#1

Raisi - Kondolenz als Pflichtübung für Verbrecher?

in Naher und mittlerer Osten 24.05.2024 11:51
von Anthea | 13.427 Beiträge

Beileidskundgebungen für den verunglückten iranischen Staatspräsidenten Raisi isind äußerst kritisch zu sehen. BK Scholz hat dazu dem Iran kondoliert. Wie es sich gehört, so die landläufige Meinung. Weil man bei einem Todesfall sich zu verhalten habe, nämlich sein Beileid resp. Mitgefühl kundzutun. Kondolenz meint jedoch Empathie. Und diese kann man nicht mit einem Mann haben, der als "Schlächter von Teheran" bekannt war.

Dass Menschen zurückbleiben, die aufrichtig um einen Verstorbenen trauern, weil sie mit ihm als Mensch verbunden waren, das ist ehrlich! Und ganz alleine ihre Angelegenheit und ihre Trauer.

Aber allgemeine Trauer für einen Massenmörder? Wie bei der Schweigeminute im UN Sicherheitsrat, wo ein neutraler Betrachter der Szenerie traurig schauernder Abgeordneter unschwer denken könnte, dass es sich um einen hochverdienten Menschen gehandelt habe.

"Dass auch führende Vertreter der EU und Bundeskanzler Scholz mitfühlende Worte zum Tod eines Massenmörders fanden, ist eine Ohrfeige für die Familien seiner vielen Opfer. Die vor Raisis Ableben verbreiteten Solidaritätsbekundungen mit Irans mutiger Protestbewegung klingen da nur noch hohl." FAZ

UN Flaggen auf Halbmast...

"Für den Mann, der in Iran Tausende Oppositionelle in Schnellverfahren – meist mit Schlinge um den Hals an einen Kran oder ein Baugerüst aufgehängt – umbringen ließ. Für den Mann, der systematische Vergewaltigungen von Frauen in Gefängnissen initiierte, damit sie keine Jungfrauen mehr sind und damit nicht mehr in den Himmel kommen. Für den Mann, den sie im Iran nur den „Schlächter von Teheran“ nennen. Für ihn stehen die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats auf und gedenken seiner." Quelle BILD

"Was kommt als Nächstes? Eine Schweigeminute zum Jahrestag von Hitlers Tod?“, fragte der israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen.

Berechtigte Frage bei einer zunehmend verlogeneren Welt.

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Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.
Mahatma Gandhi


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#2

RE: Raisi - Kondolenz als Pflichtübung für Verbrecher?

in Naher und mittlerer Osten 24.05.2024 19:12
von Dr. Yes | 3.530 Beiträge

Zitat von Anthea im Beitrag #1
"Was kommt als Nächstes? Eine Schweigeminute zum Jahrestag von Hitlers Tod?“, fragte der israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen.
Eine Schweigeminute für Putin. Hoffentlich.


Ще не вмерла України і слава, і воля
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#3

RE: Raisi - Kondolenz als Pflichtübung für Verbrecher?

in Naher und mittlerer Osten 25.05.2024 11:16
von Meridian | 3.170 Beiträge

Hm, im Wikipedia steht, dass Scholz "in knappen Worten kondolierte".

https://de.wikipedia.org/wiki/Hubschraub...i_Varzaqan_2024

Ist vielleicht vielleicht der Tatsache geschuldet, dass die iranisch-deutschen Beziehungen traditionell recht gut waren. Ich denke, Scholz kondoliert deutlich ausführlicher, wenn Macron plötzlich ums Leben kommt - trotz einiger Differenzen zw. den beiden. Oder noch mehr, wenn König Charles seinem Krebsleiden erliegt.

Man könnte fast Aliyev in Verdacht bringen, zumal er Raisi noch am Tage seines Todes verabschiedet hat. Doch die Beziehungen zw. Aserbaidschan und Iran gelten als gut. Und Aliyev, der ein bisschen wie Erdogan aussieht, regiert sehr diktatorisch.

Ich schließe nicht ganz aus, dass Israel etwas damit zu tun hat, vielleicht indirekt. Das rasche und ungefragte Dementi von israelischer Seite erscheint mir verdächtig. Zw. IL und IR wird seit vielen Jahren schon ein Schattenkrieg geführt. Der offene Schlagabtausch Anfang April ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.

Ansonsten bekam Raisi von vielen Staatschefs Kondolationen, darunter auch von Modi, vom Land mit den meisten Einwohnern.
Ein mir bekannter Iraner, der in Europa wohnt, und das theokratische System seines Landes hasst, macht aus seiner Freude über den Tod Raisis keinen Hehl. Er bedauert nur die durch den Hubschrauberabsturz in Mitleidenschaft gezogenen Bäume...

Ja, wie man mit dem Tod von Staatschefs mit schlechtem Ruf umgehen soll, war und ist schon immer umstritten. Die Geschichte zeigt, dass es von weltweiter Kondolation bis hin zur (versuchten) Namenstilgung alles gab.

Gaddhafi trauerte man keine Minute nach, obwohl sein Tod grausam gewesen sein soll mit einiger Folter. König Hussein von Jordanien, der Vorgänger des jetzigen Königs, wurde von der ganzen Welt in fast extremen Umfang kondoliert. Staatschefsaus aller Welt (darunter der damals gerade angetretene Kanzler Schröder) kondolierten vor seinem aufgebahrten Sarg. Als ob JO eine Weltmacht wäre... Ein anderer Hussein, auch sehr bekannt seit den 90er-Jahren und ehemaliger Staatschef eines Nachbarlandes von JO, bekam keine Kondolationen nach seiner Hinrichtung.

Wie wird die SPD mit dem Tod von Gehard Schröder umgehen? Ein Mann, der kaum wie ein anderer umstritten ist... Weltweit umstritten ist auch Netanjahu. Sein Tod wir mit hoher Wahrscheinlichkeit auch kontrovers behandelt. Das gilt auch für Donald Trump und noch mehr für Putin.


Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.
(Benjamin Franklin)
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#4

RE: Raisi - Kondolenz als Pflichtübung für Verbrecher?

in Naher und mittlerer Osten 26.05.2024 11:39
von Anthea | 13.427 Beiträge

Zitat von Meridian im Beitrag #3
Die Geschichte zeigt, dass es von weltweiter Kondolation bis hin zur (versuchten) Namenstilgung alles gab.


Das Stichwort heutzutage ist vielleicht "Verdrängung". Manche sind Meister darin, unangenehme Dinge zutiefst in ein Verlies der Erinnerung zu verbannen. Und auch wenn normalerweise Verliese der sicheren Aufbewahrung dienen, so sind sie nicht unüberwindbar. Man kann ihnen entfliehen, siehe den Graf von Monte Christo.....
Und das nennt sich Erinnerung, die urplötzlich wieder auftauchen kann. Lange vergessen Geglaubtes kommt an die Oberfläche.
"Für mich bist du gestorben" sagt ein von einem anderen zutiefst Enttäuschter. Aber Gestorbene sind DIE Vergangenheit, die prägend und wichtig für die Gegenwart ist. So oder so. Und sei es nur als Mahnmale eines "nie wieder"...

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Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.
Mahatma Gandhi


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