#1

Rohingya

in International 21.09.2017 21:38
von Till (gelöscht)
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Es ist ja wieder ruhiger geworden um das Drama der Rohingya in Myanmar (früher Birma). Es ist ja auch so weit weg, und wir haben ja bei uns viel größere Probleme.

Auf einer "unabhängigen" Nachrichten-Webseite konnte man über den Konflikt lernen, dass die Regierungschefin Myanmars einen exotischen Namen hat. "Aus heiterem Himmel greifen muslimische Terroristen buddhistische Dörfer an, die Armee geht dagegen vor", heißt es dort. Und überhaupt geht es in Wirklichkeit um die Beziehungen zwischen China und Myanmar, die den USA ein Dorn im Auge sind, und nur deshalb ist der Konflikt in den westlichen Fokus gerückt (was mich wiederum nicht wundern würde).

Für Myanmar sind die Rohingya illegale Einwanderer. Gemäß Staatsbürgerschaftsgesetz von 1982 haben sie keinen Anspruch auf die myanmarische Staatsbürgerschaft. Seit der Unabhängigkeit Birmas 1948 gab es 20 (!) groß angelegte Militäroperationen gegen die Rohingya, die massenhaften Tod, Verwüstung der Siedlungsgebiete und Heiligtümer sowie systematische Zerstörung der Infrastruktur brachte.

Zur Geschichte der muslimischen Rohingya (die allerdings erst seit kurzer Zeit diesen Namen führen) sollte man wissen, dass sie in einem Teil Myanmars (Rakhaing) leben, der früher ein selbstständiges Königreich war (Arakan), das von Birma erobert wurde und wegen birmanischer Grausamkeiten (heute würde man wohl Völkermord dazu sagen) 1826 von Großbritannien erobert und Britisch-Indien einverleibt wurde. Erst mit der Unabhängigkeit wurde das Gebiet Birma zugeschlagen.

Die Regierungschefin mit dem exotischen Namen Aung San Suu Kyi erhielt zwar 1991 den Friedensnobelpreis, aber sie ist dabei, sich in die Riege prominenter Politiker aus Nahost und USA einzureihen, die alles Mögliche verdient haben, nur nicht den Nobelpreis. Andererseits zeigt sich, dass sie wohl doch nur eine Marionette der Militärs in Myanmar ist.



zuletzt bearbeitet 21.09.2017 21:40 | nach oben springen

#2

RE: Rohingya

in International 21.09.2017 21:57
von Luftdrache (gelöscht)
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Zitat von Till im Beitrag #1
Gemäß Staatsbürgerschaftsgesetz von 1982 haben sie keinen Anspruch auf die myanmarische Staatsbürgerschaft.


Das Recht auf eine Staatsbürgerschaft findet sich in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (§ 15). Weil dieses Recht so bedeutend ist, ist es für Minderjährige in Artikel 7 der UN-Kinderrechtskonvention sogar extra nochmals als Kinderrecht aufgenommen worden.
Was also sagt uns das über einen Staat, der einigen seiner Einwohner seit über 30 Jahren keine Staatsbürgerschaft gewährt?


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#3

RE: Rohingya

in International 22.09.2017 09:10
von denker_1 | 1.609 Beiträge

Aus dem Eingangsbeitrag von @Till lese ich heraus, dass Rohingya einst ein selbständiger Staat war, der durch die Wirren der Kolonisierung durch Großbritannien gegen den Willen der Bürger zu Birma zugeschlagen wurde, wogegen sich diese jetzt gewaltsam wehren. Wobei vorherige burmesische Massaker gegen dieses Volk motivierend wirken, sich wieder von Burma unabhängig machen zu wollen.


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#4

RE: Rohingya

in International 22.09.2017 11:45
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Till im Beitrag #1
Die Regierungschefin mit dem exotischen Namen Aung San Suu Kyi erhielt zwar 1991 den Friedensnobelpreis, aber sie ist dabei, sich in die Riege prominenter Politiker aus Nahost und USA einzureihen, die alles Mögliche verdient haben, nur nicht den Nobelpreis


Wie wahr, Till - und einen Dank fuer das Aufgreifen dieses Themas. Das wollte ich schon seit laengerem getan haben, aber Myanmar - Burma oder Birma ist ja so weit weg.... was interessieren uns da die Menschenrechte.

Das sieht zumindest der Leuchtturmwaechter so, naemlich dass dieser Konflikt, manche sprechen auch von einem Genozid, weit weg ist von uns und wir haetten wahrlich andere Probleme... und wenn die Rohingya so unbeliebt seien, so wuerde das auch eine Vorgeschichte haben. Doch diese scheint ausserhalb seines Interesses.. Wie will man das dann auch beurteilen.? Immerhin weiss man im Leuchtturm von der Verweigerung der Staatsbuergerschaft seitens der Regierung gegenueber den Rohingya seit 1982 und haelt das fuer eine vernuenftige Regelung," die auch bei uns auf zugewanderte Muslime angewandt werden sollte."

