#1

Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 12:40
von Till (gelöscht)
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Die Kurden in Nordirak haben zu 92% für einen eigenen Staat gestimmt. Wie geht es weiter?
Irak, Iran und vor allem die Türkei haben bereits mit Sanktionen bis hin zu militärischem Eingreifen gedroht. Von den westlichen Staaten ist kaum Unterstützung zu erwarten. Die USA sind "enttäuscht".
Manche sehen in den Kurden natürliche Verbündete des Westens - weniger religiös und prowestlich eingestellt. Die vergessen allerdings, dass es "die Kurden" so nicht gibt. Ich fürchte sogar, dass sich Kurden in der Türkei, in Syrien, im Irak und im Iran mittlerweile selbst nicht mehr als ein Volk sehen. Selbst in der Türkei sind die Kurden gespalten in die Anhänger der PKK und in streng religiöse Muslime, die mit den linken Vögeln der PKK nichts zu tun haben wollen und ohne die Erdogan sein Referendum in die Tonne treten könnte. Und bei uns gelten gerade Kurden aus der Türkei entweder als linke Terroristen oder als rückständige Islamisten.
Verklärung hilft also nicht weiter. Stattdessen wird es einen neuen Konfliktherd geben.


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#2

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 14:45
von antenna (gelöscht)
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"Die Kurden werden explizit von Israel unterstuetzt Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte bereits vor Monaten angekündigt, dass ein eigener Kurdenstaat im Interesse Israels sei. In der vergangenen Woche sagte Netanjahu laut Times of Israel, dass Israel zwar Terroristen wie die PKK ablehne, das Streben der Kurden nach einem eigenen Staat jedoch unterstütze. Israels Justizministerin Ayelet Shaked war laut Haaretz sogar so weit gegangen, zu sagen, dass ein Kurdenstaat „zuerst im Irak“ errichtet werden solle. Haaretz schreibt, dass diese Aussage darauf hindeute, dass Israel offenbar einen kurdischen Großstaat möchte, der sich auch in die Türkei und in den Iran erstrecken solle.

Türkische und israelische Zeitungen bringen Fotos, die Menschen in Erbil beim Schwenken von israelischen Flaggen zeigen."

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten...nimmt-konturen/

Somit koennte es Israel gelingen, noch mehr Zwietracht in der Region zu saeen.

Die israelische Justizministerin Ayelet Shaked hat offen das Kalkuel dahinter erklaert, naemlich die Tuerkei und Iran zu schwaechen. Durch die Unterstuetzung des kurdischen Seperatismus werden mehr Konflikte in Syrien, Irak, Iran und der Tuerkei provoziert. Mal schaun, wie weit die Macht der zionistischen Lobby reicht, dass auch die westlichen Staaten bis zu einem gewissen Grad den kurdischen Seperatismus unterstuetzen werden.



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#3

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 15:43
von Anthea | 12.282 Beiträge

Jetzt lasse man aber doch einfach mal Netanjahu, Israel oder wen auch immer weg, was die dazu meinen und sehe nur die Menschen, die autark sein möchten. Was ist daran schlimm? Einfach mal nur die Menschen betrachten, alles andere ausblenden. Denn es geht ja um deren Befindlichkeiten. In erster Linie.
Wer immer diese instrumentalisieren will, das ist erst einmal zweitrangig.


Jeder Tag ist der Anfang des Lebens. Jedes Leben ist der Anfang der Ewigkeit.
Rainer Maria Rilke
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#4

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 16:09
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #3
Einfach mal nur die Menschen betrachten, alles andere ausblenden. Denn es geht ja um deren Befindlichkeiten. In erster Linie.


ein schoener Gedanke, -- es geht erst mal nur um die Betrachtung der Menschen um deren Befindlichkeiten.
Leider ist das recht selten in der Politik - und gar in jener der ressourcenreichen Region des Nahen und Mittleren Ostens.
Da sind die Absichten und Einmischung Israels alles andere als zweitrangig, zumal damit neuer Konfliktstoff vorprogrammiert ist. Genug ist genug.



zuletzt bearbeitet 28.09.2017 16:09 | nach oben springen

#5

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 16:29
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #3
und sehe nur die Menschen, die autark sein möchten. Was ist daran schlimm?


