#1

Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 01:09
von Gelöschtes Mitglied
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Ich würde gerne mit euch mal das Thema der Vermögen - und in diesem Kontext der Vermögensverteilung besprechen. Als Einstieg vielleicht folgender Artikel:

SPIEGEL

Ähnliche Artikel konnte man die letzten Wochen lesen - aber auch die letzten Jahre immer wieder.

Tatsächlich halte ich die Vermögensakkumulation für ein weit unterschätztes Problem. Klar - ab und an wird mal wieder darüber geredet...und dann regelmäßig unsachlich die Neiddebatte geschürt. Ich würde das gerne mal versachlichen. Von manchem liberalen Geist wird gerne (und gar nicht so arg zu unrecht) eingeworfen, dass gerade wir in Deutschland die Vermögenden auch brauchen - denn da findet sich die Creme de la Creme unserer besten Unternehmer.

Ich möchte gerne mal einen anderen Ansatz reinbringen - auch einen, der meiner Überzeugung nach das Problem der Vermögensakkumulation nachhaltig lösen kann.

Zunächst also mal der Punkt, warum ich Vermögensakkumulation für ein Problem halte.
Platt gesprochen liegt das Problem darin, dass die Vermögenden gar nicht in der Lage sind, schnell genug wesentliche Teile ihres Vermögens wieder zu reinvestieren. Das bedeutet faktisch, dass bei einem akkumulierenden Vermögen immer mehr Investitionsvermögen nicht eingesetzt wird. Und wenn es eingesetzt wird - dann führt es in aller Regel einmal mehr dazu, dass sich die Vermögen noch mehr akkumulieren - was der breiten Bevölkerung aber Geld und Vermögen entzieht.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich habe nichts gegen Menschen, die sehr hohe Einkommen haben - also beispielsweise Fußballprofis oder populäre Stars....oder auch reiche Firmenbesitzer. Ich halte diese Art der Ungleichverteilung für normal - weil sich vor allem Einkommen immer im Wesentlichen nach Angebot und Nachfrage richtet.

Auch wäre es falsch, wenn man versuchen würde, gesellschaftlichen Sozialismus und Gleichmacherei zu betreiben - dass dies kein guter Weg ist, hat die Geschichte hinreichend bewiesen. Optimistisch für die Sozialisten kann man sagen, dass die Menschheit dafür noch nicht reif ist - pessimistisch könnte man sagen, dass solcherlei gleichmachende Ideologie schlicht und einfach am Wesen des Menschen vorbeigeht.

Mein Vorschlag zum Thema Vermögensakkumulation ist deshalb auch ein anderer - einer, der Vermögen durchaus als wünschenswert betrachtet. Es ist wünschenswert, dass sich Menschen um mehr Vermögen bemühen - denn häufig genug tun sie dies, indem sie die Gesellschaft wirtschaftlich innovativ voran bringen!

Bei der Frage allerdings, wie sozial sich eine Gesellschaft geben möchte - da liegt die Verantwortung doch eher beim Staat denn bei den Vermögenden. Deshalb werden die entsprechenden Entscheidungen auch in den Parlamenten gefällt - und die werden von allen gewählt.

Mein Vorschlag ist deshalb, dass sich die Finanzierung des Staates daran orientiert, welcher Reichtum vorhanden ist.

Konkret bedeutet dies: Wenn 45 Haushalte 50% des Vermögens der Republik besitzten, dann wäre es nur fair, wenn der Staatshaushalt (Gesamthaushalt von Bund, Ländern und Gemeinden sowie der Sozialversicherungen - ca. 1,3 Billionen Euro) zu gleichfalls 50% von diesen 45 Haushalten finanziert werden würde......

Es ist dabei gar nicht relevant, dass Vermögen auf die letzte Stelle vom Komma genau ermittelt wird......es geht eher um grobe Größenordnungen. Auch bei der Staatshaushaltsfinanzierung geht es nicht um die absolute Genauigkeit - bei einer Vermögensorientierten Besteuerung würden sich Ungleichheiten langfristig sowieso wieder ausgleichen. Es geht vor allem um das Bewußtsein, dass Menschen, die 50% des Vermögens der BRD besitzen, auch 50% des Staatshaushaltes finanzieren sollten.

