Nun, in diesem Roman treffen arabisch-islamische Expansionslust auf chinesischen Hochmut. Dieselbe Figur (Tschiao Tai), die sich durch die Begrüßung des Arabers beleidigt fühlt, schaut auf chinesisch-abfällige Art auf andere Kulturen. Er vergleicht die 22 arabischen Buchstaben mit den 1000en von chinesischen Zeichen und wartet keine (mögliche) Erklärung ab, dass man mit 22 Buchstaben weit mehr Wörter generieren kann, als es chin. Zeichen gibt. Das rechtfertigt aber nicht das Verhalten der Araber.
Nebenbei ist Mord in Kanton der einzige Band, bei dem auch Europäer erwähnt werden. Glauben konnte man es nicht. Aber warum auch? Zur Zeit der Tang-Dynastie gab es keinen Kontakt mit den Europäern, die sich in dieser frühmittelalterlichen Zeit erst neu ordnen mussten. Zuvor, in der Han-Dynastie, gab es zwar kaum Kontakt mit den Römern, aber man wusste gegenseitig vom anderen Reich. Der Handel geschah über Indien. Und zwischen der Han- und Tang-Dynastie gab es Phasen mit Spaltungen und innerchinesischen Kriegen. Da war China so mit sich selber beschäftigt, dass Europa aus der Peripherie heraus fiel. China konnte übrigens froh sein, dass es während der unruhigen Zeit nicht von außen angegriffen wurde. Aber da zur Han-Dynastie die Große Mauer teilweise gebaut wurde, war China bereits gut gesichert.
Zu Tschiao Tai: Er vertritt die typische chinesische Haltung, wonach China die höchste aller Kulturen sei und Eroberungen anderer Gebiete zu rechtfertigen seien, um den Barbaren Kultur beizubringen. Man kann ein gewisses Verständnis aufbringen, denn China war über Jahrhunderte tatsächlich von wilden Stämmen oder anderen Völkern mit niedrigerer Kultur umgeben. Sowas fördert natürlich Hochmut und Überlegenheitsgefühl. Im ersten Band der Richter Di-Reihe (Geisterspuk in Peng-lai) hat er genau das gesagt im Zusammenhang mit Kriegen gegen Korea, was ein Hintergrundthema dieses Romanes ist.
Interessant ist auch das Wasservolk in Kanton, das wie eine Art Paria behandelt wurde. So schaffte man sich selber eine Gefahr, wenn dieses Wasservolk sich mit den Arabern zusammentut. Im Gegensatz zu den Arabern war das Wasservolk eine innerchinesische Minderheit, die - wie die meisten Minderheiten - schlecht behandelt wurden. Daran hat sich bei heute nichts geändert, siehe Tibet und Uiguren.