#1

Meinungsfreiheit

in Medien 19.07.2017 23:09
von Till (gelöscht)
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Mit unserer Meinungsfreiheit ist es nicht weit her

Unter diesem Titel hat die Welt ein weinerliches Geschreibsel über die ach so miserable Debatten-Kultur in Deutschland gebracht. Dabei müssen Thilo Sarrazin, Johannes Saltzwedel, David Berger und Michael Kleeberg als Beispiele herhalten. Allen ist gemein, dass sie provokante Ansichten vertraten und in der öffentlichen Diskussion entsprechend Gegenwind bekamen:

Sarrazin mit seinem Buch "Deutschland schafft sich ab", das er während der Arbeitszeit bei der Bundesbank schrieb;

Saltzwedel, der als Mitglied einer Jury das "Sachbuch" "Finis Germania", ein Konglomerat rechtslastiger Verschwörungstheorien, von Rolf Peter Sieferle in die "Sachbücher des Monats" von NDR und SZ puschte;

Berger, der sich in einem vielfach als homophob empfundenen Beitrag gegen das Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare ausgesprochen hat;

Kleeberg, der bei der Frankfurter Poetikvorlesung mit einer Islamkritik "einige Zuhörer erregt" (FAZ) hat.

In allen Fällen hat es eine mehr oder weniger intensive öffentliche Diskussion gegeben; eine Diskussion, der einige anscheinend nicht gewachsen waren und die sie nach dem Motto "Austeilen ist leichter als Einstecken" als "inquisitorischen Eifer" und Einschränkung ihrer Meinungsfreiheit empfanden.

Eingeleitet wird der Artikel mit einer Erinnerung an Werner Finck. Zitat: „Da, wo es zu weit geht, fängt die Freiheit erst an“, schrieb der Kabarettist Werner Finck mit Blick auf seine Zeit im Dritten Reich, die er über Jahre in den Kerkern der Nazis verbrachte. In der heutigen Debatten-Kultur bei uns eine Parallele zur Nazi-Diktatur zu sehen, ist schon arg daneben. Im Fall "Finis Germania" hat sich der Schreiberling des Artikels dann auch nicht entblödet, von "Sippenhaftung" zu sprechen, weil der NDR die Zusammenarbeit mit der Jury zunächst bis zu einer Klärung der Auswahl-Verfahren ausgesetzt hat.

Der Autor sollte einmal einige Staaten Ost- oder Südosteuropas besuchen. Dort kann er studieren, wie Meinungsfreiheit eingeschränkt wird.


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#2

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 00:34
von Anthea | 12.274 Beiträge

Es gibt einen Spruch, den ich so noch nie nachvollziehen konnte. „Keine Toleranz gegenüber den Intoleranten“. Das ist so was wie „Wie du mir so ich dir“. Wie auch immer. Aber okay, jeder darf. Sind also alle wieder „eins“. Und jeder darf seinem eigenen Frust dann frönen.

Das „Problem“, dass diejenigen haben, die weinerlichen Jammerer, die meinen, dass die Meinungsfreiheit abgeschafft sei, liegt in ihnen selbst begründet. Mangelndes Stehvermögen, Kritikscheu oder auch eine bornierte Meinung von sich selbst als Meinungsbildner schlechthin. Der Art: Hugh, ich habe gesprochen Punkt. Widerspruch tut da weh, zerstört die Selbstwahrnehmung.

Viele waren in dem Irrglauben befangen, dass sie jemandem nicht sagen dürften, p.e. "Sie sind ein Ar*******". Das sei eine Beleidigung und könnte eine Strafe nach sich ziehen. Wenn sie jedoch sagen würden "Meiner Meinung nach sind Sie ein Ar*******", dann könnte man ihnen nichts anhaben. Weil ja das hohe Gut der Meinungsfreiheit da greifen würde.
Erstaunen groß, dass es gar nicht an dem war. Na so was.

Und wenn Gurus und Rattenfänger unterwegs sind, dann ist Dämonisierung ihr Programm. Da ist ein Feind schnell ausgemacht. Mit der Masse schwimmen, sich in dieser zu verstecken und mitzubrüllen, das ist leichter, als „nein“ zu sagen.