An sich nichts. Doch wer sind die Kurden?

"Die Kurden sind nicht die homogene Masse, als die sie in der Öffentlichkeit oft erscheinen. Es beginnt schon mit der Sprache. Sie sprechen vier verschiedene Dialekte: Kurmandschi, Sorani, Zazaki und Gorani. Für einen Kurmandschen klingt Sorani so vertraut wie für einen Österreicher Plattdeutsch. Die Dialekte haben verschiedene Aussprachen, Begriffe, grammatische Besonderheiten und sogar verschiedene Schriften. Die Kurden haben verschiedene Religionen, politische Strukturen und extrem unterschiedliche Vorstellungen von Staatsformen. "

"Von "den Kurden" kann also auf der sowieso schon schwer zu überblickenden Lage im Nahen Osten keine Rede sein, von einem Kurdistan schon gar nicht. Eine solche Vereinfachung übersieht nicht nur die inneren Konflikte zwischen Kurden, sondern versucht sie auch auf eine Einheitlichkeit zu reduzieren, die sie nicht haben und wohl nie haben werden."


http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-...tonomie-tuerkei

Brauchen wir noch mehr Zuendstoff in dieser Region? Herrn Netanjahu kann ich nicht einfach beiseite schieben, als "zweitrangiges " Problem betrachten. Ich wuesste zu gerne, warum gerade er und seine Regierung ein "Volk" ohne Staat unterstuetzt.



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#6

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 16:56
von Till (gelöscht)
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Zitat von antenna im Beitrag #2
Die israelische Justizministerin Ayelet Shaked hat offen das Kalkuel dahinter erklaert, naemlich die Tuerkei und Iran zu schwaechen. Durch die Unterstuetzung des kurdischen Seperatismus werden mehr Konflikte in Syrien, Irak, Iran und der Tuerkei provoziert.
Traurig, aber wahr, dass die Unterstützung der Kurden nur auf machtpolitischem Kalkül beruht.
So wie sich die Lage darstellt, wäre ein kurdischer Staat ohne Duldung der Nachbarstaaten nicht lebensfähig, so berechtigt das Anliegen der irakischen Kurden auch ist.


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#7

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 17:10
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Till im Beitrag #6
Traurig, aber wahr, dass die Unterstützung der Kurden nur auf machtpolitischem Kalkül beruht.
So wie sich die Lage darstellt, wäre ein kurdischer Staat ohne Duldung der Nachbarstaaten nicht lebensfähig, so berechtigt das Anliegen der irakischen Kurden auch ist.


Leider. Alles ist ein Kampf um Macht und Rohstoffe.



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#8

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 17:13
von Anthea | 12.282 Beiträge

Zitat von antenna im Beitrag #5
Zitat von Anthea im Beitrag #3
und sehe nur die Menschen, die autark sein möchten. Was ist daran schlimm?


An sich nichts. Doch wer sind die Kurden?

"Die Kurden sind nicht die homogene Masse, als die sie in der Öffentlichkeit oft erscheinen. Es beginnt schon mit der Sprache. Sie sprechen vier verschiedene Dialekte: Kurmandschi, Sorani, Zazaki und Gorani. Für einen Kurmandschen klingt Sorani so vertraut wie für einen Österreicher Plattdeutsch. Die Dialekte haben verschiedene Aussprachen, Begriffe, grammatische Besonderheiten und sogar verschiedene Schriften. Die Kurden haben verschiedene Religionen, politische Strukturen und extrem unterschiedliche Vorstellungen von Staatsformen. "

"Von "den Kurden" kann also auf der sowieso schon schwer zu überblickenden Lage im Nahen Osten keine Rede sein, von einem Kurdistan schon gar nicht. Eine solche Vereinfachung übersieht nicht nur die inneren Konflikte zwischen Kurden, sondern versucht sie auch auf eine Einheitlichkeit zu reduzieren, die sie nicht haben und wohl nie haben werden."


http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-...tonomie-tuerkei

Brauchen wir noch mehr Zuendstoff in dieser Region? Herrn Netanjahu kann ich nicht einfach beiseite schieben, als "zweitrangiges " Problem betrachten. Ich wuesste zu gerne, warum gerade er und seine Regierung ein "Volk" ohne Staat unterstuetzt.