Dies KANN muss aber nicht über eine Vermögenssteuer geschehen - man kann eine solche Steuer- und Abgabenverteilung auch näherungsweise (und das reicht aus) auch über andere Wege erreichen.

Würden wir unser Steuern- und Abgabensystem so organisieren - ca. 75% der Bevölkerung hätte damit eine ENTLASTUNG - weitere 20% wären ungefähr gleichgestellt, und ca. 5% der Bevölkerung würde höhere Steuern und Abgaben bezahlen müssen.

Gäbe es den Deckel nach oben - die Folge wäre: Es ist kein Problem, wenn jemand viel verdient - solange es zum Wohle aller ist, wird die Steuer- und Abgabenlast nicht wirklich steigen......

Unterm Strich fehlt uns dieses Regulativ derzeit, damit sich die Vermögensakkumualtion nicht als gesellschaftliches Problem erweist.


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#2

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 09:52
von Anthea | 12.282 Beiträge

Das wäre ein hochinteressantes - und vor allen Dingen vernünftiges! - Modell.
Jedoch nehme ich an, dass sich niemand daran wagen wird. Denn es war schon immer so: Geld kommt zu Geld. Daran hat man sich gewöhnt und sieht das somit als selbstverständlich an. "Man sieht nur die im Lichte..."

Wenn es wirklich um mehr Gerechtigkeit gehen würde, worum es ja angeblich immer gehen soll, so man die Lippenbekenntnisse unserer Politiker hört, dann wäre zumindest passiert, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter öffnet. Aber das ist nicht passiert. Probate Mittel dazu wurden schließlich aufgezeigt: Vermögenssteuern, Reichensteuer, Erbschaftssteuern, Begrenzungen von Gehältern etc....
Aber nein, nichts geschah. Außer großen Entsetzensschreien derjenigen, die betroffen gewesen wären, mit entsprechenden Erklärungen, was sie doch alles sowieso schon leisten...

Somit ist, so fürchte ich, Fatalismus angesagt: Es soll so bleiben wie es ist.

---


Um das Herz und den Verstand eines anderen Menschen zu verstehen, schaue nicht darauf, was er erreicht hat, sondern wonach er sich sehnt. (Khalil Gibran)
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#3

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 10:11
von fagussylvatica | 142 Beiträge

Eine kluge und sachliche Betrachtung ohne reißerischen oder gar hetzerischen Ton.

Ich bin weit weg davon eine der 45 Familien zu sein und sehe mich mit dem mir monatlich zur Verfügung stehenden Einkommen eher bei den unteren 50%. Aber ich habe Zugriff auf Immobilien und Produktionmittel die zu 100% wirtschaftlich genutzt werden und gesamtgesellschaftlich so positiv wirken. Rund 80 Arbeitnehmer erwirtschaften mit diesem "Vermögen" ihren Lohn und damit auch Sozialabgaben, Steuern und Zinsen um dieses Konglomerat zu bezahlen. Zudem ist ein Großteil dieses "Vermögens" im Wert ausgesprochen instabil. Es sind Lagerbestände die rund 50% des Wertes ausmachen aber im Zweifel für Dritte kaum einen Wert besitzen.

Jedes Jahr wenn ich meine "wirtschaftliche Offenlegung" für die Banken erstelle, wundere ich mich über die Zahl die ich "errechnet" habe und von der ich schlicht gar nichts habe außer einer 80 Stundenwoche und unruhige Nächte. Weder steht eine Oldtimer- Sammlung in der Garage, noch habe ich ein Ferienhaus in dem ich acht Wochen des Jahres zubringe, noch fliege ich Business Class. Im Gegenteil mach es mir schon heute Kopfzerbrechen wie ich zwei Kinder zeitgleich ein Studium finanzieren und ihnen empfehlen soll es mir nachzutun.

Ich habe einen losen Kontakt zu zwei schwerst "vermögenden" Familien/ Unternehmern. Der eine ist Daniel Roßmann der andere Aloys Wobben. Beide leben für ihre "Vermögensverhältnisse" unfassbar bescheiden. Bei beiden war es zum Zeitpunkt des engeren Kontaktes so, daß die Vermögenswerte ohne die Verbindlichenkeiten errechnet wurden. Aloys Wobben finanziert erhebliche Teile der errichteten Windparks vor und bei Roßmann ist der Lagerbestand -ähnlich wie bei mir auch- ein erheblicher Teil des Vermögens, der aber ausgesprochen kritisch zu bewerten ist (siehe Schlecker). Kaum eine Immobilie befindet sich im Eigentum der Familie Roßmann, zumindest hat diese keinen nennenswerten Anteil am Vermögen.

Wie soll man damit umgehen? Würde man beiden -Wobben und Roßmann- für die in Summe +/- 10 Mrd. € "Vermögen" veranlagen die immer kolportiert werden, wären beide Unternehmen binnen Monatsfrist insolvent.

Es gibt aber auch viele andere, die sich mit der Länge ihrer Yachten und dem Umfang ihrer Kunstsammlungen überbieten- auch in Deutschland. Hier kann ich von Herzen gönnen, sehe aber sehr gute Hebelpunkte zu Optimierung.

Ich empfinde die Einkommensteuer als ungerecht. Der Einstieg sollte in keinem Fall unter 16.000 € liegen (heute 8.800) und in keinem Fall sollte er mit 42% bei rund 52.000 € enden. Beide Zahlen haben mit der Lebenswirklichkeit wenig zu schaffen. Eine progressive Steigerung auf 49% (die 50 halte ich psychologisch stets für unklug) bis rund 100.000 € wäre für mein Verständnis der Dinge obligat. Weiter sehe ich aktive Vermögenspositionen ohne Schuldverpflichtungen in der Pflicht. Der Kapitalertrag ist hier entsprechend der Einkommensteuer zu besteuern, d.h. habe ich eine schuldenfreie Immobilie in Düsseldorf, so wirft diese im Regelfall eine stolze Rendite ab die ich heute vergleichsweise leicht in Rückstellungen parken kann. Plane ich das Dach zu sanieren, die Bäder oder aber andere Dinge, so kann ich die Erträge leicht ansparen und mich jeder Steuerpflicht auf Zeit -auch auf sehr lange Zeit- entziehen ohne auch nur einen Handschlag zu tun. Hier kann man, ähnlich wie bei Kapitalvermögen jeder Art, sehr leicht ran- so man denn will.

Mit solch einem Steuerystem würden "Aktivposten"- gleich ob Arbeit, Kapital und Produktionsmittel- motiviert werden aktiver zu werden und echte "Passivpositionen" würde ein messbarer Nachteil erwachsen. Man muß ja nicht gleich 50% durch die reichsten 50 finanzieren, aber mehr als heute ist im demokratischen Empfinden im Interesse alle- gerade auch derer die unter diesen stabilien und sicheren Umständen ihr Vermögen sicher aufbauen und genießen durften und dürfen.


Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten. -Willy Brandt-
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#4

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 11:33
von Findus (gelöscht)
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Zitat von Atue im Beitrag #1
Von manchem liberalen Geist wird gerne (und gar nicht so arg zu unrecht) eingeworfen, dass gerade wir in Deutschland die Vermögenden auch brauchen - denn da findet sich die Creme de la Creme unserer besten Unternehmer.


Das Argument stimmt nicht. Man denke an die vielen Dynastien von Industriellen, die ihr Vermögen einfach immer nur weiter vererben. Das hat nichts, aber auch wirklich gar nichts mit Leistung zu tun.
Man könnte jetzt sagen, dass Leistung etwas damit zu tun haben könnte, erfolgreich ein Start-up groß zu ziehen. Man denke an die IT-Branche und den Internethandel. Aber auch das ist nicht automatisch ein Kriterium für Leistung. Abgesehen von der großen Zahl der Start-ups, die Eintagsfliegen bleiben, ist es erstaunlich wie viele Unternehmen es sich als AG leisten können, jahrelang rote Zahlen zu liefern aber trotzdem an der Börse hoch gehandelt zu werden. Nein, das ist nicht Leistung, dass ist der Zufall der Spekulation. Streng nach marktlichen Kriterien dürften diese Unternehmen gar nicht mehr am Markt sein!