Danke auf fuer den interessanten Link, von diesem man tatsaechlich einiges ueber den Konflikt lernen kann.

Die entzauberte Ikone und Friedensnobelpreistraegerin Aung San Sun Kyie tut nichts gegen dieses Leid und Vertreibung. Enttaueschend, denn von einer Friedensnobelpreistraegerin koennte man etwas Rueckgrat erwarten, selbst wenn sie ferngesteuer ist.
Mit ihr dachten auch die Muslime im Land, ihr Leben wuerde besser werden. Als sie Ende 2015 demokratisch gewaehlt wurde, beendete sie wohl nur nach außen hin die mehr als 50 Jahre dauernde Militärherrschaft im Land.



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#5

RE: Rohingya

in International 22.09.2017 14:09
von Luftdrache (gelöscht)
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Zitat von antenna im Beitrag #4


Wie wahr, Till - und einen Dank fuer das Aufgreifen dieses Themas. Das wollte ich schon seit laengerem getan haben, aber Myanmar - Burma oder Birma ist ja so weit weg.... was interessieren uns da die Menschenrechte.


Menschenrechte sind der Grundstein unserer Gesellschaft und unserer Werte. Menschenrechte müssen uns also interessieren, egal wo auf der Welt!

Was interessieren da noch irgendwelche Leuchtturm-Foren?



zuletzt bearbeitet 22.09.2017 14:10 | nach oben springen

#6

RE: Rohingya

in International 22.09.2017 14:26
von Minou | 149 Beiträge

Zur Geschichte der Rohingyas kann man sich bei Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Rohingya
informieren: " Die westliche Geschichtsschreibung geht davon aus, dass die muslimische Bevölkerung in Rakhaing ursprünglich auf deportierte und geflohene Bengalis zurückgeht, die von Königen im 16. und 18. Jahrhundert angesiedelt wurden. Der Anteil an Moslems an der Gruppe kann jedoch nicht mit Sicherheit bestimmt werden."

Wieder ein trauriges Beispiel dafür, dass es Gruppen von Einwanderern sogar nach Jahrhunderten nicht gelingt, von der Bevölkerung akzeptiert zu werden, wenn sie sich von den Einheimischen durch Sprache und Kultur unterscheiden. Ähnliches mussten die Deutschen in Osteuropa erleben, die Länder, die ihnen zur Heimat geworden waren, haben nach dem verlorenen Krieg die Gelegenheit ergriffen, die unerwünschten Einwanderer wieder loszuwerden.


Beginne den Tag mit einem Lächeln, denn jeder Tag ist ein Geschenk.
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#7

RE: Rohingya

in International 22.09.2017 18:44
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Luftdrache im Beitrag #5
Menschenrechte sind der Grundstein unserer Gesellschaft und unserer Werte. Menschenrechte müssen uns also interessieren, egal wo auf der Welt!


Genau dieser Meinung bin auch ich, Luftdrache. Dass das aber leider nicht bei allen und ueberall so ist, musste ich leider anderswo lesen. Fuer eine Urlaubsreise ist uns kein Ziel zu weit, wenn es aber um die Menschenrechte geht, dann ist ein Land und deren Menschen offenbar zu weit von uns entfernt, als dass man einen Gedanken an sie verschwenden sollte- schliesslich haben wir selbst genuegend Probleme. Man ist sich ja immer selbst der Naechste.

Die Tragoedie der Rohingya war und ist vergleichsweise wenig thematisiert in Deutschland. Es hatte mich schon immer interessiert, weshalb das so ist. Was der rechte Deutsche darueber denkt. Deswegen ist es nicht falsch, in anderen Foren ueber Meinungen zu lernen. Und in der Tat - man lernt nie aus....



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#8

RE: Rohingya

in International 23.09.2017 16:36
von grauer kater (gelöscht)
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Es ist wie immer! Wenn irgendwo eine Katastrophe oder ein Unglück passiert, wird zuerst darüber berichtet, wieviel US-Bürger, jüdische Israel, Juden dabei betroffen waren. Afrikaner, Lateinamerikaner, Asiaten etc. interessieren weniger. Auch bei den Europäern gibt es eine differenzierte Berichterstattung, Briten, Deutsche, Franzosen sind zweifelsohne wichtiger, als Russen oder Südeuropäer! Und wenn es Muslime betrifft, ist es nur am Rande ein Thema!

Rechte der Rohingya oder Palästinenser, Araber oder Iraner sind kein Thema, Völkerrecht ist für Herrenmenschen gemacht!