Respekt vor einem anderen haben, vor dessen Meinung, hat nicht zwangsläufig damit zu tun, diese selbst teilen zu müssen. Zur Kenntnis nehmen. Hinnehmen, dulden. Aber gut heißen, das ist nicht erforderlich.

Ich bin im Übrigen froh, den Ex-Pfaffen aus der "Schönen Aussicht" nicht mehr bei seinem Freiheitsgelaber hören zu müssen.
OT: Was macht der eigentlich jetzt? Waffengeschäfte? Damit "unsere" Freiheit irgendwo verteidigt werden kann


---


Träume, als lebtest du ewig - lebe, als stürbest du heute. James Dean


zuletzt bearbeitet 20.07.2017 00:35 | nach oben springen

#3

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 09:57
von Hamlets Gummibärchen (gelöscht)
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Zitat von Till im Beitrag #1
Mit unserer Meinungsfreiheit ist es nicht weit her

Unter diesem Titel hat die Welt ein weinerliches Geschreibsel über die ach so miserable Debatten-Kultur in Deutschland gebracht. Dabei müssen Thilo Sarrazin, Johannes Saltzwedel, David Berger und Michael Kleeberg als Beispiele herhalten. Allen ist gemein, dass sie provokante Ansichten vertraten und in der öffentlichen Diskussion entsprechend Gegenwind bekamen:

Sarrazin mit seinem Buch "Deutschland schafft sich ab", das er während der Arbeitszeit bei der Bundesbank schrieb;

Saltzwedel, der als Mitglied einer Jury das "Sachbuch" "Finis Germania", ein Konglomerat rechtslastiger Verschwörungstheorien, von Rolf Peter Sieferle in die "Sachbücher des Monats" von NDR und SZ puschte;

Berger, der sich in einem vielfach als homophob empfundenen Beitrag gegen das Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare ausgesprochen hat;

Kleeberg, der bei der Frankfurter Poetikvorlesung mit einer Islamkritik "einige Zuhörer erregt" (FAZ) hat.

In allen Fällen hat es eine mehr oder weniger intensive öffentliche Diskussion gegeben; eine Diskussion, der einige anscheinend nicht gewachsen waren und die sie nach dem Motto "Austeilen ist leichter als Einstecken" als "inquisitorischen Eifer" und Einschränkung ihrer Meinungsfreiheit empfanden.

Eingeleitet wird der Artikel mit einer Erinnerung an Werner Finck. Zitat: „Da, wo es zu weit geht, fängt die Freiheit erst an“, schrieb der Kabarettist Werner Finck mit Blick auf seine Zeit im Dritten Reich, die er über Jahre in den Kerkern der Nazis verbrachte. In der heutigen Debatten-Kultur bei uns eine Parallele zur Nazi-Diktatur zu sehen, ist schon arg daneben. Im Fall "Finis Germania" hat sich der Schreiberling des Artikels dann auch nicht entblödet, von "Sippenhaftung" zu sprechen, weil der NDR die Zusammenarbeit mit der Jury zunächst bis zu einer Klärung der Auswahl-Verfahren ausgesetzt hat.

Der Autor sollte einmal einige Staaten Ost- oder Südosteuropas besuchen. Dort kann er studieren, wie Meinungsfreiheit eingeschränkt wird.

Die Gedanken sind frei und dürfen auch geäußert werden. Allerdings ist die Kritik an ihnen ebenso frei. Ein typisches Beispiel ist der von Dir schon angeführte Sarrazino. Er beklagt sich im Grunde nicht darüber, daß er seine Meinung nicht äußern durfte - wäre auch schwer zu beweisen: sie, seine Meinung, ist in zehntausendfacher Auflage erschienen -, sondern daß es doch tatsächlich Haderlumpen gab, die sie kritisierten und anzweifelten. Zur Meinungsfreiheit gehört auch die entgegengesetzte, die Meinungsvielfalt. Wer bin ich denn, daß ich von der Welt halten muß, was Sarrazin von der Welt hält?