Zitat

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich habe nichts gegen Menschen, die sehr hohe Einkommen haben - also beispielsweise Fußballprofis oder populäre Stars....oder auch reiche Firmenbesitzer. Ich halte diese Art der Ungleichverteilung für normal - weil sich vor allem Einkommen immer im Wesentlichen nach Angebot und Nachfrage richtet.



Argumentierst du so, müsstest du aber auch die Elastizität mit einberechnen. Dementsprechend gibt es einen Punkt, an dem Arbeitnehmer auf einem Markt nicht bereit sind für zu niedrigen Lohn mehr zu arbeiten. Andersrum auch einen Punkt, an dem der Arbeitgeber nicht bereit ist, zu hohe Lohnforderungen zu erfüllen.
Durch "Fördern und Fordern" ist dieser Marktmechanismus zu Gunsten der Arbeitgeber ausgehebelt.
Hier erliegst du bereits zum zweiten Mal dem Fehlschluss, der Markt würde in der Realität nach Lehrbuch funktionieren.


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#5

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 11:48
von Jackdaw | 454 Beiträge

Zitat von Atue im Beitrag #1
[…] Platt gesprochen liegt das Problem darin, dass die Vermögenden gar nicht in der Lage sind, schnell genug wesentliche Teile ihres Vermögens wieder zu reinvestieren. Das bedeutet faktisch, dass bei einem akkumulierenden Vermögen immer mehr Investitionsvermögen nicht eingesetzt wird. […]
Die klassische Vorstellung von der Vermögensakkumulation basiert auf dem Zinseszinseffekt. In der gegenwärtigen Niedrigzinsphase (hie und da werden für Guthaben bereits Negativzinsen berechnet - da akkumuliert also höchstens der Vermögensschwund.
Zitat von Atue im Beitrag #1
[…] was der breiten Bevölkerung aber Geld und Vermögen entzieht. […]
Das ist natürlich Unsinn, denn die von Dir vorgeschlagene "rückstandslose Vermögens-Reinvestition" würde jegliche Wirtschaftstätigkeit torpedieren. Erstens würden "Investitionen" ohne Gewinnabsicht bloß eine weitere Überproduktionskrise (wie 1929/30er Jahre) herbeiführen, zweitens das bekannte "magische Viereck" empfindlich verzerren, was letztlich eine weit stärker um sich greifende Massenverarmung begünstigte.
Zitat von Atue im Beitrag #1
[…] Mein Vorschlag ist deshalb, dass sich die Finanzierung des Staates daran orientiert, welcher Reichtum vorhanden ist. […]
Na toll. Dann würde, salopp ausgedrückt, Normalbürgers Oma ihres in der Schatulle aufbewahrten Goldschmucks wegen von ihrer kargen Rente höhere Steuern zu zahlen haben, als jemand, der (geliehenes) Geld in Aktien fallender Kurse investiert hat… aus gutem Grund wird die Besteuerung an der Einkkommenshöhe orientiert, nicht an den Rücklagen.
Zitat von Atue im Beitrag #1
[…] bei einer Vermögensorientierten Besteuerung würden sich Ungleichheiten langfristig sowieso wieder ausgleichen. […]
Stimmt: Am Ende besitzt niemand mehr was… 


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#6

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 11:49
von Findus (gelöscht)
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Zitat von Jackdaw im Beitrag #5
Die klassische Vorstellung von der Vermögensakkumulation basiert auf dem Zinseszinseffekt. In der gegenwärtigen Niedrigzinsphase (hie und da werden für Guthaben bereits Negativzinsen berechnet - da akkumuliert also höchstens der Vermögensschwund.


Als wenn Buchgeld die einzige Form von Vermögen ist


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#7

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 11:59
von Findus (gelöscht)
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Zitat von fagussylvatica im Beitrag #3
Aloys Wobben finanziert erhebliche Teile der errichteten Windparks vor und bei Roßmann ist der Lagerbestand -ähnlich wie bei mir auch- ein erheblicher Teil des Vermögens, der aber ausgesprochen kritisch zu bewerten ist (siehe Schlecker).


