Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 25.05.2023 13:10von Anthea •

Und diese, die Zensur, findet sie bereits in der Verhunzung von Kinder-Klassikern wie Pipi Langstrumpf, wo dann Dinge nicht mehr so heißen dürfen, wie niedergeschrieben.
Warum? Es kann doch tatsächlich keiner in Frieden leben und sich grundsätzlich nichts Böses denken, gibt es doch immer irgendwo einen Zeitgenossen, dem etwas nicht gefällt... Aus welchen Gründen auch immer
Die Bestseller-Autorin Donna Leon, bekannt durch ihren Kommissar Brunetti, sieht eine neue Zeit der Zensur gekommen. „Wir leben jetzt in einer Welt, in der man nichts schreiben darf, was Leser kränkt, überrascht, verletzt, verstört oder in irgendeiner anderen Weise Empfindlichkeiten berührt“, sagte die Schriftstellerin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ in einem kürzlichen Interview.
Donna Leon spricht sich dafür aus, die Sprache der Vergangenheit als einen Teil der Geschichte anzuerkennen!
Das sehe ich ähnlich.
Recht drollig ihre Erzählung, dass sie eigentlich bei ihren Krimis keinerlei Ärger von Lesern vermelden konnte. Egal, wie viele Leute darin starben, beziehungsweise gemeuchelt wurden. Als jedoch einmal ein Hund zu Tode kam, da hagelte es Proteste. Lach*
Es ist ja kein neues Thema, aber auf jeden Fall brandaktuell, wie ich meine!
Wird zu viel zensiert? Ist es nicht wirklich ätzend, auf irgendwelche "Befindlichkeiten" - oder wie immer man das nennen will - Rücksicht nehmen soll?
Ich weigere mich da doch sehr. Jedenfalls was "Kunst" anbelangt.
Da fühlen sich Leute schon durch den Anblick eines kleinen Wichtels in Gärten beleidigt, der seinen nackten Hintern zeigt. Konnte man schon vor Jahren lesen.
"Sag es durch die Blume" - das ist doch eine nette Aufforderung. Aber es müssen ja nicht immer Blumen sein, wenn man jemandem etwas indirekt sagen will.
Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.
Mahatma Gandhi

RE: Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 25.05.2023 17:44von Findus •

Ich glaube, Anthea geht es nicht um die Ästhetik eines Wortes.
Interessant ist, dass man den historischen Kontext alter Werke scheinbar nicht mehr ertragen kann. Man denke durchaus auch an den Eklat um die Winnetou-Kinderverfilmung. Karl May ist ein Kind seiner Zeit gewesen. Überdies sind seine Wild-West-Geschichten spannend zu lesen. Leider kann man Karl May nicht mehr fragen, was er zu einer Aktualisierung seines literarischen Werkes sagen würde.
Und nur deswegen darf man Karl May nicht mehr lesen oder im Kino sehen?

RE: Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 25.05.2023 20:50von Anonymer Gutmensch •

Zitat von Dr. Yes im Beitrag #2
Weil das Wort Negerkönig ersetzt wurde, ist ein ganzes Kinderbuch "verhunzt"? Echt jetzt?
.
Zu fragen bleibt, ob man die angeblich rassistisch Beleidigten gefragt hat, ob sie sich durch das Wort "Negerkönig" auch beleidigt fühlen. Wenn nämlich nicht, wäre das der Gipfel des Rassismus: jemandem vorzuschreiben, wann er sich düpiert zu fühlen hat.