Meinungsfreiheit beinhaltet auch das Recht, sich mit seiner Meinung zum hanswurstigen Trottel zu machen, und das Recht, es zu bemerken und zu kritisieren. Von ihrem Ende reden immer nur die, deren Meinung angreifbar genug ist, nur Kritik oder Gelächter zu ernten. Wenn Rechte - denn ist sind ja fast nur sie, die sich beklagen - die Medien voll jammern, daß sie nichts sagen können, ohne als Rechte abgestempelt zu werden, so ist das in mehrfacher Hinsicht lächerlich. Erstens ist Rechts-Sein keineswegs verboten. Also ist der Vorwurf der denunziatorischen Abwertung lächerlich - ich möchte einmal, nur ein einziges Mal einen aufrechten Rechten erleben, der dazu steht und nicht im Nachsatz das lächerliche "aber das darf man hierzulande ja nicht sagen" anbringt.Zweitens obliegt jedem die Pflicht, seine Meinung zu verteidigen. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit dem weinerlichen Gedöns, daß rechte Rechte immer wieder an den Tag legen, wenn man sie kritisiert. Drittens möchte ich in Erinnerung rufen, daß in den 70ern schon der Verdacht auf eine noch nicht einmal offen geäußerte linke Gesinnung äußerst gravierende Folgen haben konnte. Das nannte man damals Gesinnungsprüfung und ihr Ergebnis Berufsverbot. Welcher Rechte wurde denn schon einer solchen unterzogen und hatte einschneidende Folgen zu vergegenwärtigen?



zuletzt bearbeitet 20.07.2017 09:58 | nach oben springen

#4

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 13:42
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Till im Beitrag #1
Der Autor sollte einmal einige Staaten Ost- oder Südosteuropas besuchen. Dort kann er studieren, wie Meinungsfreiheit eingeschränken


Sollten wir uns an jenen messen - oder - es kommt halt immer auf den Massstab an.

Man "verbietet" in Deutschland keinem die Meinung zu sagen , man "untersagt" allenfalls. Zu viel "Polarisierung - zu viel Konflikt".
Wenn nichts mehr hilft, dann leistet die Antisemtismuskeule nuetzliche Dienste, kritische Stimmen verstummen zu lassen. Die Angst davor, die "rote" Linie zu ueberschreiten, laesst lieber schweigen als reden - und das Maentelchen der Meinungsfreiheit oder das, was wir gerne darunter verstehen moechten, ist bewahrt. Und wo ist die rote Linie der Meinungsfreiheit bzw. wer bestimmt diese?

Wo Meinungsfreiheit auf der Strecke bleibt:

Unzaehlige Male wurde in verschiedenen deutschen Staedten versucht, die Nakba-Ausstellung von "Breaking the Silence" zu verhindern. Nicht immer, aber zu oft mit Erfolg.
In Duesseldorf sollte das Stueck "die Palaestinenserin" des juedisch-israelischen Dramatikers Joshua Sobol aufgefuehrt werden. Es wurde "verhindert".
Die Duesseldorfer Gemeinde versuchte gegen den Auftritt von Roger Waters und "The Wall" einzuschreiten.
In Berlin wurden den beiden juedischen Journalisten David Sheen und Max Blumenthal der Saal in der Berliner Volksbuehne gekuendigt, als diese ueber die Verbrechen Israels in Gaza berichten wollten.
Gruppen der Friedensbewegung und des Palaestina-Solidaritaetsnetz fanden im offiziellen Programm der Kirchenleitung des Kirchentags keinen Platz. Sie wurden von ihm bewusst ausgegrenzt. Zu viel "Polarisierung, zu viel Konflikt"?

Zu was eigentlich sollte man seine Meinung auessern duerfen, wenn nicht zu einem Konflikt?

Die Stadt Heidelberg sagte eine Ausstellung ab, Bilder zweier Reha-Zentren im Gaza-Streifen und der Stadt Ramallah von traumatisierten Kindern gemalt, mit der Begruendung "sie besinne sich der "Neutralitaetspflicht".

