Während der Corona-Krise war zuerst das Klopapier alle, dann noch Nudeln und Fertiggerichte knapp - und schließlich war die schnöde Hefe betroffen.
Mehr Menschen scheinen also inzwischen für sich selbst zu sorgen, und auch mal wieder was selbst herzustellen, wofür man bisher das Restaurant oder den Bäcker besucht hat.
Seit vielen Jahren backe ich oft (nicht immer) mein Brot und meine Brötchen selbst. Doch wenn man mal ganz ehrlich ist - so gut wie das frische Selbstgemachte auch schmeckt - kommt man an ein frisches selbstgemachtes Brot oder Brötchen von einem guten Bäcker ran, dann schmeckt das meist doch noch mal ganz anders.....
....dachte ich zumindest, bis ich für Brötchen folgendes Rezept fand:
100g Weizenmehl Type 1050
100g Roggenmehl Type 997
(Beide Mehlsorten kann man auch durch Vollkornmehl oder Dinkel ersetzen)
300g Weizenmehr Type 550
5g (das reicht wirklich!!!) Hefe
10g Salz
1/2 Teelöffel Koriander
325 ml Wasser
Was dieser Teig braucht, ist _Zeit! Es ist nicht wirklich viel Arbeit - aber die langen Gehzeiten verlangen ein wenig Planung, wenn man frische Brötchen haben will. Doch die Zeit lohnt!!!!
Am Vorabend das Roggenmehrl und das Weizenmehl Type 1050 in eine Schüssel mit Deckel geben.
In 325ml lauwarmes Wasser die Hefe auflösen, und dann die hefelösung mit dem Mehl in der Schüssel verrühren, bis ein glatter aber noch sehr flüssiger Teig entsteht.
Die Schüssel schließen und an einem normal warmen Ort einfach mal eine Nacht stehen lassen. (Zimmertemperatur)
Am nächsten Tag kommt in die Schüssel das restliche Mehl rein, dazu noch die Gewürze und das Salz. Jetzt bitte wirklich 10 Minuten kneten. Ist ein wenig Handarbeit - aber das lohnt sich!
Den Teig wieder in die Plastikschüssel geben und den Teig abdecken und erneut eine Stunde gehen lassen - etwas länger schadet auch nichts, Zimmertemperatur ist ok.
Dann den Teig bemehlen und stürzen.
Mit einer Teigkarte den Teig halbieren und jede Hälfte in ca. 4 Teile teilen. Diese möglichst wenig drücken oder kneten - idealerweise haben sie schon die ungefähre Form, die man für Brötchen haben will.
Die Brötchen auf ein Backblech setzen (Backpapier schadet nichts, aber verhindert das kleben....) und mit einem sauberen Küchentuch bedecken und weitere 15 Minuten gehen lassen.
Backofen auf 230 Grad Ober/Unterhitze vorheizen (Umluft wird nicht ganz so gut, da reichen aber 210 Grad).
Mit einem scharfen Messer die Brötchen ca. 1cm tief einschneiden.
15-20 Minuten goldbraun backen. Wer die Brötchen warm essen will, der sollte eher 15 Minuten verwenden - wer die Brötchen etwas länger im Ofen lässt, darf sie nicht gleich essen! Denn dann haben sie eine relativ harte Kruste - ca. 15-20 Minuten auf einem Gitter abkühlen lassen, dann wird die Kruste genau richtig!
Diese Brötchen sind inzwischen mein absoluter Favorit - ich spiele ab und an mit den Gewürzen, habe auch schon mal Zwiebel oder Kräuter reingemixt. Das Ergebnis war jedesmal lecker. Wer eine besonders knackige Kruste mag, pinselt die Brötchen vor dem Backvorgang mit warmen Wasser noch ein.
Die Brötchen vertragen auch locker noch eine Reihe an Körnern - sowohl im Teig, als auch einfach an der Oberfläche. Sonnenblumenkerne sind mein Favorit, Mohn geht aber auch.
Wenn man die Brötchen nach dem Backen einfriert, dann möglichst in einem luftdichten Beutel. holt man sie dann aus dem Gefrierfach raus, einfach in den kalten Ofen geben - 160 Grad Umluft und nach 10-15 Minuten sind sie wieder knackig.
Die Mehle des Vorteigs habe ich schon auf vielerlei Arten variiert - wenn man mit Dinkelmehl backt, wird das Backgut meist relativ trocken. Das ist hier deutlich weniger der Fall! Ich mag auch die Dinkelvariante!
Die 5g Hefe reichen locker aus - normalerweise braucht man für 500g Mehl eine ganze Packung Hefe. Das ist aber nicht notwendig, weil man hier der Hefe die ganze Nacht und noch ein wenig mehr für die Ruhezeit gönnt. Das bringt geschmacklich aber sehr viel - und macht die Hefe deutlich ergiebiger. In Zeiten von Corona, wo Hefe knapp ist, kann man solcherlei Tipps gut gebrauchen!
Vielleicht hat ja jemand Lust, das Rezept mal auszuprobieren....dann wünsche ich euch viel Spaß und guten Appetit - und P.S.: Spart nicht am Salz! Die 10g braucht es wirklich - sonst schmecken die Brötchen fad.