RE: Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 25.05.2023 21:22von Dr. Yes •

Zitat von Findus im Beitrag #3Wieso? Man erträgt ihn doch. Niemand hat gefordert, alle alten Pippi-Langstrumpf-Bücher abzugeben und durch neue zu ersetzen.
Interessant ist, dass man den historischen Kontext alter Werke scheinbar nicht mehr ertragen kann.
Ansonsten gibt es überhaupt keinen historischen Kontext, dass in neu aufgelegten Büchern unbedingt "Negerkönig" stehen bleiben muss. Anders als z.B. bei Tom Sawyer und Huck Finn, wenn dort ein Rassist (wer war das noch?) ständig auf die "Nigger" schimpft.
Keine Ahnung, was mit Winnetou sein soll. Als ich 10 bis 12 Jahre alt war, habe ich Karl May verschlungen. Die Verfilmungen mit Pierre Brice & Co fand ich damals schon albern.
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Ще не вмерла України і слава, і воля

RE: Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 25.05.2023 21:30von Dr. Yes •

Zitat von Anonymer Gutmensch im Beitrag #4Das ist m.E. nicht der Punkt. Mich zum Beispiel könnte man mit nichts beleidigen (ich musste mir hier schon einiges anhören
Zu fragen bleibt, ob man die angeblich rassistisch Beleidigten gefragt hat, ob sie sich durch das Wort "Negerkönig" auch beleidigt fühlen. Wenn nämlich nicht, wäre das der Gipfel des Rassismus: jemandem vorzuschreiben, wann er sich düpiert zu fühlen hat.

Tatsache ist, dass der Begriff "Neger" bei uns ausschließlich negativ besetzt ist, und deshalb werde ich niemals einen Schwarzafrikaner mit "Neger" titulieren.
Ще не вмерла України і слава, і воля

RE: Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 25.05.2023 22:14von Meridian •

Ich verweise auf dieses interessante Restaurant in Kiel:
https://www.rnd.de/panorama/kieler-resta...CPNBBZWCGY.html
Das ist, was der anonyme Gutmensch wohl ausdrücken will: Die deutsche Moral will voreschreiben, wann man als Mohrenk... äh... als Schwarzafrikaner beleidigt zu sein hat. Ich fürchte fast, dass der Restaurantbesitzer als Verräter der Schwarzen dargestellt wird, weil er ein "Mohrenkopf" bleiben will. Deutsches Schubladendenken halt eben. (Da ist selbst die indische Kaste harmlos dagegen.)
Und dann ist sein Küche noch deutsch dazu und nicht afrikanisch. Wie geht den sowas? Verrat an seinen eigenen Wurzeln...?
Und wenn ich an die Sache mit dem Dreadlook (früher als Rastalocken bekannt) derjenigen denke, die wegen "Kulturklau" deswegen nicht bei FFF (Friday for Future) auftreten durfte, dann könnte man denken, das sich rechts- und linksextrem auf eigenartige Weise vermischt. Soll die Dreadlook-Dame also "deutsch" oder wenigstens mitteleuropäisch erscheinen? Und was ist das überhaupt: deutsch oder mitteleuropäisches Erscheinen?? Das wissen die von FFF wahrscheinlich selber nicht genau.
Wir Deutschen sind derzeit entsetzlich moralisch. Und wir halten uns für de moralisch am saubersten (nur die Schweizer toppen das noch), was v.a. von Grüner Ecke kommt. Dabei unterscheidet sich diese Art Denkweise kaum von derjenigen der Nazis: Die Nazis hielten die Deutschen für die hochwertigste Rasse; jetzt sind die Deutschen die moralisch besten. Das ist aber genauso überheblich, jedoch so, dass man sich (mit Erfolg!) vormachen kann, man hätte mit Nazidenkweisen nichts zu tun.
Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.
(Benjamin Franklin)

RE: Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 26.05.2023 09:53von Anthea •

Zitat von Dr. Yes im Beitrag #2
Weil das Wort Negerkönig ersetzt wurde, ist ein ganzes Kinderbuch "verhunzt"? Echt jetzt?
Ich glaube, dass die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder diese Diskussion vor Jahren so richtig angestoßen hatte mit Verweis auf ihre eigenen Kinder, denen sie beim Vorlesen solch bösen Worte ersparen wollte.
In einem interessanten Artikel der ZEIT heißt es übrigens:
"[...]Je höher der Bildungsabschluss der Interviewten, desto größer ist der Anteil derer, die gegen eine Reform der Kinderbücher sind. So plädieren 85 Prozent der befragten Volksschüler ohne Lehre für eine Anpassung der Texte, doch nur 37 Prozent der Deutschen mit Hochschulreife."
Ja, lieber Dottore, nicht dass jetzt jemand auf die Idee kommt, dass du den Doktortitel in hochstaplerischer Absicht trägst?