In Bremen sollte im letzten Jahr ein Vortrag stattfinden, in dem sich der Bremer Publizist Arn Strohmeyer kritisch mit der Politik Israels auseinandersetzt. Doch der Leiter des Buergerhauses , wo die Veranstaltung stattfinden sollte, sagte kurzfristig ab - mit der Antisemitismuskeule in der Hand.

Ob Keule oder" Neutralitaetspflicht" - Meinungen kann man machen, man kann sie manipulieren oder auch unterdruecken.
Meinungsfreiheit sieht m.M.n. anders aus.



zuletzt bearbeitet 20.07.2017 13:45 | nach oben springen

#5

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 14:11
von Anthea | 12.274 Beiträge

Zitat von antenna im Beitrag #4
Zitat von Till im Beitrag #1
Der Autor sollte einmal einige Staaten Ost- oder Südosteuropas besuchen. Dort kann er studieren, wie Meinungsfreiheit eingeschränken


Sollten wir uns an jenen messen - oder - es kommt halt immer auf den Massstab an.

Man "verbietet" in Deutschland keinem die Meinung zu sagen , man "untersagt" allenfalls. Zu viel "Polarisierung - zu viel Konflikt".
Wenn nichts mehr hilft, dann leistet die Antisemtismuskeule nuetzliche Dienste, kritische Stimmen verstummen zu lassen. Die Angst davor, die "rote" Linie zu ueberschreiten, laesst lieber schweigen als reden - und das Maentelchen der Meinungsfreiheit oder das, was wir gerne darunter verstehen moechten, ist bewahrt. Und wo ist die rote Linie der Meinungsfreiheit bzw. wer bestimmt diese?

Wo Meinungsfreiheit auf der Strecke bleibt:

Unzaehlige Male wurde in verschiedenen deutschen Staedten versucht, die Nakba-Ausstellung von "Breaking the Silence" zu verhindern. Nicht immer, aber zu oft mit Erfolg.
In Duesseldorf sollte das Stueck "die Palaestinenserin" des juedisch-israelischen Dramatikers Joshua Sobol aufgefuehrt werden. Es wurde "verhindert".
Die Duesseldorfer Gemeinde versuchte gegen den Auftritt von Roger Waters und "The Wall" einzuschreiten.
In Berlin wurden den beiden juedischen Journalisten David Sheen und Max Blumenthal der Saal in der Berliner Volksbuehne gekuendigt, als diese ueber die Verbrechen Israels in Gaza berichten wollten.
Gruppen der Friedensbewegung und des Palaestina-Solidaritaetsnetz fanden im offiziellen Programm der Kirchenleitung des Kirchentags keinen Platz. Sie wurden von ihm bewusst ausgegrenzt. Zu viel "Polarisierung, zu viel Konflikt"?

Zu was eigentlich sollte man seine Meinung auessern duerfen, wenn nicht zu einem Konflikt?

Die Stadt Heidelberg sagte eine Ausstellung ab, Bilder zweier Reha-Zentren im Gaza-Streifen und der Stadt Ramallah von traumatisierten Kindern gemalt, mit der Begruendung "sie besinne sich der "Neutralitaetspflicht".

In Bremen sollte im letzten Jahr ein Vortrag stattfinden, in dem sich der Bremer Publizist Arn Strohmeyer kritisch mit der Politik Israels auseinandersetzt. Doch der Leiter des Buergerhauses , wo die Veranstaltung stattfinden sollte, sagte kurzfristig ab - mit der Antisemitismuskeule in der Hand.

Ob Keule oder" Neutralitaetspflicht" - Meinungen kann man machen, man kann sie manipulieren oder auch unterdruecken.
Meinungsfreiheit sieht m.M.n. anders aus.




Du verwechselst da mMn etwas. Die Meinungsfreiheit ist existent. Jedoch beinhaltet diese nicht automatisch die Verpflichtung anderer, dieser eine Plattform zu bieten. Das ist ärgerlich für den/die Zurückgewiesenen.

Kleines Beispiel: Leserbriefe. Es gibt kein Anrecht auf Publizierung seiner Meinung. Das ist überall so. Dennoch darf man sie kundtun, man muss dann eben weiter suchen, wo sie gehört werden will.

