#1

Indien

in Asien 04.06.2024 22:39
von Meridian | 3.162 Beiträge

Indien hat gewählt, und das Ergebnis überrascht, zumindest ein wenig. Vohergesagt wurde eine bequeme Mehrheit für Modi und seine Hindunationalisten (BJP). Doch sie sind "nur" stärkste Partei geblieben. Verloren haben sie viele Sitze, und die abs. Mehrheit auch. Mit seinen bisherigen Koalitoinspartnern würde es aber weiterhin für eine Mehrheit reichen. (Ja, er gab offenbar eine Koalitionsregierung, obwohl die BJP auch so eine Mehrheit hatte. Vielleicht waren sie für Vorhaben wichtig, die mehr als 50% der Abgeordneten, z.B 2/3-Mehrheit benötigten.). Die Koalitionspartner wollen nach ersten Angaben weiter mit der BJP regieren, vieleicht im Bewusstsein, dass sie nun mehr Macht bekommen werden und auch für normale Mehrheiten essentiell werden. Aber die Opposition, die Kongresspartei, wirbt bereits für den Wechsel.

https://www.msn.com/de-de/nachrichten/po...ahl/ar-BB1nB1Er

Man merkt eines:
In Indien funktioniert das Wählen trotz allem. Modi, der gerne als der indische Putin gesehen wird (zumindest innenpolitisch), ist zwar weiterhin beliebt. Aber gewählt wird ja er nicht direkt, sondern die Abgeordneten für die Lok Sabha (Unterhaus). Möglich, dass sie lange nicht so beliebt sind.
Insbesondere habe ich in englischen Quellen gelesen, dass die BJP im Bundesstaat Uttar Pradesh (UP) sehr deutlich verloren hat. UP ist in Indien das, was in Deutschand NRW ist, nämlich der mit Abstand bevölkerungsreichste Bundesstaat. Mit 200 Mio Ew. ist er nebenbei die bevölkerungsreichste unterstaatliche Verwaltungseinheit überhaupt (zum Vgl: in DE ist es NRW mit 17 Mio und in Europa ist es England mit ca. 56 Mio Ew.). UP liegt in der sehr fruchtbaren Gangesebene östlich von Neu Delhi und hat u.a. auch die bekannte bzw. heilige Städte wie Agra (Taj Mahal), Varanasi (früher: Benares, wo jeder sich im Ganges reinwaschen will), Ayodhya (Moschee in den 90ern niedergerissen, jetzt ein nagelneuer Hindutempel, schwelender Konflikt aber schon seit der Unabh. von IN) und Prayagraj (ehemals Allahabad, das "Passau" von IN, wo der Yamuna in den Ganges fließt). Doch es zählt zu den ärmeren Bundesstaaten, und es scheint so, als ob gerade die Armen dem Modi einen kleinen Denkzettel verpassen. Denn Indiens Wirtschaft ist zwar kräftig gestiegen, aber die Armen haben bislang nicht oder nicht in dem Maß davon profitiert. Zudem kann die drohende Aushöhlung der Demokratie auch ein Grund für die Stimmenverluste sein.

Es scheint so, dass man Modi eine weitere Chance gibt dank seines Charismas und dass er Indien weiter vom kolonialen Erbe Großbritanniens befreien will. Doch oft wird der Zugang zu besserem Leben durch das Kastensystem verhindert. Es sind dabei weniger die Hauptkasten (Varna), denn von den 4 Hauptkasten und inzwischen auch von den Unberührbaren gibt es Reiche und Arme. Die Untergruppen der Hauptkasten (Jati), die bis zu einem gewissen Grad mit den Zünften im Mittelalter vergleichbar sind, sind eher das Problem. Davon gibt es Tausende. Wer darin geboren ist, hat es schwer, da raus zu kommen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kaste

Rein gesetzlich hat sich diesbezüglich viel geändert, aber das Kastenwesen ist in den Hindus tief verwurzelt, und gerade die Hindunationalisten tun wahrscheinlich wenig oder gar nichts, um das zu ändern.
Dass es knapp werden konnte, damit habe ich durchaus gerechnet. Über IN informiere ich mich gerne. So gab es in letzter Zeit immer wieder soziale Unruhen. Z.B.im Punjab gab es - hier kaum verfolgt - massive Bauernproteste (nicht nur in DE), die u.a. Bahnstrecken tagelang blockierten. Es lag also einige Unzufriedenheit in der Luft.

Nebenbei noch etwas:
Dieses Jahr ist ein globales Superwahljahr: das flächenmäßig größte Land hat schon gewählt (wobei man sich fragt, ob man dort überhaupt die Wahl hatte), gerade eben das bevölkerungsreichste Land, und im November wählt das mächstigste Land seinen Präsidenten. Ein Gefühl sagt mir, dass die Wahl ausgerechnet in Indien trotz aller Logistik in so einem oft chaotisch wirkendem Land noch am besten ablaufen sollte. In den USA bin ich mir nicht sicher. In letzter Zeit dauert die Stimmenauszählung dort ungewöhnlich lange.


Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.
(Benjamin Franklin)


zuletzt bearbeitet 04.06.2024 22:42 | nach oben springen

#2

RE: Indien

in Asien 30.04.2025 09:11
von fjodorov (gelöscht)
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Es deutet sich ein weiterer Krieg zwischen Indien und Pakistan an sollte nicht die Vernunft siegen.Der Überfall von pakistanischen Terroristen im indischen Teil von Kaschmir hat als Reaktion Indiens dazu geführt das Wasserabkommen mit Pakistan über den Indus zu kündigen.Die pakistanische Nukleardoktrin sieht einen Erstschlag vor, wenn das Überleben des Landes als gefährdet angesehen wird. Es wurden drei Schwellenwerte festgelegt: Verweigerung der Wasserzufuhr nach Pakistan (im Rahmen des Indus-Wasser-Vertrags), eine Seeblockade und eine ausländische Besetzung pakistanischen Territoriums.Wie Trumps jüngste Äußerung beweist, scheut die internationale Reaktion bisher davor zurück, die Kriegsoption zu befürworten. Einfach ausgedrückt: Kein Land, auch nicht Russland oder der sogenannte Globale Süden, hat Verständnis für die in Indien geäußerten Gefühle, die ein militärisches Vorgehen gegen Pakistan befürworten.Modi hat die Verantwortung für eine militärische Reaktion an die Streitkräfte übergeben.Nun fragt man sich als Beobachter der Situation ob eine militärische Auseinandersetzung zwischen beiden Staaten wirklich angemessen ist.Es ist nicht klar ob die Terroristen im Auftrag der pakistanischen Regierung gehandelt haben,das wäre eine völlig andere Qualität.Vermutlich handelt es sich eher um Gruppen die unabhängig von der Regierung in Islamabad gehandelt haben.Dann wären es gewöhnliche Kriminelle und Terroristen die entsprechend von beiden Staaten verfolgt werden müssten aber keinesfalls einen Krieg rechtfertigen.Das sollte,trotz der schlechten Beziehungen zwischen beiden Ländern,auch in Neu Delhi zum Nachdenken führen.Der Tod von 23 Menschen in Kaschmir darf nicht den Tod von Hundertausenden nach sich ziehen.



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#3

RE: Indien

in Asien 30.04.2025 11:49
von Meridian | 3.162 Beiträge

Selbst wenn Pakistan den Krieg verliert, würde Indien mehr verlieren, da die indische Wirtschaft deutlich besser dasteht als die pakistanische. Und Europa, das Indien als Alternative zu China sieht, würde auch viel verlieren.


Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.
(Benjamin Franklin)
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#4

RE: Indien

in Asien 30.04.2025 21:07
von Findus | 3.471 Beiträge

Nach der internationalen Handelsstatistik eher die USA und die Vereinigten arabischen Emirate. Und natürlich die BRICS - Staaten, die wirtschaftlich genau so mit Indien verpflochten sind.


zuletzt bearbeitet 30.04.2025 21:09 | nach oben springen

#5

RE: Indien

in Asien 04.05.2025 10:03
von fjodorov (gelöscht)
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Anscheinend hat sich in Islamabad und Delhi die Vernunft durchgesetzt.Es sieht ganz danach aus,dass es nicht zu einer militärischen Auseinandersetzung kommen wird,wie man anfangs in Pakistan vermutete.Gut so.



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#6

RE: Indien

in Asien 04.05.2025 15:05
von Findus | 3.471 Beiträge

Wie passt das mit der keine Tag alten Info zusammen, dass der indische Luftraum für alle pakistanischen Flugzeuge gesperrt wird?

Siehe: https://www.fr.de/politik/konflikt-zwisc...r-93707845.html


zuletzt bearbeitet 04.05.2025 15:06 | nach oben springen

#7

RE: Indien

in Asien 04.05.2025 15:30
von Meridian | 3.162 Beiträge

Die Nachricht mit der Sperrung des Luftraums für pak. Flugzeuge ist mindestens 3 Tage als. Das Update ist wohl wie das vorige Update auf den 30. April bezogen, da ich eine solche Meldung auch schon vor 3 Tagen gelesen habe.

Ich vermute, dass derzeit eine Art Geheimdiplomatie läuft. Indien benötigt eine Art der Vergeltung, weil möglicherweise auch ein hoher Druck vom Volk dahintersteckt. Der Hass auf Pakistan und damit die Bereitschaft für einen Krieg ist beim Volk ziemlich groß. Es kann sogar eine Vergeltung auf Ansprache hinauslaufe, wonach Indien einen scheinbaren heftigen Militärschlag. verübt und Pakistan eine Vergeltung, die Indien ignorieren kann und beide Länder gesichtswahrend aus dieser Nummer rauskommen lässt. Ähnliches wurde auch per Geheimdiplomatie zw. Israel und dem Iran angewendet, als der Iran IL mit vielen Drohnen angegriffen hat, nachdem IL die iranische Botschaft in Syrien bombardiert hat.

Möglich ist auch, dass Indien die Grenzen mit Pakistan und China endgültig geklärt haben möchte und auch bereit wäre, die "Line of Control" zu PK und CN auch als tatsächliche Staatsgrenze anerkennen. Diese ist nun seit Jahrzehnten kaum mehr verändert, und die Leute haben sich daran gewöhnt. Immerhin sind alle 3 Länder (und alle drei als Atommächte) in der SOZ (Schanghaier Organisation für Sicherheit), in der nebenbei als 4. Atommacht (genauer: 1. Atommacht, wenn man die Anzahl der Atomwaffen berücksichtigt) Russland dabei ist. Ich kann mir denken, dass v.a. RU und CN geheim vermitteln, vielleicht auch die arabische Welt, Europa und USA aus Angst vor wegfallenden Ketten im Welthandel. Diese beiden Länder können wahrlich keinen weiteren Krieg, noch dazu mit atomarem Eskalationspotential, brauchen. RU hat schon mit der Ukraine zu tun, was dort als Stellvertreterkrieg mit der NATO gesehen wird, und CN bereitet sich auf eine Auseinandersetzung mit den USA um Taiwan vor.
Indiens Druck könnte darauf hinweisen, dass es nicht mehr länger bereit ist, diesen schwelenden Konflikt zu tragen und diesen endgültig lösen möchte, dabei mit der Bereitschaft zu einem Krieg.


Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.
(Benjamin Franklin)
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