Denn, was sich immer wieder zeigt ist, dass du nicht richtig liest.
Donna Leon nannte die Änderung von Begriffen eine "Zensur". Was ist das denn sonst in deinen Augen?
Muss ein Buch für geistig Unwendige geschrieben werden, die nicht fähig sind, Dinge aus ihren Ursprüngen, ihrer Zeit, Kultur und Verständnis heraus zu verstehen und einzuordnen?
Wann geht es um Erotik-Literatur im weitesten Sinne? Wo dann ein derbes Wort wie "fi**** durch "Geschlechtsverkehr ersetzt wird?

Und wo dann Bücher verboten werden wie beispielsweise jene vom Marquis de Sade


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Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.
Mahatma Gandhi

RE: Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 26.05.2023 10:14von Anthea •

Im australischen Karen's Diner werden Gäste angepöbelt und beleidigt. Ein tolles Konzept, viele neue Restaurants nach diesem Karen's Style wurden bereits anderswo auf der Welt eröffnet.
https://www.rtl.de/cms/england-restauran...lt-4995194.html
Es gibt also nichts, was es nicht gibt. Ich schätze mal, eine tolle Gelegenheit für geistige Masochisten, sich so richtig wohl zu fühlen. Und Klagen von Gästen wegen Beleidigung laufen natürlich ins Leere.
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Mahatma Gandhi

RE: Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 26.05.2023 10:30von Anthea •

Kürzlich wurde ein Fall verhandelt, wobei es um die Äußerung einer Frau in einem Bus ging, die ihren Mann fragte, ob sie in Anatolien seien. Der Grund waren mehrere Frauen mit Kopftuch, die in den Bus stiegen.
Eine Frau erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft wertete die Äußerung als Beleidigung, da der Begriff "Anatolien" ein Synonym für Unbildung und Rückständigkeit sei. Der Verteidiger der Frau sah die Aussage durch die Meinungsfreiheit gedeckt.
Das Gericht folgte der Ansicht der Verteidigung und sprach die Frau frei.
Sehe ich als richtig an und denke auch, dass die Angeklagte keine explizite Beleidigung aussprechen wollte.
Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und nicht der Beständigkeit.
Mahatma Gandhi

RE: Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 26.05.2023 13:50von Dr. Yes •

