Worten… Bis dann einer, viele, hingegangen sind und es aufgeschrieben haben. Auch Zeitzeugen wie die Apostel selbst. Kognition, eigenes Erleben, Empathie und Interpretation, das sind die Werkzeuge, um ein gutes Werk zu gestalten.

Das ist ähnlich der bunten Reihe, wo viele nebeneinander sitzen, der Erste dem Zweiten etwas ins Ohr flüstert, dieser den Satz weitergibt durchs Flüstern ins Ohr des Nächstsitzenden usw. Der Letzte der Reihe sagt dann laut den gehörten Satz, der in vielen Fällen überhaupt nichts mehr mit dem Eingangssatz zu tun hat…

Zitat
„Und je nach Übersetzer wird mal das ein oder andere benutzt. In Goethes Faust spielt Goethe genau mit diesem Punkt...


..
Faust spielt auf den Johannesprolog an, wenn er in seinem Studierzimmer sitzend den Text aus dem Griechischen übersetzt.

Geschrieben steht: ‚Im Anfang war das Wort!
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?“
Dann grübelt er und wendet sich weiteren Übersetzungen zu:
„Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn…
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh‘ ich Rat
Und schreib‘ getrost: Im Anfang war die Tat!“

Grandios. Der Zweifelnde, der sich nicht zufrieden gibt mit der Einstellung eines "Schülers": Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen".

Aber es gibt nun einmal viele Schüler, die sich begnügen...

---


Um das Herz und den Verstand eines anderen Menschen zu verstehen, schaue nicht darauf, was er erreicht hat, sondern wonach er sich sehnt. (Khalil Gibran)


zuletzt bearbeitet 01.02.2018 12:03 | nach oben springen

#65

RE: Im Zeichen des Kreuzes

in Diverse Nachrichten 01.02.2018 12:05
von SirPorthos | 3.127 Beiträge

Moin,

für mich zählt der Geist der Worte. Sowohl in der Bibel als auch in den Gesetzen unseres Landes.

Interpretation im historischen Kontext ist zum Verständnis unerlässlich.

Das erfordert eine Reife zur kritischen Analyse und Interpretation, über die leider nicht jeder verfügt. Auch viele Pfaffen nicht. Ich hatte wirklich tolle Lehrer und das war Thema der Quellenanalyse im Geschichtsunterricht der 10. Klasse.

Sapere aude !

Gruß aus der freien und Hansestadt Hamburg !



zuletzt bearbeitet 01.02.2018 12:17 | nach oben springen


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