#1

Freihandel - Pro und Kontra

in Ökonomie 05.07.2017 20:30
von Luftdrache (gelöscht)
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Freihandel, der Handel ohne Grenzen. Eng verbunden mit dem Begriff der Globalisierung. Im Zeitalter des Neoliberalismus allein demselben zugeschrieben. Ansonsten eher kritisch beobachtet. Oft auch durch Protektionismus praktisch in Ländern der Welt begrenzt.
Heute dann das nächste Freihandelsabkommen, dass in aller Stille vor der Tür steht. Jefta heißt es und soll den Freihandel zwischen EU und Japan regeln. Ein weiteres Abkommen der liberalen EU-Handelskommisarin Cecilia Malmström. Alles kurz vor der Einigung. Jefta fehlen bindende Abmachungen zur Umwelt, nachhaltiger Entwicklung und Arbeitsrecht.

Doch bei aller inhaltlich berechtigten Kritiken an den Freihandelsabkommen der letzten Jahre: Was ist von Freihandelsabkommnen im Grundsatz zu halten? Ist Protektionismus eine berechtige Antwort auf den Freihandel oder in einer zunehmend globalisierten und pluralen Welt am Ende gar das größere Übel?
Welche Position sollte eine soziale und fortschrittliche Politik gegenüber dem Freihandel einnehmen?



zuletzt bearbeitet 05.07.2017 20:30 | nach oben springen

#2

RE: Freihandel - Pro und Kontra

in Ökonomie 05.07.2017 20:46
von merte | 446 Beiträge

Also pro, ja....neee....,da fällt mir nix zu ein. Na wer die Spirale bei Lohn, Arbeitsrecht, Arbeitsplatz Sicherheit und Qualifikation immer weiter nach unten drehen will, der kann ja sowas unterstützen, das INSM wird begeistert sein!
Ist aber wohl der Zeitgeist!


Ich bin verantwortlich für Das was ich schreibe, nicht für Das, was ihr darunter versteht(verstehen wollt!
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#3

RE: Freihandel - Pro und Kontra

in Ökonomie 05.07.2017 20:54
von Luftdrache (gelöscht)
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Na gut. Dann einfach zwei unsortierte Gedanken.

1. Ein mögliches Pro-Argument: Der Freihandel hat nicht nur den Handel globalisiert, sondern zugleich einen reichen kulturellen Austausch zwischen den Ländern dieser Welt möglich gemacht.

2. Der Freihandel mag liberal sein, der Protektionismus ist konservativ. Die protektionistische Abschottung, z.B. a la Trump, steigert die Gefahr für Handelskriege und dürfte somit die soziale Not auf der Welt weiter vergrößern.


Oder eben auch kontra:

1. Auch wenn er in seiner Sturktur konservativ ist, ein wenig Protektionismus bietet immerhin die Möglichkeit, wieder stabile Binnenmärkte zu schaffen. Zugleich dumm nur, wenn alle Länder sich protektionistisch abschirmen würden. Dann würde das auch niemandem helfen.

2. So profitorientiert wie Freihandel heute gemacht wird, ist der Verbraucher immer der Dumme.



zuletzt bearbeitet 05.07.2017 21:05 | nach oben springen

#4

RE: Freihandel - Pro und Kontra

in Ökonomie 05.07.2017 22:05
von Till (gelöscht)
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Freihandel funktioniert eigentlich nur zwischen Partnern, die wirtschaftlich und sozial auf Augenhöhe angesiedelt sind. Freihandel mit Ländern wie China u.a., die Sozialdumping praktizieren, ist problematisch; so wie sich die EU Freihandel mit Afrika vorstellt, bleibt die dortige heimische Wirtschaft auf der Strecke.


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#5

RE: Freihandel - Pro und Kontra

in Ökonomie 05.07.2017 22:20
von Luftdrache (gelöscht)
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Du hast da durchaus Recht, Till.
Ist das aber ein Argument für Protektionismus? Oder ist das ein Argument für eine neue Zwischenkategorie "fairer Freihandel"?


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#6

RE: Freihandel - Pro und Kontra

in Ökonomie 05.07.2017 22:30
von Till (gelöscht)
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Wir brauchen tatsächlich so etwas wie einen "fairen Freihandel". Im Beispiel EU - Afrika würde beidseitiger Protektionismus keinem von beiden helfen.
Aber wir sollten mehr auf Einhaltung sozialer Standards drängen, speziell im Handel mit Ostasien. Es gibt zwar mittlerweile die Möglichkeit, Produktionsstätten dort zu kontrollieren, aber diese Kontrolle kann durch Vergabe von Teilen der Produktion an Subunternehmen viel zu leicht ausgehebelt werden.