Und wenn die AfD einen Saal mieten will und diesen nicht erhält, dann jammert die genau so und meint "Meinungsdiktat" erkennen zu müssen. Stimmt ja auch, aber nur irgendwie.. Denn es spielt immer dort die Musik, wo die Macht liegt. In dem Falle bei Veranstaltern. Denn nicht jeder mag alle Weisen.
Und da kann man darüber sich ereifern, ob es dann tatsächlich eine Nazikeule ist - oder vorgeschoben.

Genau so ist es auch bei den von dir angeführten Fällen. Keine souveräne Handhabung - aber legal. Und bei deinen Fällen geht es dann um Antisemitismuskeule - tatsächlich oder vorgeschoben.

Ein Grund wird sich immer bei allem finden lassen, wenn man/jemand nicht will.


---


Träume, als lebtest du ewig - lebe, als stürbest du heute. James Dean


zuletzt bearbeitet 20.07.2017 14:16 | nach oben springen

#6

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 14:35
von antenna (gelöscht)
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Mag sein, dass ich etwas "verwechsle"

Aber: Was ist das fuer eine Meinungsfreiheit, wenn es stimmt, was Finkelstein behauptet, in dem Buch von Felicia Langer in ihrem Buch; "Brandherd Nahost" zitiert :
Es gibt deutsche Journalisten, die rufen staendig ihre Freunde in Amerika an und fragen, was sie schreiben duerfen. Sie kriechen geradezu im Staub vor den maechtigen juedischen Organisationenen. Jeder Journalist, der bei der Springer - Presse seine Karriere beginnt, muss seine Solidaritaet mit dem Staat Israel schriftlich "besiegeln"

Ich sagte doch, niemand "verbietet" in Deutschland eine Meinung, doch welchen Wert hat das, wenn es "untersagt" wird, eine Theaterstueck aufzufuehren, eine Ausstellung zu taetigen, ein Politiker oder Journalist seine Karriere riskiert, wenn er ehrlich seine kritische Meinung zu Israel.

Ich bin weder der eine oder andere. Dennoch habe ich manchen Maulkorerlass erfahren, wenn ich nichts weiter als meine Meinung zur israelischen Politik auessern wollte. Leuchtendes Beispiel das Forum des oeffentlich - rechtlichen Senders des Zweiten Deutschen Fernsehens.



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#7

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 15:08
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #5
Die Meinungsfreiheit ist existent. Jedoch beinhaltet diese nicht automatisch die Verpflichtung anderer, dieser eine Plattform zu bieten. Das ist ärgerlich für den/die Zurückgewiesenen.

Kleines Beispiel: Leserbriefe. Es gibt kein Anrecht auf Publizierung seiner Meinung. Das ist überall so. Dennoch darf man sie kundtun, man muss dann eben weiter suchen, wo sie gehört werden will.


Es ist eine Sache, einen Leserbrief nicht zu veroeffentlichen - eine voellig andere, Referenten wie Gideon Levy bis Ilan Pape direkt oder indirekt ein "Sprechverbot" zu erteilen und die Stadt Muenchen einen gemeinsamen SPD/CSU Antrag die "Kritik an Israel" einschraenken will.

Das ist nicht nur "aergerlich", sondern das Gegenteil von dem, was ich unter Meinungsfreiheit verstehe. Sorry, wenn ich immer wieder etwas verwechsle.



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#8

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 15:18
von Anthea | 12.274 Beiträge

Zitat von antenna im Beitrag #6
Mag sein, dass ich etwas "verwechsle"

Aber: Was ist das fuer eine Meinungsfreiheit, wenn es stimmt, was Finkelstein behauptet, in dem Buch von Felicia Langer in ihrem Buch; "Brandherd Nahost" zitiert :
Es gibt deutsche Journalisten, die rufen staendig ihre Freunde in Amerika an und fragen, was sie schreiben duerfen. Sie kriechen geradezu im Staub vor den maechtigen juedischen Organisationenen. Jeder Journalist, der bei der Springer - Presse seine Karriere beginnt, muss seine Solidaritaet mit dem Staat Israel schriftlich "besiegeln"

Ich sagte doch, niemand "verbietet" in Deutschland eine Meinung, doch welchen Wert hat das, wenn es "untersagt" wird, eine Theaterstueck aufzufuehren, eine Ausstellung zu taetigen, ein Politiker oder Journalist seine Karriere riskiert, wenn er ehrlich seine kritische Meinung zu Israel.