Zitat von Anthea im Beitrag #8Zitat von Dr. Yes im Beitrag #2
Weil das Wort Negerkönig ersetzt wurde, ist ein ganzes Kinderbuch "verhunzt"? Echt jetzt?
Ich glaube, dass die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder diese Diskussion vor Jahren so richtig angestoßen hatte mit Verweis auf ihre eigenen Kinder, denen sie beim Vorlesen solch bösen Worte ersparen wollte.
In einem interessanten Artikel der ZEIT heißt es übrigens:
"[...]Je höher der Bildungsabschluss der Interviewten, desto größer ist der Anteil derer, die gegen eine Reform der Kinderbücher sind. So plädieren 85 Prozent der befragten Volksschüler ohne Lehre für eine Anpassung der Texte, doch nur 37 Prozent der Deutschen mit Hochschulreife."
Ja, lieber Dottore, nicht dass jetzt jemand auf die Idee kommt, dass du den Doktortitel in hochstaplerischer Absicht trägst?
Denn, was sich immer wieder zeigt ist, dass du nicht richtig liest.
Donna Leon nannte die Änderung von Begriffen eine "Zensur". Was ist das denn sonst in deinen Augen?
Muss ein Buch für geistig Unwendige geschrieben werden, die nicht fähig sind, Dinge aus ihren Ursprüngen, ihrer Zeit, Kultur und Verständnis heraus zu verstehen und einzuordnen?
Wann geht es um Erotik-Literatur im weitesten Sinne? Wo dann ein derbes Wort wie "fi**** durch "Geschlechtsverkehr ersetzt wird?
Und wo dann Bücher verboten werden wie beispielsweise jene vom Marquis de SadeWeil diese doch frauenverachtend sind? Oder so....
---
Gut, da hast du wieder viel geschrieben, aber wenig gesagt und meine Frage überhaupt nicht beantwortet.
Natürlich gibt es bei uns Zensur. Einerseits bilden die Strafgesetze den Rahmen, innerhalb dessen etwas geschrieben oder gesagt werden darf, andererseits gibt es gesellschaftliche Konventionen; an die muss man sich natürlich nicht halten, aber wer es nicht tut, soll dann nicht rumjammern, wenn er Gegenwind bekommt. Und drittens ist es Sache des Verlegers, ob er ein Buch so publiziert, wie es der Schreiber einreicht; soweit ich weiß, nehmen sich Lektoren des Buches an, und dann wird daran herumgefeilt. Auch das könnte man als Zensur bezeichnen.
Rassistische Begriffe haben in Kinderbüchern allerdings absolut nichts zu suchen. Kinder sind nicht in der Lage, "Dinge aus ihren Ursprüngen, ihrer Zeit, Kultur und Verständnis heraus zu verstehen und einzuordnen". Ganz abgesehen davon, dass diese Begründung bei Pippi überhaupt nicht greift.
Ще не вмерла України і слава, і воля

RE: Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 26.05.2023 13:56von Dr. Yes •

Zitat von Anthea im Beitrag #9Zugesetzt? Ach Gottchen. Das Einzige, was mich irritiert hat: In anderen Foren, die ich kenne, wurde dergleichen verschoben; hier wurde es noch genüsslich breitgetereten.Zitat von Dr. Yes im Beitrag #6
Mich zum Beispiel könnte man mit nichts beleidigen (ich musste mir hier schon einiges anhören
Denk mal an den "retardierten Dorftrottel"Der hatte dir doch arg zugesetzt.
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RE: Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 26.05.2023 15:56von Findus •

Zitat von Dr. Yes im Beitrag #5
Wieso? Man erträgt ihn doch. Niemand hat gefordert, alle alten Pippi-Langstrumpf-Bücher abzugeben und durch neue zu ersetzen.
Und weil Astrid Lindgren so schrecklich ist, verändert man ihre Bücher?
Die Autorin kann man nicht mehr fragen. Ich denke, dass sich Lindgren vermutlich missverstanden fühlen würde.
Ein erläuterndes Vorwort zum historischen Kontext oder ähnliches fände ich besser als sich heute zum moralischen Richter über Lindgren aufzuschwingen. Wer weiß, was man in 100 Jahren über unsere Gesellschaft und ihre Werke denkt.

RE: Donna Leon und die Kritik an der "Zensur"
in Literatur 26.05.2023 18:27von Dr. Yes •

Zitat von Findus im Beitrag #14Meine Güte, da wird gerade mal ein Wort verändert, das überhaupt keine Relevanz für den gesamten Inhalt hat.
Und weil Astrid Lindgren so schrecklich ist, verändert man ihre Bücher?
Zitat von Findus im Beitrag #14Muss man auch nicht. Astrid Lindgren war zeitlebens eine progressiv denkende Frau; sie hätte mit Sicherheit nichts dagegen, den antiquierten und rassistischen Begriff zu ersetzen. Pippi Langstrumpf stammt aus den 40er Jahren, damals war eine andere Zeit. In Deutschland war es damals auch noch ganz normal, von Zigeunern, Kümmeltürken und Spaghettifressern zu reden.
Die Autorin kann man nicht mehr fragen.
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