Er lässt also allenfalls durch andere die Geschäfte regeln. Eine Stiftung regelt die Geschäfte (https://de.wikipedia.org/wiki/Aloys_Wobben).
Seine Firma Enercon ist für Gewerkschaftsfeindlichkeit und der klaren Position bekannt, keinen Betriebsrat im Unternehmen haben zu wollen (http://www.taz.de/!386054/ und http://www.taz.de/!413876/).
Wie willst du das anders nennen, als Vermögensakkumulation auf Kosten der Arbeitnehmer???



zuletzt bearbeitet 28.01.2018 12:00 | nach oben springen

#8

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 12:16
von fagussylvatica | 142 Beiträge

Zitat von Findus im Beitrag #7
Er lässt also allenfalls durch andere die Geschäfte regeln. Eine Stiftung regelt die Geschäfte (https://de.wikipedia.org/wiki/Aloys_Wobben). Seine Firma Enercon ist für Gewerkschaftsfeindlichkeit und der klaren Position bekannt, keinen Betriebsrat im Unternehmen haben zu wollen (http://www.taz.de/!386054/ und http://www.taz.de/!413876/). Wie willst du das anders nennen, als Vermögensakkumulation auf Kosten der Arbeitnehmer???


Geht es hier um Vermögen und darauf zu entrichtende Einkommenssteuer zur Staatsfinanzierung oder um Arbeitnehmerrechte? Ich sehe hier keine Schnittmenge.

Darüber hinaus sind Stiftungen ein pragmatisches Konstrukt um ein Unternehmsziel langfristig zu definieren. Sie sollten nur steuerlich nicht anders gefaßt werden, als als jede andere Gesellschaftsform. Enercon ist ein klassisches Startup und Wobben sowas wie ein Larry Page der Windräder. Visonären taugen für Ideen aber selten aber selten für die kaufmännische Abwicklung. Über Stiftungen können sie das Unternehmesziel dauerhaft und über den eigenen Tot hinaus festschreiben.

All das ändert aber nichts an der Vermögensdefinition. In jeder Bilanz sind den Aktiva die Passiva gegenüber gestellt. Bei Wobben sind das die Windräder die -einschließlich der Arbeitslöhne- vollständig durch das Unternehmen finanziert werden und somit in jedem Fall als anteilige Kosten gegen zu rechnen sind, solange sie nicht "bezahlt" sind.

Und um den hier verfehlten Themenkomplex "Gewerkschaften" noch mit einfließen zu lassen: die Leistungsfähigkeit vieler Betriebsräte stelle ich mal in Frage und stelle Enercon mal Volkswagen (Hartz, Volkert, Schuster), Siemens (Schelsky) und der Deutschen Bahn (Weselsky) gegenüber. Vielleicht magst Du da was zu sagen.


Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten. -Willy Brandt-


zuletzt bearbeitet 28.01.2018 12:18 | nach oben springen

#9

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 12:38
von Findus (gelöscht)
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Zitat von fagussylvatica im Beitrag #8

Geht es hier um Vermögen und darauf zu entrichtende Einkommenssteuer zur Staatsfinanzierung oder um Arbeitnehmerrechte? Ich sehe hier keine Schnittmenge.


Ohne Arbeitskräfte mag Wobben alle notwendigen Produktionsmittel haben, um eine Windenergieanlage zu bauen. Aber wenn er alleine alles zusammen schrauben müsste, würde er schlicht scheitern und nicht reich werden. Erst durch die Arbeit wird letztlich das Vermögen geschaffen.
Damit aber stellt sich die Frage nach Arbeitnehmerrechten und daran, welchen Anteil den Arbeitnehmern für ihren Fleiß in der Produktion oder für ihre gedankliche Leistung als Ingenieuer, der die Anlagen letztlich entwickelt, zusteht. Vom Montagearbeiter bis zum Ingenieur sind alles Arbeitnehmer, die dazu beitragen haben, dass die unternehmerische Vision überhaupt erst umgesetzt werden kann.