Ich bin weder der eine oder andere. Dennoch habe ich manchen Maulkorerlass erfahren, wenn ich nichts weiter als meine Meinung zur israelischen Politik auessern wollte. Leuchtendes Beispiel das Forum des oeffentlich - rechtlichen Senders des Zweiten Deutschen Fernsehens.






Das ist nun einmal so im Redaktionswesen, dass angestellte Redakteure/Journalisten nicht frei in dem sind, was sie schreiben. Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe.
So ist nun einmal eine Richtung vorgegeben.
Es gibt dann noch die Freien, die es natürlich schwer haben, ihre ganz eigenen Meinungsprodukte an den Mann, sprich: Redaktion zu bringen.

Dass Deutschland sensibilisiert ist durch die Gröfaz-Aera und die Verbrechen ist verständlich. Dass sich Verlage, in dem Falle der Springer, absichern, dass sie sich nicht irgendeinen Holocaust-Leugner oder Islam-Hasser als Laus in den Pelz setzen und somit es gewisse redaktionelle Vorgaben eines No Goes gibt, liegt auch in der Natur der Sache, wo eine Landeschefin Israel zur Chefsache gemacht hat.

Jedoch gibt es mMn genug Kritiker, die ungehindert ihre Meinungen veröffentlichen.
Du hast doch deine Kritiken vor Jahren beim ZDF auch veröffentlicht? Dass andere mit deiner Meinung nicht konform gingen, ist doch kein Kriterium dafür, dass es keine Meinungsfreiheit gibt?
Doch gibt es, und immer und überall gibt es auch zwei Seiten. Dass oftmals eine überlastig bedient wird, ist auch kein Novum.
Und dass jede Seite auf ihre Art "tendenziös" agiert, ist auch klar.


---


Träume, als lebtest du ewig - lebe, als stürbest du heute. James Dean


zuletzt bearbeitet 20.07.2017 15:19 | nach oben springen

#9

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 15:31
von Anthea | 12.274 Beiträge

Zitat von antenna im Beitrag #7
Zitat von Anthea im Beitrag #5
Die Meinungsfreiheit ist existent. Jedoch beinhaltet diese nicht automatisch die Verpflichtung anderer, dieser eine Plattform zu bieten. Das ist ärgerlich für den/die Zurückgewiesenen.

Kleines Beispiel: Leserbriefe. Es gibt kein Anrecht auf Publizierung seiner Meinung. Das ist überall so. Dennoch darf man sie kundtun, man muss dann eben weiter suchen, wo sie gehört werden will.


Es ist eine Sache, einen Leserbrief nicht zu veroeffentlichen - eine voellig andere, Referenten wie Gideon Levy bis Ilan Pape direkt oder indirekt ein "Sprechverbot" zu erteilen und die Stadt Muenchen einen gemeinsamen SPD/CSU Antrag die "Kritik an Israel" einschraenken will.

Das ist nicht nur "aergerlich", sondern das Gegenteil von dem, was ich unter Meinungsfreiheit verstehe. Sorry, wenn ich immer wieder etwas verwechsle.




Was ist denn der Unterschied, wenn die persönliche Meinung oder Kritik - oder was auch immer - an irgendetwas nicht veröffentlicht wird gegenüber einer Absage größerer Art an eine Ausstellung, die auch eine Meinung wiedergibt? Die Meinung einer der "Parteien", wenn ich es mal so ausdrücken darf: Israel versus Palästina - oder umgekehrt.

Es ist IMMER so, dass ein Abgelehnter von Unterdrückung seiner Meinung spricht.
Aber Gründe dafür gibt es nun einmal - auch wenn die vorgeschoben sein sollten.
"Diese Suppe ess ich nicht" - wie beim Struwwelpeter.