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#9

RE: Rohingya

in International 23.09.2017 16:54
von antenna (gelöscht)
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Zitat von grauer kater im Beitrag #8
Es ist wie immer! Wenn irgendwo eine Katastrophe oder ein Unglück passiert, wird zuerst darüber berichtet, wieviel US-Bürger, jüdische Israel, Juden dabei betroffen waren. Afrikaner, Lateinamerikaner, Asiaten etc. interessieren weniger. Auch bei den Europäern gibt es eine differenzierte Berichterstattung, Briten, Deutsche, Franzosen sind zweifelsohne wichtiger, als Russen oder Südeuropäer! Und wenn es Muslime betrifft, ist es nur am Rande ein Thema!

Rechte der Rohingya oder Palästinenser, Araber oder Iraner sind kein Thema, Völkerrecht ist für Herrenmenschen gemacht!



Wie wahr, grauer Kater.
Suu Kyi hat sich vor einigen Tagen zum ersten Mal oeffentlich zu den Vorgaengen in ihrem Land geauessert. Eine Verurteilung blieb aber aus. Stattdessen forderte sie "solide Beweise" fuer eine Vertreibung der Rohingya. - ganz so als lebte die Friedensnobelpreistraegerin auf einem anderen Planeten.



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#10

RE: Rohingya

in International 23.09.2017 17:08
von grauer kater (gelöscht)
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Die Friedensnobelpreise sind mehrheitlich politisch motiviert. Wenn es dabei um Verdienste für den Frieden ginge, müsste die Hälfte der Preisträger bisher den Preis zurückgeben, bzw aberkannt bekommen. Viel der Letzteren müssten, falls noch am Leben, direkt nach Den Haag vor den Internationalen Gerichtshof gestellt werden und sich dort verantworten müssen.



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#11

RE: Rohingya

in International 23.09.2017 17:29
von antenna (gelöscht)
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Zitat von grauer kater im Beitrag #10
Die Friedensnobelpreise sind mehrheitlich politisch motiviert. Wenn es dabei um Verdienste für den Frieden ginge, müsste die Hälfte der Preisträger bisher den Preis zurückgeben, bzw aberkannt bekommen. Viel der Letzteren müssten, falls noch am Leben, direkt nach Den Haag vor den Internationalen Gerichtshof gestellt werden und sich dort verantworten müssen.


"Wenn man Obama vor einen Internationalen Gerichtshof stellen würde, dann sollte man ihn dafür anklagen, dass er eine der extremsten Terroristen-Kampagnen der Welt organisiert hat." El Kaida sei schlimm, aber dieser Staatsterror sei noch schlimmer."

sagte Noam Chomsky im Kulturzeit-Interview ueber den Friedensnobelpreistraeger Obama... koennte.... wuerde....
kann man aber nicht!

Hier das ganze Interview: http://www.3sat.de/page/?source=/kulturz...0418/index.html



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#12

RE: Rohingya

in International 26.08.2018 19:35
von Findus (gelöscht)
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Zitat von Gast im Beitrag #1
Es ist ja wieder ruhiger geworden um das Drama der Rohingya in Myanmar (früher Birma). Es ist ja auch so weit weg, und wir haben ja bei uns viel größere Probleme.


Gestern jährten sich die Ereignisse in Birma. Es ist Regenzeit die Rohingya sitzen noch immer in Flüchtlingskamps in Bangladesch fest. Die Weltgemeinschaft ist noch immer mit anderen Problemen befasst.


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#13

RE: Rohingya

in International 27.08.2018 16:34
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Findus im Beitrag #12
Die Weltgemeinschaft ist noch immer mit anderen Problemen befasst.


"Uno-Ermittler fordern Völkermordanklage gegen Militärs in Myanmar"
http://www.spiegel.de/politik/ausland/ro...-a-1225079.html

Inwiefern den noch immer in Fluechtlingcamps festsitzenden Menschen in Bangladesh damit geholfen ist, bleibt offen.



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#14

RE: Rohingya

in International 27.08.2018 23:08
von Gelöschtes Mitglied
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Es ist ein kleines politisches Signal - den Menschen in den Flüchtlingscamps bringt es im Minimum Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft, und damit auch die ein oder andere Hilfslieferung. Ein kleiner Lichtblick - aber vom großen Durchbruch sind wir weit entfernt.


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#15

RE: Rohingya

in International 28.08.2018 17:55
von Findus (gelöscht)
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Die Hilfslieferungen sind wichtig. Durch sie wird aber nicht mehr als eine reine Mindestversorgung erreicht.
Wo siehst du den Lichtblick? Eine Lösung des Konflikts sehe ich aktuell eher nicht.


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