Warum als redet Atue über steuern? Weil Steuern einer der wenigen Verteilmechanismen sind, über die Staat einen gerechten Ausgleich herstellt. Schließlich steht jedem der mit Hand der Gedanke angelegt hat, ein kleiner Teil am entstandenen Vermögen zu.
Andersrum würdest du es auch nicht formulieren wollen.


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#10

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 12:50
von fagussylvatica | 142 Beiträge

Zitat von Findus im Beitrag #9
Ohne Arbeitskräfte mag Wobben alle notwendigen Produktionsmittel haben, um eine Windenergieanlage zu bauen. Aber wenn er alleine alles zusammen schrauben müsste, würde er schlicht scheitern und nicht reich werden. Erst durch die Arbeit wird letztlich das Vermögen geschaffen.


Mit der Antwort war zu rechnen. Paßt aber nicht in den angestoßenen, nationalen Kostenkomplex, weil Du das globale Moment ausblendest. Arbeit muß nicht mehr regional oder national erbracht werden. Wubben lebt in Aurich- was hindert ihn die Produktion in den Niederlanden aufzuziehen? Es ist nur ein Katzensprung. Enercon produziert heute unter anderem in der Türkei, Brasilien, Portugal und Schweden. Bewußt nicht in Asien und in den USA. Die Idee und die Technologie sind der Kern des Geschäfts- alles andere ist international "zukaufbar".

Der Ertrag landet in Aurich und somit in Deutschland. Welchen Anteil daran deutsche Gewerkschaften haben sollen ist mir nicht erklärlich.


Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten. -Willy Brandt-


zuletzt bearbeitet 28.01.2018 12:58 | nach oben springen

#11

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 12:59
von Findus (gelöscht)
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Zitat von fagussylvatica im Beitrag #10

Mit der Antwort war zu rechnen. Paßt aber nicht, weil Du das globale Moment ausblendest. Arbeit muß nicht mehr regional oder national erbracht werden. Wubben lebt in Aurich- was hindert ihn die Produktion in den Niederlanden aufzuziehen? Es ist nur ein Katzensprung. Enercon produziert heute unter anderem in der Türkei, Brasilien, Portugal und Schweden. Bewußt nicht in Asien und in den USA. Die Idee und die Technologie sind der Kern des Geschäfts- alles andere ist international "zukaufbar".

Der Ertrag landet in Aurich und somit in Deutschland. Welchen Anteil daran deutsche Gewerkschaften haben sollen ist mir nicht erklärlich.


Es hätte sich nichts geändert. Ob Wobben in Deutschland, den Niederlanden oder Mexiko alleine an WIndkraftanlagen schrauben würde oder nicht, er würde zwingend scheitern und nicht reich werden.
Auch in Mexiko oder den Niederlanden braucht Wobben Arbeiter und Ingenieure, damit eine reale Windkraftanlage entsteht. Den dortigen Arbeitnehmern (Arbeitern und Ingenieuren) steht daher ein gerechter Anteil am entstandenen Vermögen zu.
Die Standortfrage ist bezogen auf dieses Argument als irrelevant.

Die Niederlande und der Nordwesten Deutschlands sind eh ein eng verwachsener Wirtschaftsraum. Auf welcher Seite der Grenze Wobben produzieren würde, wäre also letztlich auch in dieser Hinsicht egal. Nun kommt sicher "Aber in Mexiko ist es billiger". Mag sein. Dort bekommst du aber nicht die Qualität an Produkt hergestellt, wie in einem westeuropäischen Werk.


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#12

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 13:14
von fagussylvatica | 142 Beiträge

Zitat von Findus im Beitrag #11
Ob Wobben in Deutschland, den Niederlanden oder Mexiko alleine an WIndkraftanlagen schrauben würde oder nicht, er würde zwingend scheitern und nicht reich werden.


Er kann in Lizenz anbieten. Fertig. Keine Produktionsstätten. Nur Know- How- Transfer. Vermögenakkumulation wie sie im Buche steht ohne Passiva- aber gerade das macht Wobben nicht. Daher die oben dargestellt Ausnahme.

Nun Bitte: Wo helfen hier Gewerkschaften? Und was hat der Komplex der "Gewerkschaft" mit der Vermögensakkumultion zu tun?


Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten. -Willy Brandt-
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#13

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 13:25
von Findus (gelöscht)
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Zitat von fagussylvatica im Beitrag #12
Er kann in Lizenz anbieten. Fertig. Keine Produktionsstätten. Nur Know- How- Transfer. Vermögenakkumulation wie sie im Buche steht ohne Passiva- aber gerade das macht Wobben nicht. Daher die oben dargestellt Ausnahme.

Nun Bitte: Wo helfen hier Gewerkschaften? Und was hat der Komplex der "Gewerkschaft" mit der Vermögensakkumultion zu tun?


Das dumme ist, dass wir eine arbeitsteilige Gesellschaft sind. Ronald Mc Donald kann vielleicht Fritten und Hamburger als Francise-System verkaufen. Eine Windenergieanlage will aber geplant werden. Dann kommen rechtliche Fragen ins Spiel. Eine gute Erfindung will durch ein Patent gesichert sein. Der Verkauf von Lizenzen erfordert einen gut ausgearbeiteten Vertrag. Irgendwer muss auch die Lizenzgebühren abrechnen.
Bereits beim reinen Lizenzverkauf hab ich verschiedene Professionen am Werk, die ihren Teil für einen guten Ablauf tun. Spätestens mit den Bürokräften in der Rechtsanwaltskanzlei und in Wobbens Buchhaltung läuft uns wieder der sozialversicherungspflichting Beschäftigte über den Weg. Bereits hier gelingt es dem Unternehmer nicht, ohne Hilfe weiterer Personen seine gewinnbringend Lizenzen an den Mann zu bringen.

Die Gewerkschaften ... Was ist das für eine dumme Frage, warum die Auftauchen? Die Tarifpartnerschaft und das Aushandeln von Löhnen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden ist der Teil unserer sozialen Marktwirtschaft, der für sozialen Frieden sorgt. Sie feiert in diesem Jahr ihren 100-jährigen Geburtstag.
So viel Verständnis für soziale Marktwirtschaft sollte doch vorhanden sein?!?



zuletzt bearbeitet 28.01.2018 13:27 | nach oben springen

#14

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 13:30
von Meridian | 2.839 Beiträge

Kleine Anmerkung von mir:

Windräder im Ausland produzieren lassen, bringt nichts. Denn im Gegensatz zu Photovoltaikanlagen, die fast alle aus China kommen, ist der äußerst aufwendige Transport von Windrädern das Haupthindernis. Insofern ist die deutsche Windindustrie bislang vor der chinesischen Billigkonkurrenz geschützt. Beim Export von Windrädern muss natürlich auch Enercon sich der Konkurrenz anderer Unternehmen stellen, die ebenfalls exportieren. Und das tun natürlich auch die Chinesen. Bislang kann Enercon durch seine gute Qualität und v.a. durch seine gesamte Wertschöpfungskette (Fundament, Turm, Gondel, Generator, Rotoren) überzeugen. Der Bau von Fertigungsanlagen im Ausland dient nur für die Herstellung dortiger WEA. Eine andere Gefahr wäre, wenn chin. WEA-Hersteller Standorte in Deutschland aufbauen. Bislang ist es nicht geschehen. Noch eine Gefahr wäre die (feindliche) Übernahme deutscher Windkraftunternehmen. Aktiengesellschaften wie Vestas müssen natürlich damit rechnen, aber Enercon ist und bleibt eine GmbH.

Was das Arbeitsrechtliche betrifft: Wenn das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt würde, wären Gewerkschaften kaum noch nötig. Ist das BGE so, dass man damit leben kann (wenn auch nicht im Luxus), werden die Unternehmen-Chefs sich sogar darum bemühen müssen, Angestellte zu gewinnen. Choleriker werden bald gemieden; die Internetbewertung tut ihr Übriges.


Die äußere Welt ist der Spiegel deines Inneren.
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#15

RE: Vermögensakkumulation

in Deutschland 28.01.2018 13:33
von Findus (gelöscht)
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Danke, Meridian.



zuletzt bearbeitet 28.01.2018 13:33 | nach oben springen


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