Es gibt sicherlich noch eine ganze Reihe von abgelehnten Events, die beantragt wurden und die sich nicht nur um das Thema "Israel" drehen. .
Ich würde mich freuen, wenn die "Meinungsfreiheit" der Neonazis hinsichtlich ihrer Veranstaltungen auch mehr "eingeschränkt" würde.


---


Träume, als lebtest du ewig - lebe, als stürbest du heute. James Dean


zuletzt bearbeitet 20.07.2017 15:32 | nach oben springen

#10

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 15:39
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #8
Du hast doch deine Kritiken vor Jahren beim ZDF auch veröffentlicht? Dass andere mit deiner Meinung nicht konform gingen, ist doch kein Kriterium dafür, dass es keine Meinungsfreiheit gibt?


Nein, natuerlich ist das kein Kriterium. . Und ich "durfte" meine Meinung "kundtun". Auch das ist richtig. Doch ich gehe wohl nicht falsch in der Annahme, dass meine israelkritischen Beitraege mit ein Grund waren, dass es zunehmend mehr und mehr Einschraenkungen gab, z.B. nur noch zu vorgegebenen Themen diskutiert werden konnte. Letztendlich nur noch zu wenigen ZDF - Sendungen. Meine unterschiedlichen Erfahrungen in einigen Foren waren nuetzliche Lektionen, was ich sagen darf und vor allem, was nicht - bishin zu Verwarnungen und Sperrungen. Doch wie gesagt, ich bin nur eine kleine Nummer und diese Erfahrungen sind keine Kriterien.



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#11

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 16:23
von merte | 446 Beiträge

Vllt sollte man in diesem Zusammenhang Mal bemerken, dass eben genau die Redakteure in die Blogger Szene einsteigen und ihre wahre Meinung und auch unterdrueckte Fakten veröffentlichen, oder?
Will sagen, die ständigen Warnungen vor Fakenews im Netz haben auch ihre Hintergründe und sind nicht immer gerechtfertigt.


Ich bin verantwortlich für Das was ich schreibe, nicht für Das, was ihr darunter versteht(verstehen wollt!
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#12

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 16:30
von Anthea | 12.274 Beiträge

Zitat von antenna im Beitrag #10
Zitat von Anthea im Beitrag #8
Du hast doch deine Kritiken vor Jahren beim ZDF auch veröffentlicht? Dass andere mit deiner Meinung nicht konform gingen, ist doch kein Kriterium dafür, dass es keine Meinungsfreiheit gibt?


Nein, natuerlich ist das kein Kriterium. . Und ich "durfte" meine Meinung "kundtun". Auch das ist richtig. Doch ich gehe wohl nicht falsch in der Annahme, dass meine israelkritischen Beitraege mit ein Grund waren, dass es zunehmend mehr und mehr Einschraenkungen gab, z.B. nur noch zu vorgegebenen Themen diskutiert werden konnte. Letztendlich nur noch zu wenigen ZDF - Sendungen. Meine unterschiedlichen Erfahrungen in einigen Foren waren nuetzliche Lektionen, was ich sagen darf und vor allem, was nicht - bishin zu Verwarnungen und Sperrungen. Doch wie gesagt, ich bin nur eine kleine Nummer und diese Erfahrungen sind keine Kriterien.




Ein Grund für die Einstellung der vielen ZDF-Foren peu à peu war ganz einfach der Tatsache gewidmet, dass es sprichwörtlich zu viele Späne beim Hobeln gegeben hat. Gemeint damit, dass der Umgang untereinander, die Themenvielfalt, überhaupt nicht von studentischen Moderatoren bewältigt werden konnte, denn sie hatten meistens einfach keine Ahnung.

Der Bereich, in dem du geschrieben hast, war ja sowieso von Anfang an moderiert, d.h. Freischaltung erst nach Lesen durch einen Mod. Mein Hauptbereich Politik war offen und zeichnete sich durch Trolle und Beleidigungen aus. Sogar die neutralen Kochforen wurden heimgesucht und im Fußballforum wurde manchmal im Minutentakt gelöscht und editiert....
Da die Bestimmungen für Forenbetreiber gerade zu dem Zeitpunkt in den Fokus gerieten, zog das ZDF die Reißleine. Bei einigen 100.000 angemeldeten Usern durchaus sinnvoll.

