#1

Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 18.11.2017 11:21
von Anthea | 12.282 Beiträge

So nennt Richard David Precht die Liebe.

Das eigentlich größte aller Themen? Nach der Frage des woher und wohin des Kommens und Gehens eigenen Weges? Oder vor dieser Frage? Egal, wo der Einzelne ihren Stellenwert sieht, es ist ein umfassendes Thema. DIE Liebe.

Glaube, Hoffnung und Liebe – das größte aber ist die Liebe… wenn man es religiös betrachtet. Und philosophisch bemühten und bemühen sich weiterhin viele daran.

"Die Liebe ist das Begehren und das Begehren ist der Mangel" – so Sokrates bei der Beschreibung des Eros. Und sobald dieser Mangel behoben sei, verschwinde auch das Gefühl. Schopenhauer erkannte später deprimiert: „Unser Leben schwingt, gleich einem Pendel, zwischen dem Schmerz und der Langeweile“. Wo unweigerlich man an Faust denkt: "So taumel ich von Begierde zum Genuss, und im Genuss verschmacht ich nach Begierde."

Aristoteles schrieb über eine weitere Form der Liebe: Philia. „Lieben heißt sich freuen“. Eine gewissermaßen freundschaftliche Form der Liebe, wie z.B. auch diejenige innerhalb einer Familie.

Spinoza artikuliert die Liebe als Sinnenfreude: Begierde ist die Essenz des Menschen selbst. Sie entsteht nicht aus Hunger, sondern aus Appetit. Denn Schönes kann man immer genießen.

Es gibt so viel zu schreiben über die Liebe. Spinoza p.e. würde es so ausdrücken: „Es ist schön, dass es dich gibt“.

Egal, wie Precht die Liebe nennt, ob ordentlich oder unordentlich. Sie ist für jeden anders fühlbar. Und für jeden auch nicht wirklich erklärbar – woher sie kommt und wohin sie geht…


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Ist das, was das Herz glaubt, nicht genau so wahr wie das, was das Auge sieht? Khalil Gibran
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#2

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 09.12.2017 10:58
von Anthea | 12.282 Beiträge

Wie schade, dass das Thema "Liebe" hier so stiefmütterlich behandelt, sprich: vernachlässigt wird.
War und bin ich doch der Meinung, dass es so viel darüber zu reden gibt.
Woran liegt jetzt die Stille? Vielleicht, weil Menschen "coram publico" nicht gerne über Gefühle sprechen? Hauptsächlich Männer?

Es gibt viele Formen der Liebe. Auch die "Hassliebe" ist eine. Die sich nicht festlegen kann: Halb zog sie ihn, halb sank er hin...
Liebe kann aufbauend und zerstörend sein. Fluch und Segen. Sinn des Lebens.
Miteinander sein - Mensch zu Mensch.
Nein, man kann nicht alle Menschen lieben, so wie es die Bibel vorgibt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Das ist in meinen Augen nicht durchführbar...
Aber Achtung und Respekt vor dem Leben der anderen, das sind die Geschwister der Liebe.

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#3

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 09.12.2017 11:19
von Findus (gelöscht)
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Ich z.B. verstehe die Überschrift nicht. Wie kann ein Gefühl unordentlich sein?
Ordnung hat etwas eher "maschinelles". Das hat doch nichts mit einem Gefühl zu tun!


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#4

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 09.12.2017 11:23
von Anthea | 12.282 Beiträge

Zitat von Findus im Beitrag #3
Ich z.B. verstehe die Überschrift nicht. Wie kann ein Gefühl unordentlich sein?
Ordnung hat etwas eher "maschinelles". Das hat doch nichts mit einem Gefühl zu tun!


Die Bezeichnung stammt - wie ich eingangs erwähnte - von Richard David Precht.
Und hier kann man interpretieren, beziehungsweise es so verstehen, dass es nicht einzuordnen ist. Nicht in eine Schublade zu packen und zu sortieren wie "weiße Wäsche", "bunte Wäsche".
Weil es einfach zu viele Formen der Liebe gibt.
Du kennst doch auch den Begriff "Gefühlschaos". Das trifft es wohl am ehesten, was Precht meinte. Ein "Chaos" ist immer ungeordnet. Von allem etwas - siehe dazu auch den von mir vorhin benutzten Begriff der "Hassliebe".

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#5

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 09.12.2017 12:04
von Findus (gelöscht)
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Mir würde das Begriffspaar "ordetlich" - "unordentlich" nicht in Bezug auf Gefühle - und schon gar nicht bezogen auf Liebe - einfallen. Ich schreibe es jetzt mal so: Das würde nicht zum Empfinden passen.

Das mti den Schubladen, ok. Precht möchte irritieren, dass ist ja auch gut. Was möchte er ansprechen? Den Kopf mit den Schubladen oder das freie und eigenwillige Herz, dass diese Schubladen nicht kennt?



zuletzt bearbeitet 09.12.2017 12:08 | nach oben springen

#6

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 09.12.2017 19:28
von Anthea | 12.282 Beiträge

Zitat von Findus im Beitrag #5
Mir würde das Begriffspaar "ordetlich" - "unordentlich" nicht in Bezug auf Gefühle - und schon gar nicht bezogen auf Liebe - einfallen. Ich schreibe es jetzt mal so: Das würde nicht zum Empfinden passen.

Das mti den Schubladen, ok. Precht möchte irritieren, dass ist ja auch gut. Was möchte er ansprechen? Den Kopf mit den Schubladen oder das freie und eigenwillige Herz, dass diese Schubladen nicht kennt?


