"Deutsche Polizistin als türkische Agentin verdächtigt"
So titelte Welt/N24 vor einer Woche.
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"Es gibt ein Bild von ihr, da lächelt sie freundlich in die Kamera. Die langen blonden Haare fallen ihr über die Schulter, auf der akkurat gebügelten Bluse prangen drei silberne Sterne. Das Foto gehört zu einem Artikel, der die gelungene Integration einer jungen Frau beschreiben soll. Nennen wir sie Semra Melek, auch wenn das nicht ihr richtiger Name ist. Eine Hauptkommissarin bei der hessischen Polizei, geboren in der Türkei, aufgewachsen in Deutschland, Vorzeigebeamtin, Expertin für Migrationsfragen. Womöglich mit Kontakten zum türkischen Geheimdienst MIT, wie Recherchen der WELT AM SONNTAG ergaben."
Als Ergebnis einer routinemäßigen Überprüfung durch den Verfassungsschutzes wurde die Polizistin Ende 2016 als Sicherheitsrisiko bewertet. Routinemäßig war die Überprüfung, weil sie im Rahmen ihrer jetzigen Arbeit im LKA Zugang zu geheimhaltungsbedürftigen Verschlusssachen erhalten hätte.
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"Dabei finden sich in dem ersten Überprüfungsbericht zahlreiche belastende Hinweise. Dokumentiert sind darin unter anderem verdächtige Kontakte zu Mitarbeitern der türkischen Generalkonsulate in Frankfurt am Main und Mainz sowie zu Sicherheitsbehörden in der Türkei."
Für Welt/N24 war erwiesen, dass die türkischstämmige Hauptkommissarin Kontakte zum türkischen Geheimdienst hatte und deshalb vom Verfassungsschutz als Sicherheitsrisiko eingestuft wurde. Dies wurde jedoch vom LKA "vertuscht", um nicht das Bild von der Vorzeigemigrantin zu beschädigen. Ein gefundenes Fressen für die Rechtsbraunen.
Tatsächlich gehörten dienstliche Kontakte zu türkischen Behörden und Organisationen zum Aufgabenbereich der Hauptkommissarin, weshalb die Aussage „Sicherheitsrisiko“ vom früheren Chef der Hauptkommissarin und der LKA-Präsidentin Sabine Thurau revidiert wurde.
Fatal ist die ganze Geschichte nun für die Hauptkommissarin. Welt/N24 hat zwar einen falschen Namen benutzt, aber durch die detaillierte Beschreibung am Anfang des Artikels war sie leicht zu identifizieren. Türkische und kurdische Medien berichten mittlerweile mit Namen und Foto und erwecken den Eindruck, als wäre eine Agentin des türkischen Geheimdienstes enttarnt worden.
Wieder einmal zeigt sich, dass Welt und Bild nicht weit voneinander entfernt sind.
Einen detaillierteren Artikel zum Vorgang findet man im Wiesbadener Tagblatt.