Dass das ZDF an der Bereitstellung solcher Plattformen kein Interesse mehr hatte - auch aus Kostengründen - war schade aber verständlich.

Im Übrigen könntest du jederzeit selbst einen Blog im Internet eröffnen und dort deine Meinung verbreiten. Daran würde dich niemand hindern. Du könntest dann höchstens Gefahr laufen, auf eine Liste ungewünschter Links zu gelangen. Gibt es ja. Dort steht zum Beispiel auch achgut oder PI News etc.

Das alles zur Meinungsfreiheit. Oder besser "Meinungsäußerungsfreiheit". Ich halte sie in Deutschland entgegen der Meinung von z.B. AfD-Jammerern für stabil.


---


Träume, als lebtest du ewig - lebe, als stürbest du heute. James Dean


zuletzt bearbeitet 20.07.2017 16:33 | nach oben springen

#13

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 16:36
von Anthea | 12.274 Beiträge

Zitat von merte im Beitrag #11

Vllt sollte man in diesem Zusammenhang Mal bemerken, dass eben genau die Redakteure in die Blogger Szene einsteigen und ihre wahre Meinung und auch unterdrueckte Fakten veröffentlichen, oder?
Will sagen, die ständigen Warnungen vor Fakenews im Netz haben auch ihre Hintergründe und sind nicht immer gerechtfertigt.


Richtig, merte. Und das ist auch gut so.


Träume, als lebtest du ewig - lebe, als stürbest du heute. James Dean
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#14

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 17:02
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #12
Im Übrigen könntest du jederzeit selbst einen Blog im Internet eröffnen und dort deine Meinung verbreiten. Daran würde dich niemand hindern. Du könntest dann höchstens Gefahr laufen, auf eine Liste ungewünschter Links zu gelangen. Gibt es ja. Dort steht zum Beispiel auch achgut oder PI News etc.


Es geht mir ueberhaupt nicht um die Verbreitung MEINER unwichtigen Meinung, sondern darum, dass es in einem Land wie Deutschland, in dem Meinungsfreiheit so hochgehalten wird, es keine Absagen von Ausstellungen wie beispielsweise jene der Nakba und andere geben darf. Das waren keine Einzelfaelle.
Ich habe noch andere Beispiele aufgefuehrt, die ich hier nicht wiederholen muss. Es kann nicht angehen, dass renommierte Historiker und Journalisten, hier wiederhole ich mich gerne und nenne die Namen Gideon Levy und Ilan Pappe, Redeverbote oder auch nur der Versuch von solchen erteilt werden.
Ich finde Vergleiche dazu von "AfD-Jammerern" nicht wirklich passend. Es geht hier naemlich u.a. nicht nur um Meinungen, sondern um das Vermitteln von Fakten.



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#15

RE: Meinungsfreiheit

in Medien 20.07.2017 17:09
von antenna (gelöscht)
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"Wie sagte der soeben in chinesischer Willkür-Haft verstorbene chinesische Nobelpreisträger Liu Xiabo, der seine „Straftaten“ in einem Wort zusammenfasste: „Sprechverbrechen“. Diktaturen haben davor Angst. Auch Zionisten, die nichts mehr fürchten als die Wahrheit, belegen unliebsame Gegner mit „Sprechverbrechen“, d.h. israelische Lobby-Gruppen üben massiven Druck aus gegen Israel-kritische Veranstaltungen oder Referenten die die BDS-Kampagne (Boykott, Divestment and Sanctions) unterstützen. Diese Art des Meinungsterrors, zumal noch unterstützt von Fraktionen aller Parteien in verschiedenen Städten Deutschlands und zuletzt auch in München und Wien, reiht sich ein in die lange Geschichte der versuchten „Sprechverbote“, der sich Israel-Kritiker ausgesetzt sehen."


Quelle:
http://sicht-vom-hochblauen.de/unser-ver...rechverbrechen/


---



zuletzt bearbeitet 20.07.2017 17:57 | nach oben springen


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