Gerade kommt mir das so vor, dass lediglich, weil Israel/Netanjahu das Anliegen des in einem Wahlergebnis klar geäußerten Wunsches nach Selbständigkeit einer bestimmten Völkergruppe unterstützt dies sofort auf "wenn" und "aber" bzw. Ablehnung stößt.
Ich möchte das jetzt aber nicht weiter vertiefen, da ich "(die) Kurden" oder wie diese oder jene ausgerichtet sind etc. zu wenig bzw. gar nicht kenne. Sondern lediglich der Meinung bin, dass man durchaus den Wunsch nach Eigenständigkeit unterstützen sollte.


---


Jeder Tag ist der Anfang des Lebens. Jedes Leben ist der Anfang der Ewigkeit.
Rainer Maria Rilke


zuletzt bearbeitet 28.09.2017 17:14 | nach oben springen

#9

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 17:16
von Till (gelöscht)
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Zitat von antenna im Beitrag #5
Herrn Netanjahu kann ich nicht einfach beiseite schieben, als "zweitrangiges " Problem betrachten. Ich wuesste zu gerne, warum gerade er und seine Regierung ein "Volk" ohne Staat unterstuetzt.
Und in einem viel näher liegenden Fall nicht.


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#10

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 17:19
von antenna (gelöscht)
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Zweifellos sollte man den Wunsch nach Eigenstaendigkeit unterstuetzen. Am schoensten waere es, wuerde das ganz uneigennuetzig geschehen.
Dass aber gerade Israel sich diesbezueglich als "Unterstuetzer" hervortut, ist ein ganz schlechter "Witz" .



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#11

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 17:23
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Till im Beitrag #9
Und in einem viel näher liegenden Fall nicht.



Ganz richtig, du sagst, was ich dachte. Doch ich wollte nicht schon wieder mit meinem Lieblingsthema nerven.
Sagen wir mal so: Israel sollte sein eigenes Haus aufraeuemen, waere an der Zeit nach fast siebzig Jahren.



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#12

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 17:39
von Anthea | 12.282 Beiträge

Zitat von antenna im Beitrag #11
Zitat von Till im Beitrag #9
Und in einem viel näher liegenden Fall nicht.



Ganz richtig, du sagst, was ich dachte. Doch ich wollte nicht schon wieder mit meinem Lieblingsthema nerven.
Sagen wir mal so: Israel sollte sein eigenes Haus aufraeuemen, waere an der Zeit nach fast siebzig Jahren.


Lach* Explizit war das auch gar nicht erforderlich. Durch die Blume war schon das "Nervige" erkennbar.


Jeder Tag ist der Anfang des Lebens. Jedes Leben ist der Anfang der Ewigkeit.
Rainer Maria Rilke
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#13

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 18:16
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #12
Durch die Blume war schon das "Nervige" erkennbar



Bravo... du hast mich mal wieder durchschaut.



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#14

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 18:56
von Till (gelöscht)
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@antenna
Zum Thema Religion der Kurden habe ich bei Wikipedia folgenden Satz gefunden: "Im Nordirak sind die Hanbaliten eine weit verbreitete Rechtsschule des sunnitischen Islams." Das wäre dieselbe Rechtsschule wie in Saudi-Arabien. Vielleicht ist dir dazu Näheres bekannt.


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#15

RE: Kurdistan?

in Naher und mittlerer Osten 28.09.2017 19:46
von antenna (gelöscht)
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Zitat von Till im Beitrag #14
@antenna
Zum Thema Religion der Kurden habe ich bei Wikipedia folgenden Satz gefunden: "Im Nordirak sind die Hanbaliten eine weit verbreitete Rechtsschule des sunnitischen Islams." Das wäre dieselbe Rechtsschule wie in Saudi-Arabien. Vielleicht ist dir dazu Näheres bekannt.


Till, leider ist mir da auch nichts Naeheres bekannt. Alles was ich dazu weiss ist, dass die Hanbaliten als streng konservativ in der Rechtsauslegung gelten und eigentlich in Saudi Arabien weit verbreitet sind.



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