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#7

RE: Freihandel - Pro und Kontra

in Ökonomie 05.07.2017 22:40
von Luftdrache (gelöscht)
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Zitat von Till im Beitrag #6
Wir brauchen tatsächlich so etwas wie einen "fairen Freihandel". Im Beispiel EU - Afrika würde beidseitiger Protektionismus keinem von beiden helfen.
Aber wir sollten mehr auf Einhaltung sozialer Standards drängen, speziell im Handel mit Ostasien. Es gibt zwar mittlerweile die Möglichkeit, Produktionsstätten dort zu kontrollieren, aber diese Kontrolle kann durch Vergabe von Teilen der Produktion an Subunternehmen viel zu leicht ausgehebelt werden.


Soweit ich weiss, haben wir noch keine Institution, die dies wirklich kontrollieren kann. Eigentlich ist so etwas nur aus einer starken Gewerkschaftsbewegung zu leisten und zu entwickeln.
Bei Ostasien denkst du an China?


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#8

RE: Freihandel - Pro und Kontra

in Ökonomie 05.07.2017 23:02
von Till (gelöscht)
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Ich denke an mehr oder weniger alle Länder im Osten Asiens, in denen wir billig produzieren lassen. Es gibt schon Abkommen zwischen Auftraggebern bei uns und Produzenten dort, dass regelmäßig und kurzfristig Kontrollen der Produktionsbedingungen durchgeführt werden. Aber wie ich schrieb, die lassen sich durch Einschaltung von Subunternehmen aushebeln.


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#9

RE: Freihandel - Pro und Kontra

in Ökonomie 06.07.2017 08:10
von Luftdrache (gelöscht)
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Ich hab gelesen, was du schriebst.
Die Frage ist dennoch die, wer die vielen Subunternehmer den kontrollieren soll. Verträge und Abkommen sind nun einmal leider dazu geeignet, von Wirtschaftsunternehmen gerne umgangen oder zum Vorteil ausgelegt zu werden. Da bin ich vom Grundgedanken eher bei @merte.



zuletzt bearbeitet 06.07.2017 08:11 | nach oben springen

#10

RE: Freihandel - Pro und Kontra

in Ökonomie 06.07.2017 08:23
von thunibert (gelöscht)
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Zitat von Till im Beitrag #8
Ich denke an mehr oder weniger alle Länder im Osten Asiens, in denen wir billig produzieren lassen. Es gibt schon Abkommen zwischen Auftraggebern bei uns und Produzenten dort, dass regelmäßig und kurzfristig Kontrollen der Produktionsbedingungen durchgeführt werden. Aber wie ich schrieb, die lassen sich durch Einschaltung von Subunternehmen aushebeln.

Freihandel bedeutet nicht, in die Souveränität eines fremden Landes eingreifen zu wollen. Schiedsgerichte sind so ein Beispiel, da wird ein Parallelismus in der Rechtsprechung eingerichtet und wir wissen, die Justiz ist eine Staatstragende Säule eines jeden Landes.

Auch Arbeitnehmerrechte sind die Sache eines jeden Landes, so schwer mir das über die Lippen kommt, denn gerne (sehr gerne) würde ich stabile Arbeitnehmerrechte auch in Ländern wie Bangladesch sehen wollen.

Freiheit für Handel und Wandel, das ist für mich positiv belegt.


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#11

RE: Freihandel - Pro und Kontra

in Ökonomie 06.07.2017 13:30
von Luftdrache (gelöscht)
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Danke Thunibert. Auch hier finde ich wieder viele wichtige Gedanken.

Zitat von thunibert im Beitrag #10

Freihandel bedeutet nicht, in die Souveränität eines fremden Landes eingreifen zu wollen. Schiedsgerichte sind so ein Beispiel, da wird ein Parallelismus in der Rechtsprechung eingerichtet und wir wissen, die Justiz ist eine Staatstragende Säule eines jeden Landes.


Du beschreibst genau ein Kernproblem, dass den Freihandel der G20 ausmacht.

Zitat
Auch Arbeitnehmerrechte sind die Sache eines jeden Landes, so schwer mir das über die Lippen kommt, denn gerne (sehr gerne) würde ich stabile Arbeitnehmerrechte auch in Ländern wie Bangladesch sehen wollen.



Die Möglichkeit, Arbeitnehmerrechte auszuweiten fällt m.E. zu großen Teilen auch den Gewerkschaften zu. Leider wird gewerkschaftliche Arbeit in vielen Ländern der Welt behindert.

Zitat
Freiheit für Handel und Wandel, das ist für mich positiv belegt.



Sobald du aber fairen Handel möchtest, wird es Gesetze zum Schutz der Menschen geben müssen.


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