Keiner der "liebt" oder zu lieben glaubt, wird beim momentanen Status der himmelhochjauchzenden Gefühle diese herabgewürdigt wissen wollen. Auch nicht mit "Liebe ist nur ein Wort", wie ein Roman- und Filmtitel heißt. Und das Wort "eigentlich" kommt erst, so ein Absturz in den Bereich des "zu Tode betrübt seins" erfolgt. Eigentlich hätte man es wissen müssen...
Wenn also Verstand und nüchternes Denken die Oberhand gewinnen. Und Illusionen als solche sich zu erkennen geben.

Erich Fried schrieb ein wundervolles Gedicht

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe


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#7

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 09.12.2017 19:32
von Findus (gelöscht)
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Ob die verliebte Person das wissen will, ist letztlich ihre Sache. Wahrscheinlich nicht, stimmt schon.
Aber sicher hat Precht nicht nur für Verliebte geschrieben?


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#8

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 10.12.2017 08:41
von denker_1 | 1.591 Beiträge

Lach! Ja, die Liebe hat von allem etwas. :)


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#9

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 10.12.2017 14:02
von Anthea | 12.282 Beiträge

Gerade jetzt zu Weihnachten ist/sollte Liebe ein ganz großes Thema sein. Ist es ja eigentlich auch. "Das Fest der Liebe". Schade eigentlich nur, dass sich nach den Feiertagen so vieles verflüchtigt.

Ich fand ein paar sehr schöne Sprüche über die Liebe

„Die Summe unseres Lebens sind die Stunden, wo wir lieben.“ (Wilhelm Busch)

„Glücklich allein ist die Seele, die liebt.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Und ganz besonders schön finde ich das Zitat von Erich Fried:

„Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemand bist du die Welt.“

Ganz besonders berührt hat mich als Kind - und tut es immer noch - die Geschichte von dem Mädchen mit den Streichhölzern. Allein - und ohne Zuwendung.

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#10

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 22.05.2018 17:25
von Anthea | 12.282 Beiträge

Angeregt von Jackdaw, der einige seiner Themen stiefmütterlich behandelt sieht, erinnerte ich mich an dieses.
Und fange jetzt einfach mal von vorne an.

Immer schon eines meiner Lieblingsthemen, denn darüber gibt es so unendlich viel zu schreiben. „Das Prechtige Lied der Liebe“ – so titelte die ZEIT 2009 nach der Herausgabe des 400seitigen Buches von Richard David Precht. Und sie stellt anfangs die Frage: „Ja, die Liebe ist schon ein Rätsel. Unerwartet kommt sie. Unangekündigt geht sie vielleicht auch wieder. Und was sie überhaupt ist, die Liebe, das beschäftigt nicht nur Literatur, Kunst und Film, sondern auch die Wissenschaften. […]“
Launige Bemerkung von Precht: Männer wollen auf die Venus und Frauen ein Mars…

Darum: Let’s talk about love. Himmelsmacht oder Verderben…

PS: Es soll hier nicht um Precht und sein Buch gehen. Diesen nahm ich nur als "opener".

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Um das Herz und den Verstand eines anderen Menschen zu verstehen, schaue nicht darauf, was er erreicht hat, sondern wonach er sich sehnt. (Khalil Gibran)
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#11

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 22.05.2018 17:45
von Till (gelöscht)
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Zitat von Anthea im Beitrag #10
Let’s talk about love.


Let's make love.


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#12

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 24.05.2018 13:40
von Anthea | 12.282 Beiträge

Zitat von Till im Beitrag #11
Zitat von Anthea im Beitrag #10
Let’s talk about love.


Let's make love.


Jetzt sind wohl alle deinem Vorschlag gefolgt und deshalb ist es so stille...


Um das Herz und den Verstand eines anderen Menschen zu verstehen, schaue nicht darauf, was er erreicht hat, sondern wonach er sich sehnt. (Khalil Gibran)
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#13

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 24.05.2018 20:09
von oisín | 112 Beiträge

Zitat von Anthea im Beitrag #12
Zitat von Till im Beitrag #11
Zitat von Anthea im Beitrag #10
Let’s talk about love.


Let's make love.


Jetzt sind wohl alle deinem Vorschlag gefolgt und deshalb ist es so stille...


Wäre ja auch nicht schlecht, oder?
Ich finde das jedenfalls nicht schlimm.
Hat noch was von echtem Leben...


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#14

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 24.05.2018 22:03
von Anthea | 12.282 Beiträge

Zitat von oisín im Beitrag #13
Wäre ja auch nicht schlecht, oder?
Ich finde das jedenfalls nicht schlimm.
Hat noch was von echtem Leben...



Ja, das stimmt wohl und bestimmt nicht schlimm.
Aber dennoch ist es ja kein Tabu Thema. Es sei denn, man(n)/frau will nicht darüber sprechen, weil es "schlimm" war.

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Um das Herz und den Verstand eines anderen Menschen zu verstehen, schaue nicht darauf, was er erreicht hat, sondern wonach er sich sehnt. (Khalil Gibran)


zuletzt bearbeitet 24.05.2018 22:04 | nach oben springen

#15

RE: Ein unordentliches Gefühl

in Allgemeine philosophische Betrachtungen 25.05.2018 11:17
von oisín | 112 Beiträge

Zitat von Anthea im Beitrag #14
Zitat von oisín im Beitrag #13
Wäre ja auch nicht schlecht, oder?
Ich finde das jedenfalls nicht schlimm.
Hat noch was von echtem Leben...



Ja, das stimmt wohl und bestimmt nicht schlimm.
Aber dennoch ist es ja kein Tabu Thema. Es sei denn, man(n)/frau will nicht darüber sprechen, weil es "schlimm" war.

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Werte "Dramaqueen" sprichst du jetzt aus Erfahrung? Oder wolltest du das nur so in den Raum werfen?


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