#1

Die Flüchtlinge als Katalysator?

in Deutschland 18.10.2017 19:38
von MaMi (gelöscht)
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Es gibt ein interessantes Phänomen in unserem Land. Die AfD hat bis auf wenige Ausnahmen im Schnitt in den Regionen ihre besten Wahlergebnisse, in denen es die prozentual geringsten Anteile von Migranten gibt.

Die Angst vor Überfremdung scheint mit wenigen Ausnahmen je höher, desto geringer der Anteil Fremder ist. Ist Angst vor Überfremdung etwa eine psychische Erkrankung?

Bei der vergangenen Bundestagswahl hatte die AfD ihr bestes Ergebnis von fast 50% in einer Gemeinde mit weniger als 1% Fremdenanteil.

Ist die Frage berechtigt, ob Flüchtlinge und Migration fremdkultureller Menschen nicht in Wirklichkeit nur eine Art Katalysator für eine ganz andere Art von Unzufriedenheit sind, welche andere Hintergründe hat als die scheinbar gesichert unterstellten?

So einfach ist die Sache, wie sie die ersten drei Abschnitte meines Beitrags zu suggerieren scheinen, natürlich trotzdem nicht.

Ich lebe in einer Kreisstadt mittlerer Größe in den alten Bundesländern. Hier haben längst mehr als 30% der Bevölkerung fremdkulturelle Wurzeln, wenn auch manche bereits in der zweiten oder dritten Generation oder die wenigstens seit 20-30 Jahren hier leben und die nicht selten sogar den hiesigen Dialekt sprechen. Der gebürtige Afghane, Iraner oder Marokkaner, der akzentfrei deutsch spricht, ist hier keine Seltenheit, begegnet einem im Alltag beinahe auf Schritt und Tritt.

Die AfD hatte in meiner Stadt eines seiner schlechtesten bundesweiten Einzelergebnisse mit unter 10%.

Trotzdem hatte die AfD ihr mit Abstand bestes Teilergebnis genau in dem Stadtviertel, in dem sich die beiden Flüchtlingsheime befinden, d.h. genau dort, wo die Bewohner die Flüchtlinge direkt vor ihrer Haustüre haben, was gleichzeitig auch das Stadtviertel ist, indem der Anteil der Wähler mit Migrantenwurzeln und deutschem Pass am höchsten ist.

Das Thema scheint komplexer zu sein als man es sich wünschen würde, jedenfalls dann, wenn man einfache Erklärungen für komplexe Fragen bevorzugt.


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#2

RE: Die Flüchtlinge als Katalysator?

in Deutschland 19.10.2017 06:23
von Archimedes | 148 Beiträge

Ich arbeite auch in so einem Städtchen. Im Ruhrgebiet. Und es ist schon verblüffend. Am Montag nach der Wahl Auszug aus einem Gespräch mit einer Dame so Ende 50. Das war doch gut so mit dem Wahlergebnis. "Die haben sich 50 Jahre lang nicht integriert. Nichts als Probleme mit denen. Auf die Frage, wer ihr denn in den letzten 50 Jahren immer schon unangenehm aufgefallen ist und sich nicht integriert habe, bekam ich die Antwort: "Und ann laufen die alle immer in den Burkas herum." Wann sie denn das letzte Mal in diesem unserem beschaulichen Städtchen das letzte Mal eine Burka gesehen habe, nahm sie ihre Sachen und ging.
Es ist ein zumindest großer Teil Psychologie am Start. Und vor allem auch bei Zugewanderten aus den ehemaligen Ostgebieten und Osteuropa. Ich sage dann immer gerne zu solchen Leuten. Wenn die Rechten erst mal die Moslems, dann die Südosteuropäer rausgeekelt hätten, wären sie die Nächsten.


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