Wenn bereits zehn Prozent der Kinder in Großbritannien adipös sind, wird ein Verbot von Junkfood-Werbung kaum den erwünschten Erfolg zeigen. Überhaupt... liegt die Wurzel des Übels wohl weitaus tiefer begraben, ich sehe sie vor allem in der Verantwortung der Eltern. Die Kinder vor die Glotze platzieren, womöglich mit einer Tüte Chips oder einem Schokoriegel versorgt - und Ruhe ist.
Wie stehts mit der Bewegung der Kinder, die staatlich zu verordnen eher schwierig ist.?
Die Zeiten ändern sich und früher war bei weitem nicht alles besser, aber sehr viel anders. Wir konnten noch Federball auf der Strasse spielen, ich übte dort für die Bundesjugendspiele Weitwurf und Schlittenfahren ging gleich um die Ecke den Buckel runter, Autoalarm ziemlich selten. Nun gab es sogar die Diskussion um die Abschaffung der Bundesjugendspiele, die nun reformiert werden/wurden, das "Leistungsprinzip" soll geändert werden. Ärger mit dem "Elterntaxi" kannte man nicht, gabs nicht. Der Schulweg besonders für auswärtige Schüler (ab 10 Jahren, weiterführende Schulen), war per Zug und zu Fuß machbar.. die Strecke Bahnhof-Schule alles andere als kurz. Adipositas gabs nicht. Ein Schokoladeverbot auch nicht... denn die Lösung des Problems liegt ganz wo anders. Wobei ich wieder auf die Verantwortung der Eltern zurückkomme. Wie bei Rauchen und Alkoholkunsum spielt das Essverhalten dieser eine wichtige Rolle. Es ist nicht leicht, bei dem riesigen Angebot an "Verlockungen", die es früher so nicht gab, zu widerstehen. Ein Mac Doof hielt viel später Einzug in deutsche Landen. Die Zeit, ein hohes Gut, ist knapp geworden. Doch ist sie das wirklich? Der Tag hat nach wie vor 24 Stunden. Meine Mutter war immer voll berufstätig. Dennoch gabs Zeit für hausgemachte Spätzle oder Schupfnudeln und andere Schätze. Mittlerweile steht die Küche auch den Herren der Schöpfung offen, in Teamarbeit lässt sich vieles machen, was einst auch wegen fehlender Technik sehr viel zeitaufwendiger war.
Vieles ist aber leichter gesagt als getan. Die Zeit, in der Eltern die Ernährung ihrer Kinder noch steuern können, ist schnell vorbei. Schon die Kleinsten werden mit Spielzeug zum "Happy Meal" verleitet. Jugendliche treffen selbst Entscheidungen und lassen sich leicht durch Werbung verführen. Fettige Pommes, lapprige Burgerbrötchen, gepresstes "Fleisch", künstliche Saucen..igitt... Hinter dieser Fast Food-Anziehung stecken einerseits abhängig machende Geschmacksträger wie Zucker und Glutamat, andererseits gezielte Marketingkonzepte.
Der britische Politiker Chris Brewis bezeichnete Fast Food gar als "Kindesmissbrauch". Eine amerikanische Studie verdeutlichte nun die erstaunlichen Mechanismen, die sich im Gehirn von Kindern beim Anblick von Fast-Food-Logos abspielen.
Dagegen ist guter Rat teuer. Gute Lösungen sind nicht einfach zu finden und schwer zu bekommen. Die Medaille, Adipositas, hat zwei Seiten. Wie gesagt ist die eine Bewegungsmangel, die andere aggressive Werbung und Mangel der Zeit in unserer schnelllebigen Zeit.
Ich wünsche den Briten jedenfalls viel Erfolg in ihren Bemühungen der Bekämpfung von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen.